Ehlers-Danlos-Syndrom
Eine angeborene Erkrankung mit funktionellen Beschwerden
Auf unseren Seiten geht es praktisch ausschließlich um funktionelle Störungen. Doch auch bei organischen Erkrankungen können autonome Regulationsveränderungen eine Rolle spielen.
Hier geht es jedoch um das seltene Ehlers-Danlos-Syndrom reden. Es eine angeborene Störung, die nach zwei Hautärzten aus Dänemark und Frankreich benannt wurden.
Ein EDS bezeichnet eine größere Gruppe von angeborenen Störungen, die auf einer Erkrankung des Bindegewebes beruhen. Da das Bindegewebe überall im Körper vorkommt, können letztlich alle Körperteile betroffen sein: Gefäße, Muskeln, Bänder, Sehnen, Sinnesorgane und innere Organe. Es wird daher auch von einer Multisystemerkrankung gesprochen.
Doch beim EDS gibt es auch eine Fülle von funktionellen Beschwerden, die parallel zu den Hauptbeschwerden auftauchen. Diese müssen bei der Diagnose der Erkrankung beachtet werden. Manchmal liegt einer funktionelle Erkrankung vor, bei der EDS lediglich befürchtet wurde.
Wichtig ist ebenfalls, dass sich die funktionellen Beschwerden lindern lassen.
Sie finden hier Infos zu dieser Seite der Erkrankung.
Formen von EDS
Das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) ist der Sammelbegriff für mehrere erblich bedingte Erkrankungen des Bindegewebes. Diese Krankheiten sind sehr unterschiedlich in ihren Erscheinungsformen und Ursachen, haben aber gemeinsam, dass das Bindegewebe – also das Gewebe, das Haut, Gelenke, Blutgefäße und Organe stützt und zusammenhält – zu schwach oder zu dehnbar ist.
Nach der derzeit gültigen internationalen Klassifikation von 2017 unterscheidet man 13 genetisch nachweisbare Formen des Ehlers-Danlos-Syndroms. Bei diesen Formen wurden krankheitsverursachende Veränderungen (Mutationen) in insgesamt 20 verschiedenen Genen gefunden. Diese Gene liefern Bauanleitungen für bestimmte Kollagene – das sind die wichtigsten Strukturproteine des Bindegewebes – oder für Enzyme und Eiweiße, die an der Bildung und Stabilität des Kollagens beteiligt sind.
Die wichtigsten genetisch nachweisbaren Formen sind:
- Klassischer Typ (cEDS): verursacht durch Veränderungen in den Genen COL5A1 oder COL5A2
- Vaskulärer Typ (vEDS): verursacht durch Veränderungen im Gen COL3A1
- Kyphoskoliotischer Typ (kEDS): verursacht durch Veränderungen in PLOD1 oder FKBP14
- Arthrochalasia-Typ: verursacht durch Veränderungen in COL1A1 oder COL1A2
- Dermatosparaxis-Typ: verursacht durch Veränderungen im Gen ADAMTS2
Daneben gibt es noch einige seltene Varianten mit Veränderungen in weiteren Genen wie TNXB, AEBP1, B4GALT7, B3GALT6 oder SLC39A13.
Die häufigste Form, das hypermobile Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS), unterscheidet sich von den anderen: Für sie wurde bisher kein spezifischer Gendefekt gefunden. Daher kann die Diagnose nur anhand der klinischen Merkmale, also der typischen körperlichen Anzeichen und Symptome, gestellt werden.
Erhöhte Dehnbarkeit
Beispiel Subluxation Schulter bei H-EDS
Beispiel Subluxation Kiefergelenke bei H-EDS
Häufigkeit
Der häufigste Untertyp des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) ist das hypermoblie Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS). Es betrifft schätzungsweise eine von 5.000 bis 20.000 Personen weltweit.
Der klassische Typ (cEDS) kommt ebenfalls vergleichsweise häufig vor – etwa bei einer von 20.000 bis 40.000 Personen.
Alle anderen Formen des EDS sind sehr selten. Sie treten meist nur in einzelnen Familien oder Einzelfällen auf. Für diese seltenen Subtypen gibt es keine verlässlichen Häufigkeitsangaben, da sie in der medizinischen Fachliteratur nur vereinzelt beschrieben werden.
Insgesamt wird geschätzt, dass mindestens eine von 5.000 Personen an einer Form des Ehlers-Danlos-Syndroms leidet. Die hypermobile und die klassische Form machen dabei den größten Anteil aus.
Die selteneren Typen – wie der vaskuläre, kyphoskoliotische, arthrochalase- oder dermatosparaxis-Typ – sind extrem selten und machen jeweils weniger als 1 % aller EDS-Fälle aus.
Diagnostik EDS
Komplexe Diagnostik
Die Diagnose eines Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) beginnt mit einer gründlichen ärztlichen Untersuchung. Grundlage ist die internationale Klassifikation von 2017, die 13 verschiedene Unterformen des EDS unterscheidet.
Am Anfang steht eine detaillierte Befragung zur Krankheitsgeschichte (Anamnese) und zur Familiengeschichte, gefolgt von einer gezielten körperlichen Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte achten dabei auf typische Merkmale wie
- überdehnbare Haut,
- überbewegliche Gelenke und
- empfindliches oder leicht verletzliches Gewebe.
Wenn der Verdacht auf eine genetisch nachweisbare Form des EDS besteht – zum Beispiel auf den klassischen, vaskulären oder kyphoskoliotischen Typ –, wird eine gezielte genetische Untersuchung durchgeführt. Die Diagnose gilt dann als bestätigt, wenn in einem bekannten Gen eine krankheitsverursachende Veränderung gefunden wird.
Fachgesellschaften empfehlen, die genetische Testung gezielt nach den klinischen Merkmalen auszuwählen und die Diagnose durch genetische Bestätigung abzusichern. Wenn die Beschwerden nicht eindeutig zu einer bestimmten Form passen oder sich Merkmale überschneiden, kann auch eine erweiterte genetische Untersuchung (z. B. Exomsequenzierung) sinnvoll sein.
Für die häufigste Form, das hypermobile Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS), wurde bisher kein genetischer Marker gefunden. Hier wird die Diagnose ausschließlich anhand klinischer Kriterien gestellt. Dazu müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Allgemeine Gelenküberbeweglichkeit,
- weitere typische körperliche Begleitmerkmale, und
- Ausschluss anderer Ursachen für Hypermobilität, insbesondere anderer Bindegewebserkrankungen.
- Die genetische Untersuchung dient in diesem Fall vor allem dazu, andere EDS-Typen oder ähnliche Syndrome auszuschließen.
Zusammengefasst:
Bei den genetisch nachweisbaren Formen des Ehlers-Danlos-Syndroms wird die Diagnose durch klinische Merkmale und eine genetische Bestätigung gestellt.
Beim hypermobilen Typ (hEDS) erfolgt die Diagnose rein klinisch, da bislang kein genetischer Auslöser bekannt ist.
Die Diagnose eines Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS) ist oft komplex und erfordert in der Regel die Zusammenarbeit mehrerer Fachärzte. Meist reicht ein einzelner Arztbesuch nicht aus. Häufig sind verschiedene Fachrichtungenbeteiligt – zum Beispiel Orthopädie, Humangenetik und gegebenenfalls eine spezialisierte EDS-Ambulanz.
Da besonders das hypermobile Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS) oft mit funktionellen Beschwerden einhergeht – etwa Muskelverspannungen, Erschöpfung oder Kreislaufproblemen –, unterstützen wir Sie bei der Unterscheidung zwischen rein funktionellen Störungen und einem möglichen hEDS.
Diagnostik hEDS
Die Diagnose des hypermobilen Ehlers-Danlos-Syndroms (hEDS) erfolgt ausschließlich anhand klinischer Kriterien – also durch eine genaue ärztliche Untersuchung und Befragung, nicht durch einen Gentest. Grundlage sind die drei Hauptkriterien, die 2017 vom International Consortium on Ehlers-Danlos Syndromes and Hypermobility Spectrum Disorders festgelegt wurden.
Kriterium 1: Allgemeine Gelenküberbeweglichkeit (Generalized Joint Hypermobility, GJH)
Ob die Gelenke überbeweglich sind, wird meist mit dem sogenannten Beighton-Score geprüft. Dabei werden bestimmte Bewegungen getestet und Punkte vergeben.
-
Bei Erwachsenen gilt ein Wert von 5 oder mehr von 9 Punkten als auffällig.
-
Bei Jugendlichen liegt die Grenze bei 6 oder mehr Punkten.
Die Untersuchung sollte von erfahrenen Fachleuten durchgeführt werden, da sie die Beweglichkeit präziser einschätzen können.
Kriterium 2: Muskuläre und systemische Begleiterscheinungen
Zum hEDS gehören häufig chronische oder wiederkehrende Gelenkschmerzen, Gelenkverrenkungen (Luxationen) oder Weichteilprobleme wie eine weiche oder samtige Haut und dünne, leicht eindellbare Narben.
Darüber hinaus treten oft weitere körperliche Beschwerden auf, zum Beispiel:
- Kreislaufprobleme mit Schwindel beim Aufstehen (orthostatische Intoleranz),
- Verdauungsstörungen funktioneller Art,
- oder anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung.
Mindestens zwei dieser Merkmale müssen erfüllt sein. Ärztinnen und Ärzte verwenden dafür häufig standardisierte Checklisten, um die Kriterien systematisch zu erfassen.
Kriterium 3: Ausschluss anderer Erkrankungen
Da Gelenküberbeweglichkeit auch bei anderen Krankheiten vorkommen kann, müssen andere Ursachen sorgfältig ausgeschlossen werden – etwa:
- andere Formen des Ehlers-Danlos-Syndroms,
- das Marfan-Syndrom,
- das Loeys-Dietz-Syndrom,
- neuromuskuläre Erkrankungen oder
- entzündlich-rheumatische Krankheiten.
Dies geschieht durch eine gezielte Anamnese, eine körperliche Untersuchung und – falls nötig – genetische Tests, um alternative Diagnosen auszuschließen.
In der Praxis wird schrittweise vorgegangen:
Zuerst wird geprüft, ob eine allgemeine Gelenküberbeweglichkeit besteht.
Dann werden die muskulären und systemischen Begleitzeichen bewertet.
Abschließend folgt die strukturierte Ausschlussdiagnostik.
Die Diagnose hEDS darf nur gestellt werden, wenn alle drei Kriterien erfüllt sind.
Online Test hEDS
Orientierungshilfe
Da die Kriterien für das hypermobile Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS) je nach Alter unterschiedlich sind und sich teilweise überschneiden, finden Sie hier einen Online-Test, der die offiziellen Bedingungen so genau wie möglich abbildet. Er soll Ihnen eine erste Orientierung geben, ob ein hEDS bei Ihnen möglich sein könnte.
Bitte beachten Sie jedoch, dass dieser Test keine ärztliche Untersuchung ersetzen kann. Er dient lediglich zur Selbsteinschätzung und nicht zur Selbstdiagnose.
Es gibt viele Formen von erhöhter Bindegewebsdehnbarkeit, die von völlig normal bis krankhaft reichen.
Zudem ist es wichtig, auch funktionelle Störungen – also Beschwerden ohne strukturelle Gewebsveränderung – von einem hEDS zu unterscheiden.
Drei Kriterien
Sie finden die drei diagnostischen Kriterien in dem Fragebogen einzeln aufgeführt. Alle drei müssen erfüllt sein. Nochmals: Auch dann ist ein Ergebnis nicht "sicher". Sie sollten das von einem Facharzt und nach Ausschluss der Genetik bestätigen lassen.
Wichtig: Die Ergebnisse werden nur dargestellt, wenn Sie wie üblich dem Datenschutz zustimmen. Sie können uns die Daten in Vorbereitung eines persönlichen Besuchs oder eine Online Sprechstunde gene übermitteln. Sie müssen das aber keineswegs. Sie können die Daten auch nur für sich auswerten und abspeichern. Es erfolgt keine Speicherung im Hintergrund. Die Auswertung ist völlig anonym.
Test auf hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS)
ⓘ Hintergrund zu den Kriterien und der Übersetzung anzeigen
Die folgenden Diagnosekriterien wurden ursprünglich vom International Consortium on the Ehlers-Danlos Syndromes im Jahr 2017 für medizinisches Fachpersonal entwickelt. Sie dienen Ärztinnen und Ärzten als standardisiertes Werkzeug, um das Hypermobile Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS) und die Hypermobility Spectrum Disorder (HSD) systematisch zu erkennen und von anderen Erkrankungen abzugrenzen.
Da die Originalkriterien in medizinischer Fachsprache verfasst sind und viele Betroffene Schwierigkeiten haben, den Fragebogen ohne Hilfe zu verstehen, wurden sie hier in eine allgemeinverständliche Sprache übertragen. Inhaltlich entsprechen die Erläuterungen den offiziellen Kriterien – die Formulierungen wurden jedoch so angepasst, dass sie auch ohne medizinisches Vorwissen nachvollziehbar sind.
Wichtig: Diese Übersetzung ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Viele der aufgeführten Merkmale können nur von geschultem medizinischem Fachpersonal zuverlässig beurteilt werden (z. B. Hautüberdehnbarkeit, Herzklappenbefunde, Ausschluss anderer Erkrankungen). Die Informationen sollen Ihnen helfen, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten und die einzelnen Punkte des Fragebogens besser einordnen zu können.
Kriterium 1 – Gelenküberbeweglichkeit Beighton-Score 0–9
Misst, ob Ihre Gelenke beweglicher sind als der Durchschnitt. Bitte führen Sie die Bewegungen vorsichtig aus und überstrecken Sie nichts mit Gewalt!
Kriterium 2 – Bindegewebsschwäche & Symptome
Hier müssen mindestens **zwei** der drei Bereiche (A, B oder C) zutreffen, damit Kriterium 2 insgesamt erfüllt ist.
A) Körperliche Merkmale (Mindestens 5 von 12 nötig)
B) Positive Familiengeschichte
C) Schmerzen & Gelenkprobleme
Kriterium 3 – Ausschlusskriterien
Um Fehldiagnosen zu vermeiden, müssen alle drei Punkte auf „Ja“ stehen (andere Ursachen ausgeschlossen).
Einwilligung & Datenschutz
Mit diesem Online-Screening findet keine automatiche Speicherung oder Übertragung Ihrer Daten auf einen Server statt – die Auswertung erfolgt rein anonym und lokal auf Ihrem Gerät zu Ihrer Information.
Wenn Sie das Ergebnis zur Vorbereitung Ihres Termins an uns weiterleiten möchten, können Sie über den Button unten eine E-Mail an unsere Praxis generieren. Diese öffnet sich in Ihrem eigenen E-Mail-Programm. Es erfolgt kein automatischer Versand im Hintergrund; Sie müssen die E-Mail selbst aktiv und bewusst absenden.
Rechtliches: Dieses Angebot ist kein Medizinprodukt, ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Weitere Informationen siehe Datenschutz.Gesamtbewertung
Zusammenfassung der Auswertung
Datum: –
Gesamtbewertung: –
–
Was tun bei negativem hEDS-Ergebnis? Wenn Sie dauerhaft unter Gelenkschmerzen und Instabilitäten leiden, Kriterium 2 jedoch nicht voll erfüllt ist, liegt möglicherweise eine HSD (Hypermobility Spectrum Disorder) vor. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt – therapeutisch wird diese Erkrankung exakt gleich behandelt!
Hinweis: Es wurden Antworten mit „Unbekannt“ ausgewählt oder Angaben fehlen. Das Gesamtergebnis wird als „unklar“ angezeigt. Bitte ärztlich abklären.
Häufige begleitende funktionelle Störungen
Mögliche begleitende funktionelle Störungen
Hier finden Sie eine Übersicht über einige der häufigsten funktionellen Beschwerden, die beim Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) auftreten können.
Klicken Sie einfach auf die jeweiligen Links, um zu den ausführlichen Artikeln auf unserer Seite zu gelangen.
Therapiehinweise
Hinweise zur Bewegung
Wichtig: EDS hat viele Gesichter. Lassen Sie sich individuell beraten, was bei Ihrer Form der Erkrankung sinnvoll und notwendig ist. Hier einige allgemeine Hinweise - besonders für H-EDS.
Bewegung und Sport sind wichtige Bestandteile der Behandlung, insbesondere bei hypermobilem EDS (hEDS) und Hypermobility Spectrum Disorder (HSD). Empfohlen werden individuell angepasste Übungsprogramme, die auf Muskelkraft, Propriozeption, motorische Kontrolle und Gelenkstabilität abzielen. Die derzeit beste Evidenz stützt vor allem therapeutische Übungen und motorisches Funktionstraining; für andere physiotherapeutische Maßnahmen ist die Evidenz schwächer.
Die Programme sollten sich vor allem auf die Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, auf kontrollierte Bewegungsmuster und auf die Verbesserung der funktionellen Belastbarkeit konzentrieren. Für klassisches EDS wird in GeneReviews ausdrücklich erwähnt, dass nicht-gewichtstragende Übungen Muskelkraft und Koordination fördern können.
Ein prospektives 9-wöchiges Rehabilitationsprogramm bei hEDS zeigte Verbesserungen bei funktioneller Belastbarkeit, Balance, Fatigue und Lebensqualität; ein Teil dieser Effekte war auch nach sechs Monaten noch nachweisbar.
Welche Bewegungsprinzipien sinnvoll sind
Für EDS gilt im Training meist:
- Stabilität vor Bewegungsweite
- langsame Progression statt Überlastung
- saubere, kontrollierte Ausführung statt ruckartiger Belastung
- kein provoziertes Subluxieren
- regelmäßiges Training statt Schonung und Dekonditionierung
Wichtig ist dabei: Ziel ist nicht, die ohnehin erhöhte Gelenkbeweglichkeit weiter zu vergrößern, sondern die aktive Gelenkführung zu verbessern. GeneReviews betont ausdrücklich Kraft, Propriozeption und Stabilität; hochbelastende Aktivitäten können dagegen das Risiko für Subluxationen, Luxationen und Schmerzen erhöhen.
Was eher vermieden werden sollte
Vorsicht ist besonders sinnvoll bei:
- hochbelastenden oder schlecht kontrollierbaren Sportarten
- Kontakt- und Kollisionssportarten
- Bewegungen mit wiederholtem Wegsacken in Endstellungen
- Übungen, die Subluxationen provozieren
- starken Stoß- und Sprungbelastungen, wenn diese Beschwerden auslösen
Für klassisches EDS werden Sportarten mit starker Gelenkbelastung tendenziell eher nicht empfohlen; gleichzeitig gilt für hEDS/HSD: Die meisten Sportarten sind nicht pauschal verboten, sondern müssen individuell angepasst werden.
Yoga und manuellen Verfahren
Es ist sinnvoll, passives Hängen in instabilen Endstellungen zu vermeiden. Aber die Evidenz erlaubt keine starre Regel, dass jede Hyperextension grundsätzlich schädlich sei. In der AAFP-Übersicht wird sogar eine Studie erwähnt, in der Übungen mit Hyperextension bei Kindern und Jugendlichen mit Gelenkhypermobilität ähnliche Schmerzverbesserungen zeigten wie Übungen in neutraler Gelenkstellung. Yoga, manuelle Therapie oder chiropraktische Verfahren sind daher nicht automatisch kontraindiziert, sollten aber so durchgeführt werden, dass keine Subluxationen oder Überdehnungen provoziert werden.
Physiotherapie und Beratung
Physiotherapeutische Beratung ist bei EDS besonders wichtig. Die aktuelle Übersichtsarbeit zu PT-Interventionen stützt vor allem therapeutisches Üben und motorisches Funktionstraining, während die Evidenz für Hilfsmittel, Instruktion, manuelle Therapie und funktionelles Training insgesamt schwächer ist. Das heißt nicht, dass diese Maßnahmen nutzlos sind, aber ihre Wirksamkeit ist weniger gut belegt.
Praktisch heißt das: EDS-Patienten profitieren besonders von Therapeuten, die Erfahrung mit Hypermobilität, Instabilität, Schmerz, Fatigue und Dysautonomie haben.
Anpassungen bei Dysautonomie/POTS
Wenn zusätzlich POTS oder eine andere Form der orthostatischen Intoleranz besteht, wird meist ein graduell aufgebautes Trainingsprogramm empfohlen, das zunächst in horizontaler oder halb liegender Position beginnt, zum Beispiel mit:
- Ruderergometer
- Liegefahrrad
- Schwimmen
In frühen Phasen werden bei POTS oft genau diese Trainingsformen empfohlen; aufrechtere Belastungen werden später schrittweise ergänzt. Solche Programme können Fitness, Kreislaufregulation und Lebensqualität verbessern. Die Evidenz für POTS ist gut, die direkte EDS-spezifische Evidenz dazu aber begrenzter.
Bei POTS werden erhöhte Flüssigkeits- und Natriumzufuhr oft empfohlen, aber das sollte ärztlich individualisiert werden, vor allem bei Begleiterkrankungen.
Zu POTS können Sie sehr viel mehr hier erfahren.
Wir haben zu POTS auch eine eigene Trainings-App entwickelt.
Orthesen, Schienen und andere Hilfsmittel
Orthesen und Schienen können im Einzelfall hilfreich sein, um Ausrichtung, Kontrolle und Belastungsverträglichkeit zu verbessern. Die aktuelle Review bewertet die Evidenz für adaptive Hilfsmittel allerdings insgesamt als schwach, obwohl sie klinisch oft sinnvoll erscheinen.
Für einzelne Anwendungen gibt es dennoch unterstützende Daten. Eine Pilotstudie zeigte, dass maßgefertigte Fußorthesen nach drei Monaten Verbesserungen bei Fußschmerz, Fußfunktion, Fatigue und Teilen der Lebensqualität bewirken konnten. Für Fingerorthesen/Ringschienen gibt es Hinweise auf eine Verbesserung der Handfunktion, allerdings auf niedriger Evidenzbasis.
Orthesen können individuell sinnvoll sein, ersetzen aber kein aktives Stabilitätstraining.
Schmerzmanagement rund um Bewegung
Für EDS ist ein multimodales Schmerzmanagement plausibel und klinisch üblich, also die Kombination aus Training, Belastungsanpassung, Physio-/Ergotherapie, edukativen Maßnahmen und ggf. psychologischer Unterstützung.
Die wissenschaftliche Literatur unterstützt eher das Prinzip eines individualisierten, multimodalen Vorgehens als eine starre Medikamentenhierarchie.
Die Schmerzen bei EDS sind in mancher (nicht jeder!) Weise mit den Schmerzen bei Fibromyalgie vergleichbar. Dahe lohnt es sich einen Blick auf die dort vorgeschlagenen Maßnahmen einen Blick zu werfen.
Fatigue-Management
Fatigue bei EDS ist meist multifaktoriell. Mögliche Beiträge sind Dekonditionierung, Schmerz, Schlafstörungen, Dysautonomie, psychische Belastung und andere Begleiterkrankungen. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur „mehr Training“ zu empfehlen, sondern Belastung, Erholung, Schlaf, Kreislaufprobleme und Begleiterkrankungen mitzudenken. Die hEDS/HSD-Übersichten und GeneReviews betonen genau dieses breite Management.
Auf unseren Seiten zu Erschöpfung und Post Covid finden Sie Hinweise, die hilfreich sein können.
Zum Training bei Erschöpfung haben wir eine App entwickelt: Sentilea®-Fit.

