
Alkohol ist in unserer Kultur das beliebteste Schlafmittel überhaupt. Ein Schlummertrunk am Abend fördert das Einschlafen auf angenehmste Weise. Der im Bier enthaltende Hopfen trägt gleichfalls durch seine beruhigende und entspannende Wirkung zum schnellen Wegdösen bei.
Leider enden damit auch schon die Vorteile von Wein und Bier. Denn alle alkoholischen Getränke verschlechtern das Durchschlafen.
In niedriger Konzentration wirkt Alkohol anregend. Ein Gläschen Sekt beschwingt! In höherer Dosierung setzt dann die Müdigkeit ein. Dies mag erwünscht sein, um die nötige Bettschwere zu erzielen. Doch nachts wird Alkohol abgebaut und gegen 3 Uhr gelangt der Zecher dann wieder in die Bereiche der anregenden Alkoholspiegel. So wartet der reuige Sünder darauf, dass die beschwingte Phase zu ende geht und er in den segensreichen Schlaf zurückfindet.
Zur Zeit treten auch Symptome des Alkoholentzuges auf. Während nämlich der abendliche Trunk die Träume unterdrückt (REM-Schlaf), melden sich diese in der zweiten Nachthälfte umso lebhafter und unangenehhm zurück. Und schließlich hindert noch Mundtrockenheit und „Nachdurst“ das ruhige Durchschlafen. Kurz, Alkohol ist ein miserables Schlafmittel.
Besonders betroffen von den alkoholbedingten Schlafstörungen sind die 2% aller Frauen und 4% aller Männer, die unter einer Alkoholkrankheit leiden. Sie können ab 3 oder 4 Uhr morgens nicht mehr schlafen, sind unruhig und bekommen die Entzugssymptome zu spüren. Alle diese Beschwerden lassen sich durch Beruhigungsmittel, z.B. Clomethiazol (Distraneurin®), prompt beseitigen.
Doch dieser Segen wird schnell zum Fluch. Eine Doppelabhängigkeit (Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit) droht, die weitaus schwerer zu überwinden ist, als der alleinige Alkoholismus. Erfolgreich ist nach der körperlichen Entgiftung eine langfristige, stationäre Entwöhnungsbehandlung.
Die Therapie ist einfach aber nicht leicht. Der Alkoholkonsum sollte reduziert und die allgemeinen Regeln der Schlafhygiene beachtet werden. Möglicherweise ist es hilfreich in den ersten Nächten ein Medikament (z.B. niedrig dosiertes Antidepressivum) einzunehmen.