Header


Suche

 

Vereinzelte Pilze

In Dünndarmgeschwüren können sich Pilze leichter ansiedeln

Ob Pilze Beschwerden verursachen oder nicht, hängt sehr stark von Intensität und Art der Pilzbesiedelung des Dünndarmes ab. Betrachten wir daher als nächstes die unterschiedlich Erkrankungsstadien.

 

Untersucht man zufällig ausgewählte Menschen, die keinerlei Beschwerden haben, so findet man bei den meisten vereinzelte Pilzkolonien im Darm. 50-75% der Bevölkerung der industrialisierten Welt haben Candida-Arten im Darm . In geringen Mengen und nicht mit der Schleimhaut verbunden, verursachen diese aber kaum Beschwerden. Sie vermehren sich auch nicht, da die körpereigene Abwehr sowie die Darmbakterien sie in Schach halten.

 

Wie bereits erwähnt, gibt es eine lange Diskussion darüber, ob diese Pilzbesiedelung normal ist oder nicht. Streng genommen ist es wohl nicht "normal". Allerdings kann man der Nachweis von Pilzen auch nicht als "Krankheit" bezeichnen, da von den vereinzelten Pilzen kein Schaden verursacht wird.

 

Etwas anders sieht es lediglich für Allergiker aus: Falls jemand auf Candida überempfindlich ist, dann können ihm bereits geringe Mengen Probleme bereiten


Massive Candidabesiedelung

So schlank sieht der Bauch bei Pilzbefall nur am Morgen aus

Diese geringfügigen Pilzkonzentrationen können sich aber erhöhen. Unter "günstigen" Bedingungen geht das sehr schnell. Finden die Pilze ausreichend Nahrung, so vermehren sie sich. Je nach Voraussetzung kann es zu einer massiven Überwucherung des Darmes mit Hefepilzen kommen.

 

Wichtigste Bedingung ist die Anwesenheit von reichlich Nahrung, am besten Zucker. Im Darm finden es die Pilze schön warm und feucht, da vermehren sie sich mit eindrucksvoller Geschwindigkeit. Besonders flott geht es, wenn die Abwehr (Krankheit, Unfall, Medikamente, geschädigte Darmflora) ist. Pilze verdoppeln sich in solchen Fällen etwa alle 20 Minuten: 2, 4, 8, 16, 32 usw. geht die Reihe. Hätte ein Pilz immer genügend Nahrung zur Verfügung, so würde er schon nach 48 Stunden den Umfang der Erdkugel erreichen!

 

Nun kommt es auch zu spürbaren Symptomen: An erster Stelle stehen hartnäckige Blähungen. Sie entstehen durch den Stoffwechsel der Pilze selbst: Sie verarbeiten Zucker und scheiden dabei Kohlendioxid aus. Es ist der gleiche Prozeß wie bei der Backhefe. Auch sie vermehrt sich durch die Verwertung von Zucker und läßt dabei große Mengen an Kohlendioxid entstehen, wodurch ein Hefeteig "aufgeht". So wie der Teig in der Schüssel, so gärt es nach einer zuckerreichen Mahlzeit auch in Ihrem Darm.

 

Dann gluckert und kullert es, und nach einiger Zeit beginnt der Bauch zu spannen. Viele Menschen klagen, daß Rock oder Hose zu eng werden. Besonders am Abend legen die betroffenen Menschen gerne beengende Kleidungsstücke ab oder öffnen den obersten Knopf der Hose.

 


Reizdarm und Geschwüre

Ähnliche Verhältnisse liegen vor, wenn der Darm aus anderen Gründen entzündet ist. Eine entzündlich veränderte Darmoberfläche ist verschwollen und bietet so den Pilzen zusätzliche Nischen und Winkel, in die sie sich einnisten können. Besonders gute Lebensbedingungen finden die Hefen vor, wenn Verletzungen (z.B. Geschwüre, Risse, Fisteln) vorliegen.

 

Diese können dann in ähnlicher Weise wie Magengeschwüre besiedelt werden.

Dabei gilt aus meiner eigenen Beobachtung die Regel: Je entzündeter der Darm, desto häufiger und ausgeprägter ist die Pilzbesiedelung. Am ausgeprägtesten ist dies bei den chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Hier findet sich bei der Mehrzahl der Patienten ein massiver Pilzbefall. Aber auch bei weniger schweren Formen der Darmentzündung (z.B. Reizdarm-Syndrom) können regelmäßig große Mengen an Pilzen im Stuhl festgestellt werden.

 

Diese Pilze sind nicht unbedingt die einzige Ursache der Erkrankung. Sie setzten sich als Opportunisten auf den entzündeten Darm und nützen dessen Abwehrschwäche aus. Es kommt also zu einer sogenannten "Sekundärinfektion" ("Zweiterkrankung"). Diese Folgekrankheit kann allerdings die eigentliche Erkrankung so verschlechtern, daß sie zum Schluß zum Hauptproblem wird.