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Entstehung


(Dieser Film ergänzt das Buch zum Lipödem, Südwestverlag)


Entstehung von Ödemen

21/2-mal um die Erde - so lange wäre die Strecke, wenn man alle Kapillaren eines Menschen hintereinander aufreihen könnte.

Unser Kreislauf ist voller Wunder! 10.000 Liter Blut pumpt das Herz Tag für Tag durch die Gefäße. Dabei verlässt das Blut das Herz und läuft durch die Arterien (Schlagadern) bis zu den Kapillaren (Haargefäße). Dort findet der eigentliche Stoffaustausch statt: Sauerstoff verlässt das Blut, Kohlendioxyd wird aufgenommen, Nährstoffe abgegeben und andere Stoffe aufgenommen.

Diese Kapillaren sind zwar jede für sich winzig klein aber alle zusammen messen die unglaubliche Strecke von 100.000 km, also 2½-mal rund um den Erdball.

 

Diese Kapillaren sind nicht ganz „dicht“. Etwa 10% der Flüssigkeit (also 1000 Liter am Tag) verlässt die Kapillare und bleibt im Bindegewebe.

 

Dort wird die Flüssigkeit von Lymphgefäßen aufgenommen und über mehrere Zwischenstationen (Lymphknoten) in Richtung Herz zurücktransportiert.

 


Ödementstehung

Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen der Lymphbildung und dem Lymphabfluss.

Schwellungen (Ödeme) entstehen vor allem dann, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist:

 

• Wenn der Zufluss in die Kapillare erhöht ist oder der Abfluss gestört.

• Wenn die Durchlässigkeit der Kapillarwand erhöht ist.

• Wenn der Eiweißgehalt im Blut erniedrigt ist (Eiweiß bindet Flüssigkeit).

• Wenn das Lymphsystem geschädigt ist (Abflussbehinderung).


Generalisisert oder lokalisiert

Ein Ödem ist Wasser (Flüssigkeit) an der falschen Stelle, nämlich ausserhalb des Blutkreislaufes

Diese Ödeme können entweder am ganzen Körper (generalisiert) oder nur örtlich (lokalisiert) bestehen.

 

• Generalisierte Ödeme treten meist beidseitig und entsprechend der Schwerkraft an den Füßen oder Beinen auf.

 

• Lokalisierte Ödeme können sowohl ein- als auch beidseitig auftreten.


Eiweißarme Ödeme

Ödeme können nach ihrem Eiweißgehalt unterschieden werden.

 

Ist die Kapillarmembran intakt, verlässt nur wenig Eiweiß die Blutbahn. Sofern also Ödeme entstehen, sind diese einweißarm. 

Man kann diese Ödeme bereits äußerlich gut unterscheiden: Diese Ödeme sind tief eindrückbar und hinterlassen Dellen.

Diese eiweißarmen Ödeme sind häufig durch Störungen des Herzens, der Niere oder Leber bedingt und treten meist auch generalisiert auf.

 

Diese (!) Form der Ödeme gut durch wassertreibenden Medikamente (Diuretika) behandelbar.


Eiweißreiche Ödeme

• Ganz anders die eiweißreiche Ödeme (spez. Gewicht >1018). Bei ihnen ist die Kapillare „undicht“. Flüssigkeit, Eiweiß, Elektrolyte und Blutzellen verlassen die Gefäße und reichern sich im Bindegewebe an. Entzündungen sind die Folge und das Gewebe wir hart. Außerdem bindet das ausgetretene Eiweiß nun die Flüssigkeit im Gewebe – ähnlich wie beim Eiklar des Hühnereis.

 

Diese Art der Ödeme ist dementsprechend prall-elastisch bis hart. Es entstehen keine (!) Dellen auf Daumendruck.

 

Ganz wichtig: Eiweißreiche Ödeme sollten nicht (!) mit Diuretika behandelt werden. Zwar führen diese zu einem kurzfristigen Wasserverlust, das im Bindegewebe verbleibende Eiweiß „zieht“ jedoch erneut das Wasser an sich. So verschwinden die Ödeme höchstens kurzfristig. Im Gegenteil versucht der Körper über einen Ausgleichsversuch, Wasser zurückzuhalten, was die Ödeme langfristig eher verschlechtert.