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Grundproblem der Durchblutung

Die Zellen z.B. der Muskeln oder Organe werden wie die Kiesel in einem Bachbett von den Nährstoffen umströmt.

Unser Körper steht vor dem grundsätzlichen Problem, die einzelnen Zellen möglichst direkt mit Blut und Nährstoffen zu umspülen, damit diese alle Nährstoffe unmittelbar entnehmen können. Je dichter der Kontakt mit den Zellen ist, desto besser. Auf der anderen Seite muss das Blut auch wieder vollständig zurückfließen, kein einziger Tropfen darf verlorengehen.

 

Diese Schwierigkeit wird gelöst, indem Arterien und Venen so dicht wie Plastikrohre sind. Die Kapillaren dagegen sind mit Sieben vergleichbar, die Wasser und kleine Moleküle, z.B. Nährstoffe, ungehindert passieren lassen. Die Zellen „baden“ dadurch im Strom der Nährstoffe und können ungehindert alle lebensnotwendigen Substanzen aufnehmen und wieder abgeben.

Die Zellen z.B. der Muskeln oder Organe werden wie die Kiesel in einem Bachbett von den Nährstoffen umströmt - optimale Bedingungen für die Ernährung! Riesige Mengen an Flüssigkeit verlassen das Kapillarbett und strömen durch das Bindegewebe.

Doch was passiert anschließend? Nähr- und Abfallstoffe, Wasser, Salze, all das muss wieder aufgesammelt und ohne jeden Verlust zurückgewonnen werden. Kein Tropfen darf zurückbleiben. Die Frage ist: Wie schafft das unser Körper? Und die Antwort heißt: Mit Hilfe des Lymphsystems!


Wunderwelt im Verborgenen

Noch einmal zur Erinnerung: Ungefähr 5 Liter Blut zirkulieren im Körper. Das Blut besteht aus vielen Bestandteilen. In einem winzigen Würfel mit der Kantenlänge 1 Millimeter finden sich rund 5 Millionen rote und 5000 weiße Blutkörperchen, die zusammen knapp die Hälfte des Würfels ausfüllen. Der Rest ist Plasma, eine Mischung aus Wasser, Eiweiß, Elektrolyten, Zucker und unzähligen weiteren Stoffen in geringerer Menge. Wesentlich für den osmotischen Effekt, den „Schwammeffekt“, ist das Eiweiß. Es hält Wasser im Blut gebunden.

 

Vom Herz kommend, strömt der besondere Saft durch die Arterien (=Blutadern) in alle Organe. Nach einer Weile werden sie immer dünner, bis sie sich schließlich in den Kapillaren enden. Diese sind jetzt extrem dünn. Zwischen 7 und 10 tausendstel Millimeter. Zum Vergleich: ein Haar ist ungefähr zehnmal so dick! Als Forscher den Durchmesser der Kapillaren genau ausmaßen, waren sie reichlich erstaunt. Sie sind kleiner als der Durchmesser eines roten Blutkörperchens! Wie kann so die Durchblutung funktionieren, wenn Billionen von Sauerstoffträgern durch Röhren müssen, durch die sie eigentlich gar nicht durchpassen?

Warum hat der Körper sich nicht für „dicke“ Kapillaren entschieden, die Durchblutung wäre doch dann viel unproblematischer?

 

Der Grund liegt in einer physikalischen Gesetzmäßigkeit. Je kleiner ein Körper (z.B. Kugel oder Röhre) ist, desto größer wird seine Oberfläche im Verhältnis zum Volumen. Das ist z.B. auch der Grund dafür, dass kleine Kinder schneller auskühlen, sie haben eine relativ größere Hautoberfläche als Erwachsene.

 

Bezüglich der Kapillaren bedeutet möglichst kleiner Durchmesser, große Oberfläche und damit gute Durchblutung. Im Verlaufe der Entwicklungsgeschichte wurden die Kapillaren so klein, bis der Durchmesser der roten Blutkörperchen schließlich eine natürliche untere Grenze darstellte.

Doch es ging noch kleiner! Die roten Blutkörperchen trennten sich im Laufe ihrer Reifung von ihrem Zellkern. Dadurch wurden sie schlanker und biegsamer. Jetzt konnten sie sich so „zuammenquetschen“, dass sie mühelos durch dünnste Kapillaren fließen konnten. In den dünnsten Gefäßen rutschen die Sauerstoffträger dicht an der Wand entlang und geben so leicht ihre wertvolle Last ins Gewebe ab.

 

Jeder Mensch hat überreichlich Kapillaren in denen der eigentliche Stoffwechsel stattfindet. Zwar ist jede einzelne mikroskopisch klein, alle zusammen sollen bei einem mittelgroßen Menschen die Gesamtlänge von 100.000 km aufweisen. Das wäre eine Strecke zweieinhalb Mal um den Äquator! Nicht alle diese Kapillaren sind gleichzeitig durchblutet. Das vegetative Nervensystem steuert den Blutfluss äußerst feinfühlig dorthin, wo er gerade benötigt wird.