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Therapie

Während einer Panikattacke mit Hyperventilation wird durch ein äußeres Ereignis ein Teufelskreis ausgelöst. Meist geschieht dies in einer Anspannungssituation; manchmal sind es jedoch banale Situationen wie schnelles Aufrichten oder körperliche Belastungen.

Durch beschleunigte Atmung kommt es zur Verminderung des Kohlendioxidgehaltes im Blut, einer pH-Verschiebung und dem daraus folgenden relativen Kalzium-Mangel des Blutes.

In der Vergangenheit wurde daher versucht den pH-Wert des Blutes mit einer Puffer-Infusion zu neutralisieren. Außerdem gab man Kalzium als Injektion.  Beide Methoden sind heute verlassen. Auch die Injektion eines Beruhigungsmittels vom Diazepam-Typ (z.B. „Valium®“) wird heute als veraltet betrachtet.

Die Therapie der Wahl im akuten Anfall ist die Beruhigung und die Rückatemtechnik. 


Rückatemtechnik

Bei der Rückatmung versucht man, den Kohlendioxidgehalt des Blutes wieder anzuheben, indem man die eigene verbrauchte Luft wieder einatmet. So reichert sich der Kohlendioxidgehalt des Blutes langsam wieder an.

Dazu wird eine Plastik- oder Papiertüte fest über Mund und Nase geschlossen und die Luft über längere Zeit (oft mehrere Minuten) gleichmäßig zwischen Lunge und Tüte hin und her geatmet. Die Tüte sollte mindestens soviel Luft fassen, wie in der Lunge enthalten ist; mehr schadet nicht. Also 5-6 Liter oder mehr, was bei einer normalen Einkaufstüte der Fall ist. 

An sich ist die Technik einfach. Dennoch ist es ratsam, sich diese z.B. vom Hausarzt zeigen zu lassen.


Rückatmung


Viel Sauerstoff

Die meisten Menschen wundern sich, wie lange dies möglich ist, ohne zu ersticken. Dies liegt an dem relativ hohen Gehalt von Sauerstoff in der Ausatemluft.

Beim Einatmen besteht die Luft aus folgenden Gasen: 

  • 78% Stickstoff
  • 21% Sauerstoff
  • 1% Restgase, u.a. Edelgase und Kohlendioxid (0,04%)

Ausatemluft:

  • 78% Stickstoff
  • 17% Sauerstoff
  • 4% Kohlendioxid
  • 1% Restgase

Schneller Erfolg

Zwar können wir nicht den kompletten Sauerstoffgehalt der Luft ausnützen, die sich in dem System von Lunge und Tüte befindet, aber doch überraschend viel.

Dabei kann man während eines Hyperventilationsanfalles deutlich länger diese Rückatmungstechnik praktizieren als dies sonst der Fall ist. Im Regelfall begrenzt nämlich nicht die fallende Sauerstoffkonzentration das Rückatmen, sondern der steigende Gehalt des Kohlendioxids.

Wenn wir also über „schlechte“ Luft in einem Zimmer klagen, in dem sich viele Personen aufhalten, dann liegt dies nicht im oft vermuteten „Sauerstoffmangel“ sondern an der steigenden Konzentration von Kohlendioxid.

Doch während eines Hyperventilationsanfalles liegt gerade der  Gehalt an Kohlendioxid zu niedrig, sodass der Körper die erhöhten Konzentrationen ausgezeichnet toleriert, ja, das Kohlendioxid begierig aufnimmt.

Nach wenigen Minuten sind die Spiegel ausgeglichen, Kalzium ist wieder verfügbar und die Symptomatik löst sich (fast) in Rauch auf. Lediglich Erschöpfung, Herzklopfen und Zittrigkeit dauern noch länger an.