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Sensitivierung

Bisher war allgemein von einer „Schwellensenkung“ die Rede. Doch was bedeutet das für die einzelnen sog. „funktionellen“ Störungen? Je nach betroffener Körperregion entstehen ganz unterschiedliche Formen der übermäßigen Empfindsamkeit oder Reizüberflutung. (Vorweg: dies ist keine Einbildung!).


Sensitivierungs-Syndrome

Schmerzsensoren|Schmerzüberempfindlichkeit  
Berührungssensoren|Berührungsüberempfindlichkeit  
Kältesensoren|Kälteüberempfindlichkeit (vermehrtes Frieren)  
Wärmesensoren|Wärmeüberempfindlichkeit (vermehrtes Schwitzen)  
Gleichgewichtssensoren|Schwindel  
Darmnerven|Reizmagen, Reizdarm  
Blasennerven|Reizblase  
Gehör|Lärmüberempfindlichkeit  
Auge|Lichtüberempfindlichkeit  
Geruch|Geruchsübermpfindlichkeit (MCS, Parfum-Überempfinlichkeit)  
Muskelsensoren|Muskelschmerzen, vorzeitiger Muskelkater  
Gelenksensoren|Übermäßige Gelenkschmerzen  

Kombinationen

Meist treten Schwellensenkungen nicht isoliert auf. Sie kombinieren sich gerne. Falls Sie beispielsweise an einer Senkung der Schmerzschwelle leiden, werden Sie wahrscheinlich auch andere Schwellensenkungen feststellen können z.B. Lärmempfindlichkeit, Berührungsempfindlichkeit und vermehrte Schmerzen im Magen-Darm-Bereich.

 

(Selbstredend sind nicht alle der oben aufgeführten Symptome auf eine Schwellensenkung zurückzuführen. Starke Signale, z.B. ein Magengeschwür, kann bei einer ganz normalen Schwelle heftige Schmerzen verursachen, die dann ganz anderes behandelt werden müssen.)

 


Sensitivierung – Einbildung oder nicht?

fMRT (Beispiel)

Die Frage aller Fragen in diesem Zusammenhang lautet: Es kann ja sein, dass die Betroffenen etwas „empfindlich“ sind, aber bilden diese sich das nur ein oder sind sie tatsächlich so sensibel.

 

Jahrelang wurde um diese Frage heftig debattiert. Heute kann die Wissenschaft die Frage weitgehend beantworten: Nein, die Betroffenen bilden sich das nicht ein! Die Schmerzen sind real!

 

Hierzu ein spannendes Untersuchungsergebnis: In einer Studie wurden gesunde Patienten und Fibromyalgie-Patienten miteinander verglichen. Bei beiden wurde ein dosierbarer Schmerzreiz gesetzt, während gleichzeitig ein sog. funktionelles Magnetresonanztomogramm (fMRT auch funktionelles Kernspintomogramm genannt) durchgeführt wurde.

 

Das Ergebnis: Patienten mit Fibromyalgie reagierten auf viel kleinere Schmerzreize mit typischen Veränderungen in den primären und sekundären Schmerzzentren des Gehirns.

 

Das hatte man so erwartet. Dann wurde das Experiment modifiziert. Es wurde solange gereizt, bis beide Gruppen sagten, dies empfänden sie als Stärke „7“ auf einer 10-stufigen Skala. Natürlich brauchte man für die Fibromyalgie-Gruppe schwächere Reize.

 

Interessant war jedoch, dass sich nun die Bilder im Gehirn weitgehend glichen: Beide Gruppen zeigten im Gehirn die gleichen Reaktionen.

 

Daraus folgt, dass Patienten mit erhöhter Empfindlichkeit (gesenkter Reizschwelle) die gleichen Schmerzen empfinden wie andere Menschen auch, allerdings viel früher.