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Das vegetative Nervensystem

Wenn Sie jetzt gerade diese Seite lesen, mit der Maus arbeiten oder die Tasten auf Ihrem Computer bedienen, so ist dies Folge Ihrer bewussten Entscheidungen. Sie geben Ihren Muskeln einen Befehl, und diese führen ihn dann auch gehorsam aus. Auch über Ihre  Augen erhalten Sie Informationen – nämlich diesen Text.

 Sowohl diese bewussten Handlungen als auch unsere Kommunikation mit der Außenwelt steuern wir mit dem sogenannten somatischen Nervensystem.

 Daneben gibt es jedoch ein zweites Nervensystem, dessen wir uns im Alltag meist nicht bewusst sind: das „vegetative“ oder „autonome Nervensystem“. Es regelt alle Prozesse, über die wir uns keine Gedanken machen müssen: Blutdruck, Atmung, Regeneration der Zellen, Herzschlag, Verdauung, Körpertemperatur, den Stoffwechsel, die Drüsensekretion, große Anteile der Sexualität und und und...


Vergleich

Ein – etwas gewagter – Vergleich mit dem Computer, vor dem Sie gerade sitzen. Wenn die Hardware (alles zum Anfassen) Ihres Computers dem Körper entspräche, die Programme, die darauf laufen, mit Seele und Geist vergleichbar wären, dann muss man das vegetative Nervensystem mit dem Betriebssystem (Windows, Linux, MacOS usw.) gleichsetzen. Es regelt alle Prozesse in der Tiefe, um die man sich als Anwender keine Gedanken machen muss.


Grundstruktur

Die Grundstruktur wird von den vegetativen Nerven und Hormonen gebildet

Das vegetative Nervensystem hat – genau wie das somatische – einen Teil, der steuert („Efferenzen“), und es hat einen Anteil, der über diese Tätigkeit rückmeldet („Afferenzen“).

 Die eigentlichen Steuerungszentren liegen in Nervenzellverbänden entlang der Wirbelsäule, entlang dem Darm, im Rückenmark und im Gehirn. Dort ist das Wissen abgespeichert, das für die reibungslose Funktion unseres Körpers absolut notwendig ist. 

 Grundsätzlich bedient sich das vegetative Nervensystem zweier Strukturen:

• Nerven und

• Hormone.

Nerven sind für schnelle Antworten vorgesehen (im Bereich von Millisekunden bis Sekunden), Hormone regeln längere Prozesse (bis hin zum bekannten Monatszyklus).

Drei Nervensysteme bilden den eigentlichen Kern des vegetativen Nervensystems und werden oft mit ihm gleichgesetzt: Sympathikus, Parasympathikus und das Darmnervensystem, in letzter Zeit oft als „Darmhirn“ (engl. „gut-brain“) bezeichnet.


Sympathikus

Sympathikus und Parasympathikus sind, vereinfacht gesprochen, Gegenspieler. Während der erste eine allgemeine aktivierende Funktion (Kampf & Flucht) hat, zielt der Parasympathikus auf Beruhigung und Regeneration des Körpers.

 

Der Sympathikus hat seinen Ursprung im Rückenmark. Er entspringt im gesamten Brustmark und oberen Lendenmark und läuft zu einer ersten Umschaltstelle neben der Wirbelsäule, dem Grenzstrang. Es handelt sich um Nervenknoten, die untereinander nach oben und unten verbunden sind und somit parallel zum Rückenmark links und rechts der Wirbelsäule ein zweites Nervensystem bilden.

 

Von diesem Grenzstrang aus versorgen dünne Nerven die einzelnen Organe. Das sind Blutgefäße, Eingeweide, Ausscheidungsorgane, Herz, Drüsen, Sexualorgane, Schweißdrüsen, Haare, Pupille u.a.. (siehe nächster Abschnitt)

 

Der Sympathikus wird wegen seiner Position auch thorakolumbales System (Brust-Becken-System) genannt.


Parasympathikus

Der Parasympathikus ist völlig anders aufgebaut: er verlässt das Rückenmark nur an zwei Stellen: am Hirnstamm und im Kreuzmark. Daher bezeichnet man ihn auch als kranio-sakrales System (Kopf-Kreuz-System).

 

Wegen der Austrittsstelle ganz oben und ganz unten an der Wirbelsäule sind die Nervenfasern sehr lang. Der größte parasympathische Nerv erhielt aus diesem Grund auch den Namen „Vagus“ der „Umherschweifende“. Er verlässt das Zentralnervensystem am Hirnstamm und reicht bis in die Bauchhöhle.

 

Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des Sympathikus. Die meisten inneren Organe hängen also an zwei Zügeln. Mit einem gibt der Köper „Gas“ mit dem anderen „bremst“ er.

Doch gibt es auch einzelne Organe, die nur vom Sympathikus alleine gesteuert werden.


Gegenspieler: Sympathikus und Parasympathikus

Organ|Wirkung von Sympathikus|Wirkung von Parasympathikus
Herz|Schneller Herzschlag|Langsamer Herzschlag
Atmung|Erweiterung Bronchien|Verengung Bronchien
Arterien|Zusammenziehen der Gefäße: Blutdrucksteigerung|ø
Magen-Darm-Trakt|Abnahme der Darmbewegungen|Zunahme der Darmbewegungen
Darmdrüsen|Abnahme der Ausschüttung|Zunahme der Ausschüttung
Harnblase|Entspannung d. Muskulatur|Entleerung d. Blase
Auge|Weitstellung d. Pupille|Engstellung d. Pupille
Schweißdrüsen|Produktion v. Schweiß|ø
Stoffwechsel|Bereitstellung v.Glukose und Fetten|ø

Darmhirn

Das Darmnervensystem ist im eigentlichen Sinn das „autonome“ Nervensystem, da es im Gegensatz von Sympathikus und Parasympathikus nicht mit dem Zentralnervensystem verbunden ist.

Es ist lange Zeit in seiner Bedeutung unterschätzt worden. Rund 100 Millionen Nervenzellen sind im Darm und entlang des Darms angeordnet. Das sind mehr Nervenzellen, als im gesamten Rückenmark enthalten sind. Ja, es ist die größte Ansammlung von Nerven des Körpers mit Ausnahme des Gehirns.

 Das Darmhirn besteht zum einen aus einem Nervengeflecht zwischen den Muskelschichten des Darms („Plexus myentericus Auerbach“ und einer Nervenansammlung unterhalb der Darmschleimhaut („Plexus submucosus“).

 Diese Nerven haben vielfache Aufgaben, die wir erst jetzt langsam kennen lernen:

 • Analyse der Tausende von Nahrungsbestandteilen, die wir täglich aufnehmen

 • Koordination der Darmbewegungen

 • Regelung der zahlreichen Drüsen, die in den Darm münden

 • Steuerung der Flüssigkeits- und Nährstoffaufnahme (Nebenbei: wir produzieren täglich rund 10 Liter Verdauungssäfte, die wieder vollständig aufgenommen werden müssen)

 • Regelung des Immunsystems (70% der gesamten Immunabwehr ist im Darm angesiedelt.)

 Dazu bedient sich das „Darmhirn“ nicht nur Nervenimpulsen. Es produziert auch intensiv Neurotransmitter. Jeder chemische Botenstoff, den das Gehirn produziert, wird auch im Darm eingesetzt! 97% des gesamten Serotonins des Körpers (unser „Wohlfühlhormon“) stammt aus dem Darm!

 So verwundert es nicht, dass die Redensart über Gefühle, die aus dem Bauch kommen, heute von Forschern überaus ernst genommen wird.

 Mehr zum Darmhirn


Stabiles Betriebssystem

Das vegetative Nervensystem ist in aller Regel äußerst stabil. (Weitaus stabiler als die oben angeführten Betriebssysteme von Computern!) Dies ist aus naheliegenden Gründen lebenswichtig.

 

Trotzdem können aus unterschiedlichen Gründen Störungen auftreten. Diese werden dann häufig als „vegetative Störungen“ bezeichnet. Man findet keine strukturellen Veränderungen (keine Veränderung der Hardware), sondern Störungen der Funktion.

 

Viele dieser Störungen werden auf dieser Website beschrieben und es werden Wege aus dem Krankheitsgeschehen aufgezeigt.


Beispiele für vegetative Störungen

System|Beispiele f. Störung
Blutdruckregulation|Blutdruckschwankungen, Schwindel
Atmungsregulation|Störungen der Atmung, Hyperventilation mit Atemnot, Angst, Benommenheit
Gefäßregulation|Raynaud Syndrom, Migräne?,
Magen-Darm-Steuerung|<link 150>Reizdarm, Reizmagen</link>
Blasensteuerung|Reizblase
Thermoregulation|Schwitzen/Frieren
Blutzuckerregulation|<link 356>Blutzuckerabfall</link>, Schwächattacken
Innenohr|<link 542>Schwindel</link>, Tinnitus
Pupillomotorik|unscharfes, verschwommenes Sehen
Schlafregulation|<link 418>Schlafstörungen</link>
Schmerzverarbeitung (u.a.)|Schmerzerkrankungen z.B. <link 33>Fibromyalgie-Syndrom</link>, <link 442>Vulvodynie</link>
Immunabwehr|Infektanfälligkeit, evtl. <link 35>Pilzerkrankungen</link>

Schwellensenkung

Bei praktisch allen der oben aufgeführten Krankheitsbildern kommt es zu einer erhöhten Empfindlichkeit, zu einer Sensitivierung. Dies wurde bereits weiter oben ausführlich dargestellt.