Was sind "funktionelle Störungen"?

Einführungsfilm zu "funktionelle Störungen"

Funktionelle Störungen sind Beschwerden oder Krankheitsbilder mit erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen, bei denen jedoch kein körperlicher Befund zu erheben ist.

Beispiele für solche Störungen sind:

  • Herz-Kreislaufbeschwerden mit Beklemmungsgefühlen, Herzstolpern, Druckgefühle im Brustraum
  • Atmung: Druck auf der Brust, Beklemmungsgefühle, Atemnot, Hyperventilation mit Angst oder Panik
  • Magen-Darm-Beschwerden: Reizmagen, Reizdarm mit Übelkeit, Völlegefühl, vermehrte Blähungen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen
  • Unterbauchschmerzen, Schmerzen im Beckenboden, Vulvodynie
  • Blasenbeschwerden mit Reizblase, chronisch urogenitaler Schmerz, Prostataschmerzen
  • Chronische Schmerzzustände wie chronische Rückenschmerzen (chronic low back pain) oder generalisierte Schmerzen wie bei Fibromyalgie

Sind bei einem Krankheitsbild keine körperlichen Beschwerden feststellbar, geht man traditionell von seelischen Ursachen aus. Daher werden diese Störungen auch als „somatoforme Störungen“ bezeichnet: „Somatoform“ (Soma=Körper) bedeutet hier, dass die Beschwerden sich zwar körperlich äußern, „in Wirklichkeit“ jedoch auf seelischen Ursachen beruhen, die dem Patienten verschlossen sind.

Eine derartige Sichtweise ist in aller Regel für die Betroffenen nicht überzeugend. Sie lehnen diese häufig ab, was den Dialog mit Ärzten erschwert und die Therapie dann häufig sehr unbefriedigend verlaufen lässt.

Hinzu kommt, dass eine alleinige Psychotherapie in sehr vielen Fällen zwar  Einsichten vermittelt, aber oft an der Symptomatik nur wenig ändert.

Auf dieser Seite soll nun eine andere Sichtweise sowie ein anderer Therapieansatz vermittelt werden, der sich als sehr erfolgreich herausgestellt hat. 


Andere Bezeichnungen

Psychogene Störungen, Funktionelle Störungen, Vegetative Dystonie, Allgemeines psychosomatisches Syndrom, Konversionshysterie, Briquet-Hysterie, Psychische Überlagerung.


Häufige Beschwerden

Bauchschmerzen, Übelkeit, Gefühl von Überblähung, schlechter Geschmack im Mund oder extrem belegte Zunge, Klagen über Erbrechen oder Rückförderung von Speisen, Klagen über häufigen Durchfall, Atemlosigkeit ohne Anstrengung, Hyperventilation, Brustschmerzen. Auffälligkeiten beim Wasserlassen, vermehrter Harndrang, unangenehme Empfindungen im oder um den Genitalbereich, Klagen über ungewöhnlichen oder verstärkten vaginalen Ausfluss, Klagen über Fleckigkeit oder Farbveränderung der Haut, Schmerzen in den Gliedern, Armen, Beinen oder Gelenken, unangenehme Taubheit oder Kribbelgefühl und Jucken.

 


Veränderte Regulation

Nerven und Hormone steuern gemeinsam die Körperfunktionen, die autonom - ohne unser Zutun - funktionieren

Hintergrund der Beschwerden ist eine veränderte Regulation des vegetativen Nervensystems. Zum Hintergrund: Unser Körper wird häufig in „Geist“ und „Körper“ aufgeteilt. Doch zwischen diesen beiden befindet sich ein System, das man in salopper Weise als „Betriebssystem“ bezeichnen kann.

Beim Menschen besteht es aus dem Zusammenspiel von Nerven und Hormonen. Genauer gesagt sind es die sog. vegetativen Nerven, also die Nerven, die wir willentlich nicht beeinflussen können. Sie sorgen für die schnelle Regulation (z.B. Gleichgewicht, Blutdruckregulation, Atmung, Herzschlag usw.), um die wir uns nicht bewusst kümmern müssen.

Daneben gibt es eine hormonelle Steuerung, die für längerfristige und globalere Prozesse notwendig ist. Diese Hormone können auf der Ebene von Zellen, Organen oder auch mehrerer Organe gleichzeitig wirken.

Das enge Zusammenspiel beider Systeme, Hormone und vegetative Nerven, ermöglicht erst das reibungsfreie Funktionieren unseres Körpers, was wir als Gesundheit wahrnehmen.

Kommt es zu Störungen in diesen Regulationsvorgängen, treten merkwürdige Beschwerden auf: unangepasstes Schwitzen oder Frieren, Harndrang, Durchfall, Kopfschmerzen usw. – funktionelle Störungen!


Nicht eingebildet!

Auch wenn bei der körperlichen Untersuchung kein Befund zu erheben ist, heißt das natürlich nicht, dass der Betreffende „Nichts“ hat oder sich die Beschwerden gar einbildet.

Falls Sie unter bestimmten Beschwerden leiden, dann leiden Sie darunter. Auch wenn der Arzt keinen Befund erheben kann. "Nichts" hätten Sie nur dann, wenn Sie die Beschwerden vortäuschen würden. Aber „eingebildet“ sind diese auch dann nicht, wenn die Ursachen vorwiegend seelisch wären.


Angeboren und erworben

Störungen der vegetativen Regulation sind meist komplex. Es mischen sich angeborene und erworbene Faktoren.

Häufig trifft es Menschen, die ein „labiles Vegetativum“ haben. Falls Sie bereits als Kind unter Kreislaufstörungen litten,

  • wenn es Ihnen beim Stehen leicht schwindlig wurde,
  • wenn Sie leicht rote Flecken bekommen,
  • wenn Sie zu Durchfall oder Verstopfung auf Reisen neigen,
  • wenn Sie bei Belastungen schwer einschlafen können,
  • wenn Sie eher etwas ängstlich sind

- dann neigen Sie wahrscheinlich sehr viel häufiger zu vegetativen Beschwerden.

Meist behält man diese Disposition das ganze Leben.


Auslöser

Funktionelle Störungen werden häufig durch charakteristische Faktoren ausgelöst: 

  • Seelischer oder körperlicher Stress
  • Seelische oder soziale Belastungen
  • Schlafmangel
  • Infektionserkrankungen
  • Angst (besonders intensiv: Panikattacken)
  • andere verunsichernde Erlebnisse

Ursachen

Gibt es einen gemeinsamen Grund für funktionelle Störungen? 

Auffällig ist, dass praktisch alle erwähnten Beschwerdebilder mit einer erhöhten Sensibilität nach außen (Reizempfindlichkeit) und innen (vermehrte Körperwahrnehmung) einhergeht. Die meisten Betroffenen sind bereits vor der Erkrankung eher sensibel.

Aus meiner Sicht ist die "Urwaldhypothese" zumindest äußerst plausibel, um die Veränderungen zu erklären.

 


Zur Therapie

Beispiel für eine multimodale Therapie

Erfolgreich sind vor allem integrierte Ansätze, bei denen die Regulationsfähigkeit des Körpers wieder verbessert und hergestellt wird.

Durch Psychotherapie alleine ist dies im Regelfall nicht oder nur sehr schwer zu erreichen. Erfolgreicher sind Therapieansätze, bei denen auch auf der Ebene der Funktion eingewirkt wird.

 

Angenommen Sie würden unter abnormem nächtlichem Schwitzen leiden und müssten mehrfach nachts das Hemd wechseln. Verschiedene Untersuchungen hätten keine Ursache ergeben.

 

In diesem Fall wäre es sicherlich sinnvoll, die Wärmeregulationsfähigkeit zu verbessern: Also Training! Das kann in klassischer Weise nach Pfarrer Kneipp erfolgen oder in modernen Form mit Wärme- und Kältekammer.

 

Bei diesem einfachen Beispiel ist dies wahrscheinlich unmittelbar plausibel. Wie eine Therapie bei einer komplexen Störung wie z.B. dem Fibromyalgie-Syndrom zu gestalten ist, wird bei den jeweiligen Krankheitsbildern dargestellt.

 

In der Regel sind es jedoch multimodale, also vielgestaltige Therapien, die auf unterschiedlichen Ebenen einwirken.