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Schmerzqualität bei Fibromyalgie

Ein Beispiel für nozizeptivem Schmerz

Fibromyalgie Patienten leiden oft unter Schmerzen, die sie als rätselhaft empfinden, da sie wandernd, einschießend, brennend und verzögert auftreten. Der ganze Körper kann überempfindlich werden. Gegen diese Schmerzen scheint kein Kraut gewachsen und Schmerzmittel wirken nicht besser als Hustenbonbons.

 

Um zu verstehen, wie es dazu kommt, ist es hilfreich, eine Unterscheidung zu machen, die in der Schmerztherapie gang und gäbe, merkwürdigerweise jedoch außerhalb des Feldes wenig bekannt ist.

 

Man muss unterschiedliche Schmerztypen unterscheiden:


Nozizeptiver Schmerz

Unter Nozizeptoren versteht man Schmerzfühler. Es sind oft freie Nervenendigungen, die in der Lage sind, schädigende Einflüsse wahrzunehmen.

 

Nozizeptiver Schmerz ist der klassische oder „normale“ Schmerz. Ursache können Gelenkverschleiß, also Arthrose, Brüche, Verletzungen oder z.B. auch Bauchschmerzen sein.

 


Neuropathischer Schmerz

Bei Fibromyalgie tritt der neuropathische Schmerz vor allem in der Muskulatur auf.

Etwas völlig anderes ist der neuropathische Schmerz, den man am besten mit Nervenschmerz übersetzen kann.

Bei Fibromyalgie liegt zwar kein klassischer neuropathischer Schmerz vor, wie etwa beim Phantomschmerz, bei Schmerzsyndrom von Diabetikern oder bei den Schmerzen, wie sie nach einer Gürtelrose auftreten. Aber oft sind neuropathische Anteile deutlich zu erkennen.

 

Folgendes sind die Merkmale:

 

• Die Schmerzen treten trotz Wegfall der ursächlichen Schädigung und Schmerzquelle weiter auf.

 

• Sie halten auch Tage oder Wochen nach der Schädigung nach an.

 

• Es kommt zu Missempfindungen und Ausstrahlungen der Schmerzen

 

• Entstehungsort und Wahrnehmungsort stimmen nicht immer überein.

 

• Die Schmerzen verändern sich im Charakter: Brennen, Elektrisieren, Stechen, Reißen, usw.

 

• Neben Dauerschmerz kommt es zu attackenartigen einschießenden Schmerzen.

 

• Schwache Reize können heftige Schmerzen auslösen.

 

• Schmerzen werden immer heftiger, obwohl der Reiz gleich bleibt.

 

• Die Schmerzen halten länger an als der Reiz.


Therapie

Die Unterscheidung hat einschneidende Bedeutung für die Therapie.

 

Während der klassische nozizeptive Schmerz gut auf Schmerzmittel und Rheumamittel reagiert, sind diese bei neuropathischem Schmerz wirkungslos!

Diese Tatsache kann man gar nicht oft genug wiederholen, da sie sehr oft übersehen wird.

 

Neuropathischer Schmerz benötigt also eine andere Therapie.


Nozizeptiver Schmerz - Neuropathischer Schmerz

Schmerz- und Rheumamittel sind bei neuropathischem Schmerz wirkungslos! Hier benötigt man vor allem Antidepressiva, Mittel gegen Epilepsie sowie Morphine.

Mixed Pain

Beim Fibromyalgie-Syndrom muss man also differenzieren. Wenn die neuropathische Schmerzqualität überwiegt, dann kann man sich einen Versuch mit Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac meist schenken.

 

Dagegen wären Antidepressiva, Antikonvulsiva (Mittel gegen Epilepsie) und Morphine sinnvoll – meist in niedriger Dosierung.

 

Schließlich gibt es auch die Mischung von beiden Schmerzqualitäten (gemischter Schmerz=mixed pain).

 

Neben den diffusen Schmerzen (gegen die Schmerzmittel nicht helfen), treten akute Schmerzen von Seiten der HWS oder LWS auf, die sehr wohl mit Ibuprofen oder Diclofenac zu therapieren sind.

 

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