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Tenderpoints - Sinn und Unsinn

Ein Dolorimeter kann für Forschungsfragen interessant sein, hilft bei der Diagnostik aber nicht weiter.

Beim Fibromyalgiesyndrom gibt es unzählige schmerzhafte Körperstellen. Manchmal tut es buchstäblich „überall“ weh. Unter der Fülle von denkbaren Punkten, hat man sich auf 18 geeinigt. Von diesen wiederum sollten 11 besonders empfindlich sein, um die Diagnose zu stellen.


Untersuchungen zeigten, dass die ACR-Kriterien eine Genauigkeit von fast  90% haben. Das Ausmaß der Schmerzhaftigkeit der Tenderpoints stimmt in hohem Maße mit den körperlichen und seelischen Beschwerden überein. Sind die Tenderpoints sehr empfindlich, ist die Reizschwelle meist auch insgesamt deutlich gesenkt.
Doch es gibt auch Problem. Die Untersuchung der Druckpunkte (Tenderpoints) alles andere als objektiv. Es ist nicht so einfach, genau mit vier Kilogramm auf einen dieser Punkte zu drücken und außerdem machen bereits Verschiebungen um wenige Millimeter einen  entscheidenden Unterschied. Auch die Verwendung von Druckmessgeräten (Dolorimeter) löst dieses Problem nicht. Außerdem haben auch Patienten, die unter andersartigen Schmerzen leiden, gleichfalls positive Tenderpoints.


Man versuchte, das Problem durch die Einführung von sog. Kontrollpunkte zu lösen, die im Gegensatz zu den Tenderpoints nicht schmerzempfindlich sein dürfen. Doch diese Punkte, z.B. auf der Stirn, sind bei zwei Drittel der Fibromyalgie-Patienten genauso überempfindlich.


Schließlich gibt es Patienten (oft Männer), bei denen zwar das Vollbild der Symptomatik vorliegt, jedoch nur 9 oder 10 Tenderpoints positiv sind. Sollte man da nicht von  FMS sprechen? Doch was haben diese Patienten dann?

Kurz: Viele Wissenschaftler sehen heute die Tenderpoints mit kritischen Augen.  Sie gehen davon aus, dass die Tenderpoints in den Anfangjahren zu wichtig genommen wurde. Dagegen sollte der weiteren Symptomatik (Erschöpfung, psychische Einschränkung, Konzentrationsstörungen, Magen-Darm-Probleme usw.) erheblich mehr Beachtung geschenkt werden.