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Die Rolle des Kohlendioxids

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Studien erschienen, die den Zusammenhang von erhöhter Kohlendioxid-Konzentration in Innenräumen und dem Sick-Building-Syndrom untersucht haben. Dabei zeigte sich eine klare Tendenz: Je höher der Anteil des CO2 in der Raumluft, desto stärker wurde das Allgemeinbefinden und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und zahlreiche Beschwerden begünstigt.

Während die Luft im Freien um die 400 Teile CO2 pro Million Luftteile (ppm) hat, ist die Konzentration an CO2 in einem normalen Büro deutlich höher. Je nach Belüftung kann diese auf 1000 ppm oder noch mehr ansteigen. Über 1400 ppm treten bei den meisten Menschen Symptome auf (Konzentrationsstörungen, Kopfdruck, Platzangst).

Dabei reagieren Menschen jedoch subjektiv unterschiedlich auf die steigende Konzentration. Während einige Zeitgenossen hohe CO2-Mengen gelassen tolerieren, sind andere bereits durch einen leichteren Anstieg des Kohlendioxids deutlich irritiert.

Als Faustregel gilt: Je höher die allgemeine Sensibilität, Irritierbarkeit und Ängstlichkeit, desto höher ist auch Sensibilität gegenüber Kohlendioxid. 


Physiologische Folgen

Welche Konsequenz hat nun die erhöhte Sensibilität gegenüber CO2?

Wenn CO2 in der Atemluft steigt, löst dies bei allen Menschen (allerdings unterschiedlich schnell) eine vertiefte, beschleunigte Atmung aus. Medizinisch wird dies als „Hyperventilation“ bezeichnet. Diese führt dann sekundär zu komplexen Veränderungen in den Blutgasen, dem pH (Säure-Basen-Haushalt) und den Elektrolyten.

Während die akute Hyperventilation kaum zu übersehen ist (Herzrasen, Krämpfe, Atemnot, Angst/Panik), wird die chronische Hyperventilation dagegen häufig nicht wahrgenommen.

Zusammengefasst kommt es zu folgenden physiologischen Veränderungen:

  • Abfall von Magnesium und Kalzium in den Zellen (vor allen Nervenzellen)
  • Abfall der CO2-Konzentration im Blut und Anstieg des Blut-pH
  • Abfall der Gehirndurchblutung
  • Verschlechterung der Sauerstoffabgabe durch die roten Blutkörperchen
  • Zunahme der Krampfneigung von glatter und quergestreifter Muskulatur 

Überschneidungen

Als Leitsymptome des chronischen Hyperventilationssyndroms gelten: 

  • Kopfdruck/Kopfschmerzen
  • Unwohlfühlen in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Reizbarkeit
  • Schwindel und Benommenheit
  • Brustschmerzen
  • kalte Hände und Füße
  • Müdigkeit
  • Schlappheit
  • Schläfrigkeit
  • Wetterfühligkeit
  • Trockenheit der Schleimhäufte
  • Innere Anspannung, ängstliche oder depressive Symptomatik

Damit ergibt sich eine deutliche Überschneidung der Symptome des Sick-Building-Syndroms mit der chronischen Hyperventilation. 


Erschöpfung und Gehirndurchblutung

In den letzten Jahren haben wir uns in unserer eigenen klinischen Arbeit auf die Zusammenhänge zwischen Erschöpfung und Atmung konzentriert.

Bei der Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff spielen dabei zwei Mechanismen eine zentrale Rolle:

  • Je niedriger der CO2 Gehalt im Blut, desto mehr nimmt die Gehirndurchblutung ab.
  • Je niedriger der CO2-Gehalt im Blut, desto schlechter wird die Abgabe des Sauerstoffs durch die roten Blutkörperchen (genauer: Hämoglobin).

 Bei einer chronischen Hyperventilation kommt es also über zwei verschiedene Wege zu einer Mangelversorgung mit Sauerstoff. Dies dürfte zumindest ein wesentlicher Faktor in der Entstehung von Kopfdruck, Erschöpfung, Leistungsschwäche und Konzentrationsstörungen sein.