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Völlig erschöpft und dauernd angespannt

Burnout, CFS und andere Erschöpfungssyndrome

Erschöpfung ist zunächst einmal ein völlig normales Gefühl. Wenn Sie viel gearbeitet haben oder nur wenig Nachtruhe finden konnten, dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Sie sich irgendwann müde fühlen. Doch das ist hier nicht gemeint: Es ist keine ruhige, zufriedene Müdigkeit, sondern eine unruhige, getriebene Erschöpfung, eine spannungsreiche Leere.

Ein weiterer Unterschied: Wenn Sie eine Weile einfach zu viel gemacht haben, dann hilft Ihnen eine wohltuende Nachtruhe, ein entspanntes Wochenende oder zur Not einige ruhige Urlaubstage oder -wochen.

Doch für die Patienten ist das anders. Weder der Nachtschlaf, noch die Krankschreibung, noch die Ruhe tagsüber macht es irgendwie besser. Sie haben ein fast unbezwingbares Bedürfnis nach Ruhe und Erholung – doch dieses Bedürfnis lässt sich nicht befriedigen. Es scheint wie ein böser Fluch zu sein: je mehr sie sich ausruhen, desto erschöpfter fühlen sie sich. Wir haben Patienten, die können nach Monaten oder Jahren der Ruhe praktisch nur noch liegen. Selbst das Sitzen überfordert sie nach kurzer Zeit, von Stehen oder sonstiger Bewegung ganz zu schweigen.

Was ist das für eine Beschwerdebild? Was ist zu tun?

Info-Filme

CFS - Chronic fatigue syndrome

CFS - chronic fatigue syndrome

Immer häufiger kommen Patienten zu uns, die über mehr oder weniger ähnliche Beschwerden klagen. Lange Zeit standen sie mitten im Leben: Aktiv, voll im Beruf engagiert und daneben auch in der Freizeit in vielen Bereichen interessiert. Möglicherweise war da auch Stress und manchmal wurde es ihnen alles zu viel. Aber irgendwie haben sie es immer wieder geschafft.

Dann aber kommt ein banaler Infekt, nicht anders als sie es früher schon häufig hatten. Sie fühlen sich sehr elend und zerschlagen, so wie es eben eine „Grippe“ mit sich bringt. Aber statt wie sonst nach einer Woche oder spätestens zwei vorüber zu sein, bleibt das Gefühl der Erschöpfung und Zerschlagenheit erhalten.

Tage, Wochen und Monate vergehen – und es wird nicht besser. Sie fühlen sich müde, „grippig“, haben Muskel- und Gelenkschmerzen, leiden unter Schwindel, Benommenheit,  Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, zahlreichen sog. funktionellen Beschwerden, Licht- und Lärmempfindlichkeit und vielen anderen Symptomen. Manche Patienten berichten, sie seien gezwungen, bis 18, 20 oder gar noch mehr Stunden im Bett zu verbringen, bis zu 12 Stunden in der Nacht und dann nochmals tags über viele Stunden. Doch der Schlaf bringt nicht die gewünscht Erholung, meist fühlen sie sich beim Aufstehen schlechter als am Abend zuvor.

Kurz: sie sind nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Typische Charakteristika

Unter CFS (Chronic Fatigue Syndrome, dt. chronisches Erschöpfungssyndrom) versteht man eine abnorme Ermüdbarkeit nach körperlichen oder geistigen Anstrengungen, die sich nach Ruhe nicht bessert. 

Charakteristisch ist:

  • Oft ein zeitlich benennbarer Beginn, häufig können Betroffene ein bestimmtes Datum nennen. Allerdings gibt es auch Patienten, die langsam in die Erschöpfung hineinrutschen.
  • Kein Zusammenhang einer eindeutigen körperlichen oder seelischen Überlastung, die das Gefühl der Erschöpfung verständlich machen würde.
  • Lange Dauer Symptomatik, d.h. länger als drei (nach anderen Autoren: sechs) Monate
  • Die körperliche und geistige Leistungsminderung (z.B. weniger als 50% des Ausgangsniveaus).

Weitere Symptome

Anders als der Name es nahelegt, macht die Erschöpfung nur einen Teil des CFS aus. Die Symptomatik besteht keineswegs nur aus dem Gefühl der Müdigkeit und Überforderung. 

Meist ist eine Fülle von weiteren funktionellen Störungen vorhanden. Damit ähnelt das Beschwerdebild auch anderen Erkrankungen, die auf diesen Seiten dargestellt werden. Insbesondere dem Fibromyalgie-Syndrom, dem Reizdarmsyndrom, verschiedenen Formen der Schlafstörungen, Schwindel, Schwächegefühlen oder eben funktionellen Störungen im Allgemeinen.

Auch Störungen des Immunsystems, speziell des Lymphsystems, sind verbreitet.

Weitere Beschwerden: Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Empfindlichkeiten der Lymphknoten, Nervenzuckungen und Kribbeln im Körper, Depressionen, Ohrgeräusche, Sehstörungen, Allergien, subfebrile Temperaturen sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengung und vieles mehr.

Fakten

Symptome

Die Müdigkeit ist für die Betroffenen oft kaum zu beschreiben: „Wenn ich morgens aufstehe, dann fühle ich mich, als wäre eine Dampfwalze in der Nacht über mich gefahren“, berichtet ein junger Mann. „Ich versuche mich dann aus dem Bett zu quälen und erst nach Ewigkeiten komme ich dann heraus und brauche 2, 3 Stunden, bis ich einigermaßen die Augen aufhalten kann.

Nach 2 Stunden, wenn ich nur ein wenig Energie aufgewendet habe, bin ich dann wieder so erschöpft, dass ich mich wieder hinlegen muss, obwohl ich fast nichts getan habe. Ich kann meinen Haushalt nicht führen, mich nicht konzentrieren, keinerlei körperliche Arbeit erledigen. Ich pendle nur zwischen Bett und Sessel und kann mich zu nichts aufraffen.“

Die Erschöpfung nimmt dabei vorm allem bei körperlicher aber auch bei seelischer Anstrengung, bzw. nach Infekten deutlich zu.

Bei Untersuchungen zeigte sich, dass trotz der geklagten Vergesslichkeit, die Intelligenz völlig erhalten ist. Die geistige Leistungsfähigkeit war jedoch bei CFS Patientin reduziert. Vor allem die Geschwindigkeit in der bestimmte Aufgaben zu lösen war, war geringer als bei Gesunden.

Muskelschmerzen

Neben der Erschöpfung ist der Muskelschmerz ein Hauptsymptom (ca. 75% sind betroffen). Dieser ist ähnlich wie Muskelkater oder wie während eines viralen Infektes. Man fühlt sich ständig „grippig“. 

Auch Muskelfaszikulieren, das Zucken einzelner Muskelbündel, ist ein häufiges Symptom, das für die Betroffenen sehr irritierend sein kann.

Die Beschwerden werden durch jede Form der körperlichen Belastung schlechter. Diese Tatsache ist bedeutsam, da so der häufig empfohlene Sport praktisch unmöglich wird.

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind ein wesentlicher Teil des CFS. Dabei leiden die Betroffenen unter einer „Hypersomnie“, also einem abnormen Schlafbedürfnis. „Ich könnte 24 Stunden am Tag schlafen, ohne ausgeschlafen zu sein, so eine Patientin.

Kennzeichen ist der gestörte Tiefschlaf, der als nicht erholsam geschildert wird (non restorative sleep).

Immunologische Störungen

Für sehr bedeutsam halten wir die immunologischen Störungen: Vor allem nach körperlicher oder seelischer Belastung kommt es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder „Grippegefühl“ mit Lymphknotenschwellungen oder erhöhter Temperatur.

Schweregrad

CFS tritt in sehr unterschiedlichen Schweregraden auf. Erschöpfung kann man nicht wie den Blutdruck messen. Daher versucht man die Schwere auf Grund der Symptomatik zu unterscheiden (nach CFS Leitfaden Fatigatio e.V.).

Milde Form

Alle täglichen Besorgungen können einschließlich Haushaltsführung alleine verrichtet werden, wenn auch mit Schwierigkeiten. Die Berufstätigkeit ist erhalten.Freizeitaktivitäten sind bereits weitgehend eingeschränkt. Das Wochenende dient vollständig der Erholung für die Woche.

Mäßig schwere Form

Die Mobilität ist eingeschränkt. Die täglichen Verrichtungen und der Haushalt können nur noch bedingt geführt werden. Die Berufstätigkeit ist kaum noch möglich. Der Schlaf ist schlecht, Nachmittagsschlaf von 1-2 Stunden Dauer notwendig.

Schwere Form

Nur noch kleine Aufgabe wie die persönliche Hygiene können durchgeführt werden. Schwere Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Das Verlassen der Wohnung ist schwierig, nur im Rollstuhl möglich.

Schwerste Form

Völlige Fesselung ans Bett, praktisch keine eigenen Aktivitäten, extreme Licht- und Lärmempfindlichkeit.

In Ruhe und bei Anstrengungen kontinuierlich schwere Symptome; konstant bettlägerig; unfähig, für sich selbst zu sorgen.

Schweregrad nach Bell
PunkteSymptomatik
100Keine Beschwerden; normale Aktivität; Arbeit und Belastungen problemfrei.
90Unter Belastung leichte Beschwerden; normale Aktivität; Arbeit und Belastungen problemfrei.
80In Ruhe leichte Beschwerden, die sich unter Belastung verschlimmern; minimale Einschränkungen der Aktivitäten bei Belastung; anstrengende Ganztagsarbeit mit Problemen.
70In Ruhe leichte Beschwerden, die sich unter Belastung verschlimmern; Aktivität liegt nahe 90 % des Gewohnten, klar erkennbare Begrenzung einiger Tagesaktivitäten; Ganztagsarbeit mit Problemen.
60In Ruhe leichte bis mäßige Beschwerden, die sich unter Belastung verschlimmern; Aktivität liegt bei 70–90 % des Gewohnten, klar erkennbare Begrenzung der Tagesaktivität; nicht in der Lage, ganztags mit körperlichem Einsatz zu arbeiten, aber fähig, einer leichten Vollzeitbeschäftigung bei gleitender Arbeitszeit nachzugehen.
50In Ruhe mäßige Beschwerden, bei Anstrengungen mäßige bis schwere; Aktivität auf 70 % des Gewohnten reduziert; unfähig, anstrengendere Aufgaben zu bewältigen; imstande, leichtere Aufgaben 4–5 Stunden am Tag auszuführen; Ruhepausen werden benötigt.
40In Ruhe mäßige Beschwerden, bei Anstrengungen mäßige bis schwere; Aktivität auf 50–70 % des Gewohnten reduziert; nicht auf das Haus beschränkt; unfähig, anstrengendere Aufgaben auszuführen; imstande, leichtere Aufgaben 3–4 Stunden am Tag auszuführen; Ruhepausen werden benötigt.
30In Ruhe mäßige bis schwere Symptome, starke Beschwerden bei allen Anstrengungen; Aktivität auf 50 % des Gewohnten reduziert; hauptsächlich auf das Haus beschränkt; unfähig, irgendwelche anstrengenden Pflichten zu übernehmen; fähig, leichte Arbeiten 2–3 Stunden am Tag auszuführen; Ruhepausen werden benötigt.
20In Ruhe mäßige bis schwere Symptome, starke Beschwerden bei allen Anstrengungen; Aktivität auf 30–50 % des Gewohnten reduziert; nur selten fähig, das Haus zu verlassen; die meiste Zeit des Tages im Bett; unfähig, anstrengendere Tätigkeiten auszuführen.
10In Ruhe und bei allen Anstrengungen schwere Symptome; kein Verlassen des Hauses; die meiste Zeit bettlägerig; kognitive Symptome verhindern die Konzentration.
0In Ruhe und bei Anstrengungen kontinuierlich schwere Symptome; konstant bettlägerig; unfähig, für sich selbst zu sorgen.

Diagnose

Entscheidend für die richtige Diagnostik sind das Gespräch und die Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt.

Er (oder sie) sollte sich sowohl mit den entsprechenden organischen und auch seelischen Erkrankungen auskennen, die als Differentialdiagnostik in Frage kommen. Es schließt sich dann die normale körperliche Untersuchung an, die gleichfalls wichtige Hinweise liefert.

Hauptkriterien nach Fukuda

Die Diagnose "CFS" kann gestellt werden, wenn eine unerklärte bleibende oder wiederkehrende chronische Erschöpfung vorliegt,

  • von mindestens 6-monatiger Dauer
  • mit neuem oder klar definiertem Beginn (existiert nicht bereits zeitlebens)
  •  die nicht Ergebnis aktueller Belastungen ist
  •  die nicht wesentlich gelindert wird durch Ruhe-/Erholungsphasen 
  •  die zu einer wesentlichen Reduktion der beruflichen, erzieherischen, sozialen und persönlichen Aktivitäten führt im Vergleich zu der Zeit vor der Erkrankung.

Nebenkriterien nach Fukuda

Gleichzeitig sind 4 oder mehr der folgenden Symptome seit mindestens 6 Monaten vorhanden:

  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen 
  •  Halsschmerzen
  •  Empfindliche/schmerzende Hals- oder Achsellymphknoten
  •  Muskelschmerzen
  •  Gelenkschmerzen unter Ausschluss einer arthritischen Erkrankung
  •  Kopfschmerzen nicht gekannter Art oder Intensität
  •  nicht-erholsamer Schlaf
  •  unverhältnismäßig starke Erschöpfung nach Anstrengungen, die länger als 24 Stunden dauern

Ausschlusskriterien

Folgende Erkrankungen oder Beschwerden dürfen nicht vorhanden sein:

  • Nachweisbare medizinische Erkrankungen, die die Symptomatik erklären können
  • Vorherige nachweisbare medizinische Erkrankung, die zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, deren mögliche persistierende Aktivität die Symptomatik jedoch erklären könnte
  •  Depression mit psychotischen, katatonen oder melancholischen Merkmalen, bipolare Störungen (manisch-depressiv), Schizophrenie und psychotische Störungen, Demenz, Essstörungen
  • Alkohol-, Substanz- oder Medikamentenmissbrauch oder -abhängigkeit innerhalb der letzten 2 Jahre vor Beginn der chronischen Erschöpfung, sowie jederzeit danach
  • Schweres Übergewicht (BMI über 45).

Ursachen

Die Ursache von CFS ist nicht bekannt. Allerdings fällt auf, dass die Erkrankung sehr häufig im Anschluss an einen Virusinfekt auftaucht.

Insofern kommt einem Infekt ein möglicherweise auslösendes Moment zu.

Allerdings scheint dies nur die Auslösung zu sein (der letzte Tropfen?). Im weiteren Verlauf sind die Viren wahrscheinlich nicht mehr bedeutsam, zumindest bessert sich die Symptomatik nicht, wenn antivirale Medikamente gegeben werden. Wir selbst vermuten, dass der Atmung und Veränderungen der Gehirndurchblutung einer große Bedeutung zukommt.

Doch darf man nicht alle CFS-Betroffene über einen Kamm scheren. Wahrscheinlich können – wie bei Fibromyalgie – höchst unterschiedliche Ursachen im Verlauf eines längeren Prozesses zu der Symptomatik führen. CFS ist also ein Endstadium, das aus unterschiedlichen Quellen herrührt.

Man muss also Risikofaktoren, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren unterscheiden.

Stress

Stress: Viele Patienten berichten von einer stressreichen, hektischen Zeit vor Beginn der Erkrankung. Besonders belastend wird diese geschildert, wenn weitere Beschwerden wie Infekte, Schmerzen oder belastende Ereignisse wie Trennungen oder Krankheit in der Umgebung hinzukommen.

Hinweis für die Bedeutung von chronischer Belastung ist auch die Tatsache, dass Naturkatastrophen, Gewalteinwirkungen oder schwere seelische Belastungen die Chance erhöhen, eine Erschöpfung zu entwickeln.

Depression und Angst/Panik

Der Seele kommt wahrscheinlich – erneut wie beim Fibromyalgie Syndrom – eine größere Rolle bei der Entstehung zu. Bei 50-80% der Patienten liegt eine mehr oder weniger ausgeprägte seelische Erkrankung in der Vorgeschichte vor.

Vor allem depressive Störungen sind gehäuft vorhanden. Eine Abgrenzung zwischen der Depression und CFS ist daher manchmal schwierig, da Depressionen mit Erschöpfung einhergehen.

Hormonelle Veränderungen

Corticotropin (CRH) ist das zentrale Stresshormon und sorgt für die Bereitstellungsreaktion des Körpers für Flucht und Kampf. Über die Zwischenstation der Hirnanhangsdrüse (Produktion von ACTH) wird vermehrt Kortison produziert. Dieses sorgt dann für die Bereitstellung. 

Dauerstress und Dauerschmerz verändern jedoch die Reaktionsweise des Systems. Patienten, die unter chronischer Erschöpfung leiden, haben offenbar niedrigere Kortisolspiegel im Blut und ein verändertes Ansprechverhalten der CRH-ACTH-Kortison-Achse. 

Wachstumshormon: Viele Studien deuten darauf hin, dass ein niedriger Spiegel des Wachstumshormons (GH – Growth Hormone) sowohl Folge der Erkrankung ist (geringere Produktion bei Schlafstörungen) als auch bei der Verursachung der Erkrankung eine Rolle spielt. 

Melatonin: Hier gibt es unterschiedliche Ergebnisse, die von keinem Unterschied zu Gesunden bis zu einer erhöhten Melatoninproduktion in der Nacht reichen.

Immunologische Veränderungen

Veränderungen des Immunsystems sind keineswegs eindeutig. CFS ist keine immunologische Erkrankung. Viele Studien mit sich z.T. heftig widersprechenden Ergebnissen wurden veröffentlicht:  

Das Immunsystem ist vermutlich aktiviert.

  • Einige Untergruppen der weißen Blutkörperchen (B- CD19- Lymphozyten) sind erhöht, andere (T- CD4- Zellen, T- CD8- Zellen) vermindert.
  • Das Verhältnis zwischen bestimmten Teilen der Lymphozyten ist verändert (T-CD4/T-CD8- Verhältnis vermindert).
  • Die Anzahl der Killerzellen ist erhöht.
  • Die Immunglobuline zeigen keinen eindeutigen Befund (Erhöhung/Verminderung).
  • Teilweise sind ANA (antinukleäre Antikörper) sowie Autoantikörper erhöht.

Die Bedeutung dieser Befunde ist jedoch offen.

Virusinfektionen

Zahlreiche Viren wurden für CFS verantwortlich gemacht. Bei CFS fand man tatsächlich überzufällig häufig vermehrt Zeichen einer durchlaufenen Infektion. Ob dies tatsächlich die Ursache der Krankheit oder nur einer von vielen Auslösern war, bleibt offen. Persönlich neige ich zur letzteren Ansicht. 

  • Paroviren: Kein klarer Zusammenhang
  • Herpes Simplex Virus: Kein klarer Zusammenhang
  • Zytomegalievirus: Kein klarer Zusammenhang, da sowieso die meisten Menschen einen Kontakt hatten. 
  • Epstein-Barr-Virus (EBV): 90% aller Erwachsenen hatten Kontakt zu dem Virus. Sicherlich liegt keine „chronische EBV-Infektion“ vor. 
  • Humane Herpesviren 6- 8: Kein klarer Zusammenhang
  • Influenza Viren (Grippe): Kein klarer Zusammenhang

Weitere Laborwerte

  • Magnesium: kein Unterschied zu gesunden Kontrollpersonen
  • Vitamin B12 im Liquor („Nervenwasser“): erniedrigt – ebenso wie Homocystein im Liquor
  • Blutarmut: nicht nachgewiesen. 

Verlauf

Der spontane Verlauf von CFS ist sehr unterschiedlich. Grob kann man drei Gruppen unterscheiden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass vielfach nicht oder nicht ausreichend therapiert wird. 

1. Heilung: Eine kleinere Gruppe, die vollständig beschwerdefrei wird. Bis das so weit ist, kann es allerdings längere Zeit dauern. 

2. Schwankend: Die Mehrzahl der Betroffenen zeigt einen Wechsel von guten und schlechten Phasen. 

 3. Verschlechterung: Eine sehr kleine Gruppe wird so schwer krank, dass sie an Haus, Bett oder Rollstuhl gefesselt bleibt. Dies ist jedoch die große Ausnahme. 

Hinweise auf bessere Prognose: Schnelle Erholung nach einer schlechten Phase. 

Hinweise auf schlechtere Prognose: Beschwerden, die länger als 5 Jahre anhalten.

Videos: Fallbeispiele

Forschung

Wir konnten in den letzten Jahren feststellen, dass viele erschöpfte Patienten Veränderungen in der Atmung aufweisen. Diese Zusammenhänge sind noch sehr wenig erforscht, ermöglichen jedoch die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien.

Wir wären daher sehr dankbar, wenn Sie den folgenden Fragebogen ausfüllen.

Sie haben am Ende auch die Möglichkeit, eine Email zu hinterlassen, wenn Sie über die ersten Ergebnisse informiert werden wollen und Sie erfahren, wo diese veröffentlicht werden.

Vielen Dank!

Therapie

Das Hauptproblem der Therapie ist, dass es keine klaren Behandlungsrichtlinien gibt!

Klar ist, dass einfache medikamentöse Behandlungen des Problems CFS nicht wirksam sind. Die Hoffnung, es gäbe die Anti-CFS-Pille haben sich gründlich zerschlagen. 

Warum? Die Ursache – wiederum ähnlich wie bei Fibromyalgie – ist, dass es sich bei CFS um komplexe Regulationsstörungen im Zentralnervensystem handelt. Die Folien über Fibromyalgie zeigen einen Teil dieser Problematik.

Regulationsstörung bedeutet, dass sehr weit „oben“ im hormonellen System der körperlichen Regulation (z.B. CRH) das gesamte Vegetativum in eine „Schieflage“ gekommen ist. Eine Vielzahl von Hormonen (Schilddrüsenhormon, Wachstumshormon, Prolaktin, Cortison, Vasopressin uva.) reagieren nicht mehr so, wie sie es ursprünglich taten.

Die Folge: Eine verwirrende Vielzahl von Symptomen (Frieren, Schwitzen, Schlafstörungen, Wassereinlagerungen, Magen-Darm-Beschwerden und, und, und).

Schwellensenkung

Ein zweites Problem ist die Absenkung der Reizschwelle. Die Reizüberflutung durch Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden sowie die oft langjährigen Schlafstörungen führen zu einer allgemeinen Absenkung der Schwelle, bei der wir Außenreize wahrnehmen.

Betroffene bekommen ein „Input-Problem“: Die Signale aus der Umwelt erreichen sie zunehmend ungefiltert und direkt. Die Folge: Geräusch- und Lichtüberempfindlichkeit, Berührungsempfindlichkeit, Reizbarkeit und allgemeine seelische Empfindlichkeit. Ein „Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom“ entwickelt sich im Verlauf von Monaten und Jahren.

Viele der naheliegenden Ratschläge sind zwar richtig, können aber von den Betroffenen nicht durchgeführt werden.

Gut gemeinte Ratschläge

Klar ist, wenn Sie betroffen sein sollten, sollten Sie alles vermeiden, die Beschwerden chronisch werden zu lassen! Je früher Sie etwas tun, desto besser! Nur was? Der Ratschlag, „machen Sie Sport, gehen Sie aus dem Bett“ mag zwar grundsätzlich richtig sein, wird am in den meisten Fällen nicht durchführbar sein, da die Betroffenen entweder zu wenig Antrieb oder zu viele Schmerzen haben.

Therapiegrundsätze

1. Eine Therapie muss langsam ansetzen und die jeweilige Leistungsstufe des Betroffenen berücksichtigen.

Es verschlechtert die Symptomatik, wenn man ein forciertes Training beginnt, das über die Fähigkeiten eines Patienten hinausgeht.

2. Nur durch ein Ansetzen der Therapie auf vielen Ebenen gleichzeitig (multimodale Therapie) gibt es ein Chance, auf die komplexe Störung erfolgreich einzuwirken. Auch richtige Therapien versagen, wenn sie alleine oder nacheinander eingesetzt werden.

Aus diesem Grund sind die meisten ambulanten Therapien oft wenig erfolgreich (eine Zeitlang diese Therapie, dann jene), während stationäre Behandlungen (verschiedene Anwendungen täglich) bessere Chancen haben.

3. Es kommt darauf an, die Regulationsfähigkeit des Körpers wieder instandzusetzen: den Wechsel von Ruhe und Aktivität, von Schlaf und Wachen, von Aufnehmen und Ausscheiden, von Bewegung und Ruhe, von Anpassung an Kälte und Wärme, Licht und Dunkelheit usw.

4. Wichtig erscheint mir dazu, die erniedrigte Schwelle Schritt für Schritt wieder zu erhöhen und dadurch die Reizüberflutung zu begrenzen.

5. Wichtige und häufig unterschätzte Therapieelemente sind neben dem erholsamen Schlaf auch ein reizarmer Magen-Darm-Trakt sowie die Abwesenheit von Ödemen, Wasseransammlungen in Muskeln und Bindegewebe.

6. Psychotherapie ist vermutlich hilfreich, wenn sie möglichst gezielt erfolgt: z.B. als kognitive Verhaltenstherapie.

7. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser. Krankschreibung alleine bessert die Beschwerden nicht. Grundsatz: So viel Schonung wie nötig, so viel Aktivität wie möglich.

Was ist wahrscheinlich unwirksam?

Gerade zu Beginn der Therapie von CFS vor einigen Jahren wurden zahllose Therapienansätze versucht. Nach den aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen sind folgende Verfahren nicht wirkungsvoll bzw. nicht ausreichend nachgewiesen:

  • Immunglobuline
  • Interferon
  • Antihistaminika 
  • Aciclovir (Medikament gegen Viren)
  • Fischöl
  • Leberextrakte
  • Buspiron
  • Somatotropin
  • Fluoxetin (ein Antidepressivum) z.B. Fluctin®, Moclobemid, Phenelzin
  • Antirheumatika (z.B. Ibuprofen)
  • MAO-Hemmer (Antidepressiva)
  • Melatonin
  • wahrscheinlich: Entspannungsverfahren

Multimodale Therapie

Wie schon bei den Grundsätzen der Therapie erwähnt, gibt es nicht die Anti-CFS-Pille und wird es sie vermutlich auch nie geben. Es kommt auf eine schrittweise Wiederherstellung von Regulation und Anpassung an. In gewisser Weise könnte man von „Training“ sprechen. 

Leider steht ausgerechnet das Hauptsymptom diesem Training entgegen. Auf Grund der ausgeprägten Erschöpfung fehlt für die Leidtragenden oft die Kraft, überhaupt irgendetwas zu beginnen, ja, sich überhaupt in Behandlung zu begeben. 

Die Lösung heißt in diesem Fall: Kleine Schritte und stationärer Behandlungsbeginn, oder - in unserem Fall – Wohnen am Behandlungsort, nur wenige Schritte von den Therapiemaßnahmen entfernt. 

Haben sich die Symptome gebessert, können stufenweise weitere Therapieschritte folgen und es kann weitgehend auf Selbsthilfe umgestellt werden.

Die Behandlung ist grundsätzlich der Therapie anderer funktioneller Störungen verwandt, insbesondere der Therapie der Fibromyalgie; beide Beschwerdebilder sind möglicherweise nur verschiedene Ausprägungen der gleichen Störung. 

Allerdings bestehen auch Unterschiede. Einer scheint mir für die Therapie nicht unwesentlich: Während bei Fibromyalgie große Fortschritte oft sehr rasch innerhalb von 2 Wochen Intensivtherapie eintreten, benötigt man bei CFS oft einen längeren Atem. 

Insbesondere das Hauptsymptom, die Erschöpfung verabschiedet sich nicht als erstes. Erst wenn der Schlaf vertieft, die Schmerzen erträglich, die Magen-Darm-Beschwerden und viele weiteren Symptome verschwunden sind, dann werden die Lebensgeister wieder geweckt. 

Oder anders ausgedrückt: Erschöpfung lässt sich aus meiner Erfahrung nicht primär, direkt, angehen, sondern über den „Umweg“ der Behandlung der umfangreichen weiteren Störungen.

Therapieelemente

Wirksam oder hilfreich sind u.a.

  • Atemtherapie
  • Kreislauftraining
  •  schrittweise Aufbau von Aktivität
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes
  • Unterstützende psychotherapeutische Verfahren z.B. Verhaltenstherapie
  • Selbsthilfe
  • Einige Antidepressiva

 

 

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