Diese Website verwendet Cookies. Mit Hilfe der Einstellungen Ihres Browsers können Sie dies ändern.
Hier können Sie sich über unsere Datenschutz-Richtlinien informieren. Beachten Sie auch den Haftungsausschluss.
Wenn Sie die Webseite und ihr Angebot nutzen und weiter navigieren akzeptieren Sie Cookies, die Datenschutzerklärung und der Haftungsausschluss.
Akzeptieren

Gefährlich, bedrohlich oder harmlos?

Candida & Co - Infektionen durch Pilze

Pilzerkrankungen gelten als „schwieriges Thema“ in der Medizin. Auf der einen Seite gibt es definierte Krankheitsbilder (z.B. Fußpilz, Nagelpilz), für die es auch eindeutige Therapieverfahren gibt. 

Doch schon bei Pilzen im Magen-Darm-Trakt scheiden sich die Geister. Für die einen ist das „komplett harmlos“, „hat jedermann“ und für die anderen sind das schwerwiegende Erkrankungen, die für eine Fülle von Symptomen verantwortlich gemacht werden, die möglicherweise eher als funktionelle Störungen zu verstehen sind. 

Was stimmt nun? Diese Seiten sollen helfen, Klarheit zu gewinnen. 

(Wie immer: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie irgendwelche Therapien beginnen)

Basisinformationen: Pilze

Wieviel Pilze gibt es?

Was wissen Sie über Pilze? Denken Sie einmal einen kurzen Moment nach, bevor Sie weiterlesen. Wie viele Pilze kennen Sie? - Vermutlich werden Sie an Pfifferlinge, Champignons und ähnliches denken. Und, da Sie besonders am Thema interessiert sind, denken Sie vielleicht auch an die Kleinstlebewesen, die den menschlichen Körper angreifen können.

Doch wieviele gibt es wohl insgesamt? Haben Sie geraten? Hier die Antwort!

Zum Glück sind nicht alle von diesen Pilzen für den Menschen gefährlich. Wollen Sie noch einmal raten? Antwort. 

Man teilt diese - mehr oder minder gefährlichen -  Pilze üblicherweise in drei große Gruppen ein:

  • Hautpilze oder Dermatophyten - das sind die Kleinstlebewesen, die sich auf unsere Haut, Haare und Nägel spezialisiert haben.
  • Schimmelpilze kennen Sie von verdorbenen Nahrungsmitteln. Sie kommen allerdings überall in der Natur vor. Wenn Sie jetzt den nächsten Atemzug machen, werden Sie unweigerlich Schimmelpilzsporen mit der Luft aufnehmen. Das macht in der Regel nichts. Allerdings kann das ein großes Problem werden, wenn sie auf einzelne der Schimmelpilze allergisch sein sollten.
  • Hefen (z.B. Candida albicans) ist die dritte Gruppe, die Sie als Bier-, Wein- oder Backhefe kennen, die aber auch als Krankheitserreger in Erscheinung treten. 

Mehr Infos finden Sie diesem Buch

Hefepilze

Es gibt unterschiedliche Formen von Hefepilzen. Krankheitserreger sind nur wenige Arten. Es sind vor allem: 

• Candida• Kryptokokkus• Trichosporon• Malassezia• Rhodotorula

Ganz im Vordergrund stehen die verschiedenen Candida-Arten. Insbesondere betrifft dies Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der Schleimhäute.

Verschiedene Candida Arten

  • Candida albicans - Erreger von 90% aller Pilzerkrankungen der Schleimhäute. Kommt in der Erde, im Wasser und im Gemüse vor. 
  • Candida glabrata - Häufig, Vorkommen z.B. in Obststäften
  • Candida famataCandida humicola- Bodenkeim
  • Candida guilliermondii - kommt überall vor, nur teilweise Krankheitserreger
  • Candida krusei|Zunehmende Bedeutung, in Lebensmitteln vorhanden 
  • Candida lambicaCandida lipolyticaCandida tropicalis - weitgehende Resisitenz gegen Fluconazo
  • Candida rugosa
  • Candida parapsilosis
  • Candida lusitaniae
  • Candida zeylanoides
  • Cryptococcus neoformans- löst Befall von Lunge, Lymphknoten und ZNS aus
  • Trichosporon cutaneum|Erkrankungen von Haut und HaarenRhodutorula
  • Geotrichium candidum
  • Sacharomyces - Gehört zur Normalflora

Krankhaft oder nicht?

Nicht jeder nachweisbare Pilz hat Krankheitswert! Sind Pilze z.B. im Stuhl nachweisbar, kann dies ganz Unterschiedliches bedeuten: 

  • Pilze, z.B. Candida albicans, werden mit der Nahrung aufgenommen und „rutschen“ einmal durch den Darm hindurch. Sie reagieren nicht mit der Darmwand und richten keinerlei Schaden an. Dies ist vermutlich ein sehr häufiges Phänomen. 
  • Die gleichen Pilze sind in der Lage, sich in gewissen Grenzen im Darm anzusiedeln (Kolonisation), ohne jedoch wesentlich mit der Darmwand zu reagieren und die Darmflora zu stören. 
  • Pilze siedeln sich im Darm an, sie reagieren mit der Darmwand, dringen in den Organismus ein, lösen Veränderungen im Immunsystem bzw. Krankheiten aus.

Es kommt darauf an...

In allen drei Fällen sind gleichermaßen Pilze im Stuhl nachweisbar. Mit anderen Worten: Bei der Diagnostik kommt es sehr darauf an, den Einzelfall zu werten. Nicht das Labor stellt fest, ob eine Erkrankung vorliegt, sondern der (erfahrene) Arzt. Er wertet das ganze Beschwerdebild: 

  • Symptome
  • Laborwerte
  • Risikofaktoren
  • Mögliche weitere Erkrankungen
  • Lebensumfeld 

Danach kann entschieden werden, ob und welche Therapie sinnvoll und notwendig ist.

Diagnose

Pilze im Mundbereich

Die typischen weißlichen Beläge, verbunden mit entsprechenden Beschwerden, sind kaum zu übersehen. Kmmen dann noch gewisse Risikofaktoren hinzu, steht die Diagnose weitgehend fest. Wenn also beispielsweise ein Baby im Alter von wenigen Tagen oder Wochen nicht mehr trinken mag und gleichzeitig die weißen Beläge im Mund aufweist, dann kann man von einem Pilzbefall ausgehen. Ähnliches gilt für Schwerkranke oder Immungeschwächte.

Natürlich ist dies nicht immer so einfach. Pilze können sehr wohl anwesend sein, ohne daß sie sich so deutlich zeigen. Dann hilft nur ein Abstrich weiter. Mit Hilfe eines Watteträgers wird kräftig auf der Schleimhaut entlang gewischt. Besonders im hinteren Teil des Mundes, zwischen Zahntaschen und an anderen versteckten Stellen (z.B. unter Prothesen) wird man am ehesten fündig. Auf den Watteträgern haften dann die Keime zusammen mit etwas Speichel. Das Ganze wird dann in ein Transportmedium gepackt, das ein Austrocknen der Keime verhindert, und an ein Labor zur Untersuchung gesandt.

Pilze im Magen-Darm-Trakt

Die wichtigste Untersuchungstechnik, um Pilze im Verdauungstrakt zu bestimmen, ist die Untersuchung des Stuhls. Hierzu wird eine Probe des Stuhls im Labor mit Wasser verdünnt und auf einen Nährboden aufgebracht. Nach einigen Tagen läßt sich ablesen, ob dort Pilze gewachsen sind.

So einfach die Methode ist, so wichtig ist es hier, einige Details zu beachten, sonst ist die ganze Mühe umsonst. Auch wenn man über dieses Thema nicht so gerne spricht, ist die richtige Entnahmetechnik für ein korrektes Ergebnis äußerst wichtig.

Vielleicht erinnern Sie sich daran, daß Pilze im Darm nicht gleichmäßig vorkommen, sondern in einzelnen "Nestern" leben. Genauso verhält es sich auch im Stuhl. Auf pilzbefallene Segmente folgen völlig pilzfreie Abschnitte.

Wenn Sie nun zufällig an irgendeiner Stelle eine einzige Stuhlprobe entnehmen, ist die Chance hoch, daß Sie leider "daneben gezielt" haben.

Die zweite Schwierigkeit: Einige Pilzarten (vor allem Candida albicans) haften sehr fest an der Darmwand und finden sich daher in der Stuhlprobe nicht, obwohl sie im Darm in großer Zahl vorkommen.

Natürlich sieht ein Kollege bei der Gastroskopie unmittelbar die weißlichen Beläge und kann so die Diagnose sofort stellen. 

Probenentnahme unter Idealbedingungen

Nehmen Sie an den Tagen vor der Untersuchung reichlich Fasern zu sich, beispielsweise Vollkornprodukte, Gemüse, Salate oder Hafer- bzw. Weizenkleie. Dadurch werden die Pilze mechanisch aus dem Darmzotten herausgelöst.

Am Abend vor der Stuhlprobe trinken Sie ein Glas Wasser, das Sie mit einem Eßlöffel Obstessig angesäuert haben. Durch Säure wird nämlich die Fähigkeit der Hefen herabgesetzt, sich an der Darmwand festzuhalten.

Legen Sie vor dem Stuhlgang die Toilettenschüssel mit Küchenrollenpapier aus. So erleichtern Sie sich die Probenentnahme und verhindern ein vermischen des Stuhls mit dem Wasser.

Den Untersuchungsröhrchen beigefügt ist ein kleiner Glas- oder Plastikstab. Mit diesem sollte der Stuhl einige Male durchgerührt werden, um die Pilznester durchzumischen.

Mit dem kleinen Löffel, der den Röhrchen beiliegt, nehmen sie sechs bis acht Stuhlproben von verschiedenen Stellen. Man benötigt nicht viel Material für die Untersuchung.

Dieses Verfahren wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erreichen. Dies hat sich sehr bewährt: Immer wieder kommt es bei meinen Patienten vor, daß an zwei Tagen kein Pilze nachweisbar sind, während die dritte Stuhlprobe massenhaft von Candida-Arten besiedelt ist.

Die Stuhlproben sollten dann möglichst bald untersucht werden. Ideal ist es, wenn sie unmittelbar zum Labor gebracht werden. Allerdings halten die meisten Hefen, vor allem die Krankheitserreger, den Transport auch über den Postweg aus. Ein Versand in entsprechenden Versandtaschen ist also durchaus möglich.

Nicht ganz ideal

Im klinischen Alltag wird etwas weniger Aufwand betrieben und die Pilze sind dennoch nachweisbar. 

Labordiagnostik

Im Labor wird der Stuhl in den meisten Fällen zuerst mikroskopisch untersucht. Hierbei ergeben sich oft schon erste Hinweise auf einen Pilzbefall. Beispielsweise lautet eine erste Diagnose: "Massiver Befall mit Hefen".

Für eine genauere Diagnose müssen die Pilze erst auf einem Nährboden angezüchtet werden. Nach einigen Tagen ist es dann soweit: Die Pilze sind auf der kleinen Schale gewachsen. Nun lautet die Aussage: "Massives Wachstum mit einer Candida-Art".

Um eine Candida-Art noch genauer zu bestimmen, werden die neu gewachsenen Pilze auf ihre biochemischen Eigenschaften untersucht. Vor allem die Art und Weise, wie sie unterschiedliche Zucker verdauen, gibt dann den letzten diagnostischen Aufschluß.

Was ist normal?

Die meisten Labors nennen neben der Art des gefundenen Keimes auch die ungefähre Anzahl. Üblicherweise wird die Anzahl der Keime bezogen auf ein Gramm Stuhlgewicht genannt. Die Nachweisgrenze liegt etwa bei 1000 Keimen pro Gramm. Alles was unter dieser Grenze liegt, wird als "pilzfrei" angesehen. Vielleicht erschrecken Sie, wenn eine solch große Zahl von Pilzen nicht nachweisbar ist. Man muß sie in das Verhältnis zu der Gesamtzahl von Keimen setzten, die in einem Gramm Stuhl enthalten sind. Diese liegt etwa bei 1000 000 000 (einer Milliarde) Keimen oder sogar darüber. 

In anderen Worten: Nicht nachweisbar sind Pilze, wenn ihr Anteil unter einem tausendstel Promille liegt.

Die übliche Abstufung sieht etwa so aus:

  • Unter 1000 nicht nachweisbar
  • 1 000-10 000 spärlich
  • 10 000-100 000 gering
  • 100 000 - 1 000 000 reichlich
  • über 1 000 000 massenhaft

Und jetzt?

Diese Wertungen ergeben einen ungefähren Anhaltspunkt über die Bedeutung der Pilze im Darm. Im allgemeinen bezeichnet man einen Pilzbefall ab 100 000 als krankhaft, wenn eine enstsprechende Symptomatik vorliegt. Allerdings ist die Mengenangabe mit erheblichen Fehlerquellen behaftet.

  • Pilze können sich bekanntermaßen sehr schnell vermehren. Aus einer "spärlichen" oder "nicht nachweisbaren" Menge kann sich innerhalb eines Tages ein "massenhafter" Befall ergeben, wenn die Bedingungen günstig sind (Immunschwäche, Medikamente, Nahrung).
  • Wenn eine Allergie auf Pilze vorliegt, können bereits kleine Mengen Beschwerden auslösen.
  • Pilze sind nicht alle gleich, es gibt Unterschiede in der Aggressivität.

Daraus folgt, daß es für die Bewertung einer Stuhlkultur keine starren Regeln gibt. Jeder Einzelfall muß unter Beachtung aller Symptome für sich alleine gewertet werden. Nur die Anzahl der Keime kann nicht alleine über die Frage einer Behandlung entscheiden. 

Pilze in einzelnen Organen

Glücklicherweise kann ein Mensch durch eine biologisch intakte Abwehr die Pilze sofort aus der Blutbahn entfernen. Pilze in Organen lassen sich nur im Blut von Schwerkranken isolieren! 

 Wenn der Körper aber längere Zeit Kontakt mit Pilzen hat, erzeugt er gegen diese Antikörper, die sich dann wiederum im Blut feststellen lassen. In diesem Fall wird also die Reaktion des Immunsystems auf den Pilzkontakt untersucht. Je mehr von diesen Antikörpern gebildet werden, desto wahrscheinlicher ist eine Pilzinfektion.

Bei dieser Untersuchung gelten einige Besonderheiten:

Der Zusammenhang zwischen Höhe des Antikörperspiegels und der Wahrscheinlichkeit einer Pilzinfektion gilt nur für Menschen mit normalem Immunsystem. Patienten mit schweren Krankheiten sind möglicherweise zu geschwächt, um trotz massiver Besiedelung genügend Antikörper bilden zu können.

Man unterscheidet verschiedene Antikörperklassen, die nach Buchstaben bezeichnet werden. Bei akuten Pilzinfektionen überwiegen die Antikörper vom "M"- oder "A"-Typ (IgM oder IgA). Bei länger zurückliegenden Infekten finden sich dagegen vermehrt "G"-Antikörper (IgG) im Blut. Sind die IgG-Antikörper erhöht bei normalen IgM bzw. IgA-Werten, spricht dies für eine alte Infektion, die schon seit längerer Zeit überwunden ist.

Bei umgekehrter Konstellation (IgM bzw. IgA hoch, IgG niedrig) muß man eine akutes Geschehen vermuten, d.h. der Körper setzt sich gerade mit einer Candida-Hefe auseinander.

Leider gibt es auch eine Ausnahme von dieser übersichtlichen Regel: Angenommen, Sie hatten schon öfters eine Candida-Infektion, dann hat ihr Körper bereits viele IgG-Antikörper gebildet. In solchen Fällen verzichtet er auf die Produktion der IgM-Antikörper und bekämpft den Pilz gleich mit den IgG-Antikörpern.

Diese Meßwerte im Blut sind jedoch keineswegs absolut zu setzen! Sie geben lediglich einen groben Hinweis.

Faustregel

IgG normal IgM normal - Kein Hinweis für Pilze

IgG normal IgM und IgA erhöht - Akute Infektion

IgG erhöht IgM und IgA normal oder erhöht -Wahrscheinliche erneute Infektion

Pilze leben oft auf den Schleimhäuten (Kolonisation). Ob dies Krankheitswert hat oder nicht, ob eine Behandlung notwendig ist und wie diese Behandlung aussehen sollte, ist keine Frage von Laborwerten. Dazu muss der Arzt die Laborwerte, Ergebnis von mikroskopischen Abstrichen und Kulturen, sowie vor allem die Situation des Patienten berücksichtigen. Danach wird er erst über eine mögliche Therapie entscheiden.

Risikofaktoren für Pilzerkrankungen

Diabetes mellitus

An erster Stelle steht die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der erhöhte Zuckerspiegel in Blut und Körperflüssigkeiten und die eingeschränkte Immunität von Diabetikern läßt sie zu einem beliebten Angriffsziel für Pilze werden. Dies gilt besonders dann, wenn - wie häufig - noch andere Risikofaktoren hinzukommen

Infektionen

An zweiter Stelle sind alle schweren Infektionskrankheiten zu nennen. Dieses Spektrum reicht von Infektionen durch einfache Hautkeime (Streptokokken oder Staphylokokken) über virale Erkrankungen bis hin zu schwersten Infektionen (z.B. Lungenentzündungen). Je schwerer die Infektion, desto höher das Risiko einer zusätzlichen Pilzerkrankung.

Störung des Immunsystems

Das gleiche gilt für alle Krebserkrankungen, die unser Immunsystem aufs stärkste beeinträchtigen. Besonders hoch ist das Risiko, wenn unser Immunsystem selbst erkrankt ist. Am bekanntesten sind die Blutkrebsleiden (Leukämien oder andere Formen der Immunsppression. Gerade bei der letztgenannten Krankheit stellt eine Infektion mit Candida meist eine schwere, oft lebensbedrohende Komplikation dar. Hier kann das Immunsystem derart geschwächte sein, daß es der Ausbreitung der Keime über Blut und Lymphe ins Innere des Körpers hilflos gegenübersteht.

Antibiotika

Keine andere Gruppe von Arzneimitteln verbessert die Chance des Pilzwachstums so sehr wie diese. Hauptproblem ihrem Einsatz ist ihre Einwirkung auf den Verdauungstrakt. In diesem konkurrieren normalerweise sehr viele Bakterien mit einer vergleichsweise geringeren Anzahl von Pilzen. Die Bakterien halten die Pilze durch verschiedenen Mechanismen in Schach. Vor allem Milchsäure produzierende Bakterien (z.B. Laktobazillen und Bifidobakterien) und einige Coli-Stämme sind von großem Nutzen. Sie sind in der Lage, pilztötende Substanzen zu produzieren bzw. eine saures Milieu zu erzeugen, das den Hefen nicht zuträglich ist. 

Wenn Sie nun ein Breitspektrum-Antibiotikum einnehmen, also eines, das alle Bakterien gleichermaßen angreift, so gehen neben den Krankheitserregern auch die empfindlichen Nützlinge unter den Darmbewohnern zugrunde. Jetzt sind die Hefepilze endlich von den lästigen Konkurrenten befreit und können sich ausbreiten. Von einer Verdoppelung bis zum tausendfachen Anstieg der Kolonienzahl reicht das Spektrum der Hefevermehrung!

Eine wesentliche Erklärung für die Zunahme der Pilzerkrankungen in den letzten 50 Jahren liegt also in der Einführung der Antibiotika in diesem Zeitraum. 

Zwar sind Antibiotika gelegentlich unabdingbar und lebensrettend, aus meiner Sicht werden sie jedoch in den vielen Fällen zu schnell, zu häufig und letztendlich oft unnütz (d.h. nicht gezielt) eingenommen. Immer wieder werden sie auch gegen virale Erkrankungen eingesetzt, gegen die sie erwiesenermaßen unwirksam sind. 

Bei meinen Patienten gelingt es mir in den meisten Fällen, auf den Einsatz von Antibiotika zu verzichten. Allerdings fordert dies vermehrte Aufklärung und Zusprache sowie auch aktive Mitarbeit des Patienten. Doch hierbei erweist sich so manch altes Hausmittel ebenso effektiv wie einer der Bakterien-Killer.

In manchen Fällen (z.B. bei einer Lungenentzündung) sind Antibiotika allerdings nicht zu vermeiden. Müssen Sie aber dann in diesem Fall befürchten, den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben zu haben? Nein, denn nicht alle Medikamente sind gleich schädlich. Wenn also eine Auswahlmöglichkeit besteht, d.h. ein Keim gegen mehrere Antibiotika empfindlich ist, so empfiehlt sich auf ein klassisches Penicillin- oder Tetracyclin-Präparat zurückzugreifen, das ein Pilzwachstum nur in geringem Maße fördert. Breitspektrum-Antibiotika fördern dagegen das Pilzwachstum deutlich stärker.

Schließlich sollte man nach einer längeren Einnahme von Antibiotika überprüfen, ob sich Pilze in größeren Mengen im Stuhl befinden. Dies gilt besonders bei Menschen, die geschwächt sind oder zu Krankheiten wie Allergien und Darmproblemen neigen.

Kortison

Ein weiteres Medikament, das in den letzten 50 Jahren großzügig eingesetzt wurde, ist das Kortison. Es wirkt sehr stark entzündungshemmend und wird deshalb gegen die unterschiedlichsten Entzündungen eingesetzt. Allerdings unterdrückt es gleichzeitig auch unsere normale Immunabwehr. So kann sich unter der Einwirkung von Kortison der Körper nur erschwert gegen Mikroorganismen wehren. Dies gilt für Bakterien, Viren und Pilze gleichermaßen.

Eine einmalige bzw. kurzfristige Anwendung eines Kortisonpräparates fügt uns keine großen Schaden zu, selbst wenn es in hoher oder höchster Dosierung gegeben wird. Infektionsgefährdet sind jedoch Menschen, die gezwungen sind, Kortison über einen längeren Zeitraum hinweg einzunehmen. Beispiele hierfür sind Rheumatiker, Asthmatiker, Allergiker oder Menschen mit einer Krebserkrankung.

Kortison fördert das Pilzwachstum nicht nur, wenn es in Tablettenform eingenommen wird. Eine kortisonhaltige Salbe schädigt ebenso die Abwehrleistung der Haut an der behandelten Stelle. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kommt es auch bei einer längeren Anwendung von Kortison als Spray (z.B. bei Asthma) zu einem erhöhten Infektionsrisiko.

Chemotherapeutika

Nach den bisherigen Ausführungen wird es Sie nicht weiter überraschen, daß Medikamente, die zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden, in hohem Maße Hefepilzinfektionen nach sich ziehen. Hier kommt neben der Schwere der Erkrankung auch noch die nebenwirkungsreiche Therapie hinzu. Auch die Strahlentherapie, die eine Chemotherapie häufig begleitet, stellt eine erhebliche Belastung des Immunsystems dar.

Die Vermehrung der Pilze ist bei der Krebstherapie daher eine häufige, aber keineswegs belanglose Begleiterscheinung. Pilze tragen nämlich von sich aus zu einer zusätzlichen Schwächung der Abwehr bei. 

Es ist deshalb sinnvoll, sehr genau auf die Belastung des Körpers mit Hefepilzen zu achten, wenn solch eine Krebsbehandlung unausweichlich ist. In den meisten Kliniken ist es üblich, einen Soor (Candida-Erkrankung) erst dann zu behandeln, wenn er durch weiße Beläge (z.B. in Mund) nicht mehr zu übersehen ist. Dies ist jedoch bereits ein Spätzeichen dieser Erkrankung. Wenn irgend möglich, sollte deshalb immer bereits im Vorfeld versucht werden, Pilze aus dem Darm oder anderen Schleimhäuten zu entfernen, damit sie sich nicht unter der Therapie ausbreiten. Daher sollte man vor, während und nach der Chemotherapie nach Pilzen fahnden und diese bekämpfen, sobald die angelegte Kultur positiv ist. Damit erspart man dem Patienten eine potentiell gefährliche Erkrankung und eine zusätzliche Einschränkung seines angeschlagenen Immunsystems.

Ernährungsgewohnheiten

Kommen wir am Ende zum wahrscheinlich wichtigsten Grund, warum Pilzinfektionen in den letzten Jahren so häufig geworden sind: Die Veränderung unserer Ernährungsgewohnheiten.

Erinnern Sie sich nochmals an den Anfang: Hefepilze lieben Zucker und leicht verdauliche Kohlenhydrate. Dürfte sich Candida albicans ein Lieblingsmenue zusammenstellen, so würde sie Kuchen, Schokolade und Weißbrot bestellen. Als Getränk würde sie vermutlich Cola, Obstsaft oder Limonade auswählen. Bei dieser Diät kann sie sich hervorragend, ja explosionsartig vermehren!

Nimmt man die durchschnittliche Ernährung, wie sie in den reichen Ländern Nordamerikas oder Europas üblich ist, so entspricht diese fast den Idealbedingungen für einen Pilznährboden: arm an Fasern, hochkalorisch, zuckerreich und leicht verdaulich!

Dazu einige Fakten:

· Lag noch im Mittelalter der jährliche Zuckerkonsum bei etwa 20 Gramm pro Jahr und Person, so nähern wir uns heute der Zentnermarke!

Zucker ist aber die wichtigste Grundlage für die Pilzvermehrung. Durch nichts kann ein Hefepilz so zur Teilung angeregt werden wie durch Süßes. Versuchen Sie einmal, die normale Haushaltshefe ohne Zucker (auch ohne Fruchtzucker) zum Leben zu erwecken. Es ist nicht möglich! Unser enormer Zuckerkonsum ist also die Lebensgrundlage für die Existenz der Pilze.

· Süße Säfte (Obstsäfte, Limonaden, Cola-Getränke) wurden bis vor etwa 50 Jahren nur zu bestimmten Gelegenheiten getrunken. Wasser war über Jahrtausende das Hauptgetränk der Menschheit. Heute lehnen die Mehrheit der Kindergartenkinder Wasser oder Mineralwasser als Getränk rundherum ab. Sie trinken fast ausschließlich Säfte oder Limonaden. 15% der Kinder im Vorschulalter decken die Hälfte ihres Energiebedarfes aus süßen Getränken! Innerhalb eines 40-jährigen Zeitraums ist allein bei Limonaden der Jahreskonsum von 13 auf 118 Liter emporgeschnellt. Ähnliche Zahlen gelten auch für die als "gesund" bezeichneten Obstsäfte. Doch von nichts ernähren sich Hefepilze lieber als von Obstsaft, da er flüssig ist und den von ihnen geliebten Fruchtzucker in hoher Konzentration enthält. - Beobachten Sie einmal, wie Weinhefe den Traubensaft zum Schäumen bringt. So ähnlich sieht es in manchem Bauch nach dem Genuß eines Glases Apfel- oder Traubensaftes aus!

· Weißmehlprodukte haben zunehmend Produkte aus Vollkornmehl ersetzt. Das faserarme Weißmehl wird wesentlich leichter von Hefen verdaut. Beim Backen können Sie diesen Zusammenhang sehr leicht studieren. Vergleichen Sie den Unterschied zwischen einem Hefeteig aus Weißmehl und einem aus Vollkornmehl. Während der Weißmehlteig schon heftig Blasen schlägt, tut sich beim Vollkornteig noch gar nichts. Genauso sind auch die Effekte im Magen-Darm-Trakt. Weißmehlprodukte liefern eine hervorragende Grundlage für eine stürmische Pilzvermehrung.

· Es gibt jedoch auch Nahrungsmittel, die einer Pilzvermehrung im Wege stehen. Dies sind vor allem die faserreichen Nahrungsmittel wie Gemüse, Salate und Vollkornprodukte. Ähnlich wie Besen "putzen" sie den Verdauungstrakt und bewirken damit, daß sich Pilze nicht auf den Schleimhäuten festsetzen können. In gewisser Weise erinnert ihre Wirkungsweise an den alten Spruch, "Dreck reinigt den Magen". Durch ihre geringe Größe gelangen die Fasern in alle Aussparungen und Vertiefungen der Schleimhaut und "wischen" dort die Pilze heraus. Leider hat sich aber gerade dieser Faseranteil in unserer Nahrung drastisch reduziert.

Auch dazu eine Zahl: Afrikanische Landbewohner, die sich traditionell ernähren, nehmen über 100 Gramm reine Fasermenge pro Tag zu sich. Wenn Sie einmal ein Paket Kleie in die Hand nehmen, das 200-250 Gramm enthält, werden Sie beeindruckt sein. Dies ist eine gehörige Menge. Ein halbe Packung dieser Fasern haben unsere Vorfahren hierzulande gleichfalls täglich zu sich genommen. Heute dagegen nimmt ein durchschnittlicher Wohlstandsbürger gerade noch 10-20 Gramm Fasern zu sich, eine verschwindend geringe Quantität.

Krankheitsbilder

Haarpilze

Haarpilze

Im Bereich von Kopfhaut und Bartregion gibt es für Pilze unzählige Möglichkeiten, entlang der Haarschafte in die Haut einzudringen. Viele Mikroorganismen nutzen die Gelegenheit, um sich dort anzusiedeln.  Die häufigsten Erkrankungen sollen genannt werden. 

Mikrosporie

Die Mikrosporie ist eine hochansteckende Krankheit, die fast ausschließlich Kinder vor der Pubertät befällt. Die Haare brechen 2-3 mm oberhalb der Kopfhaut ab und hinterlassen den Eindruck einer "abgemähten Wiese", die gleichzeitig wie mit Mehl bestäubt aussieht. Die Erkrankung ist leider hochansteckend und kann zu einem Problem in Kindergärten, Heimen oder Schulen werden. 

Wie kommt es eigentlich zur Ansteckung? Der Infektionsweg ist unterschiedlich. Doch häufig werden Mikrosporen vom Tier auf den Menschen übertragen. Haustiere (Hund, Katze), Kuscheltiere (Hamster, Meerschweinchen) und auch Großtiere (Kälber) kommen als Infektionsquelle in Frage.

Mikrosporum canis

Es gibt für diese hartnäckige Erkrankung einen eleganten Nachweis. Wenn man den Kopf mit einer fluoreszierenden Lampe beleuchtet, dann leuchten bei den meisten Mikrosporen-Arten die befallenen Stellen grün auf. 

Ohne Therapie heilt die Erkrankung in der Pubertät alleine aus. Solange braucht man aber nicht warten. Man kann die Haare abrasieren und äußerlich mit einem der erwähnten Mittel behandeln oder auch Tabletten (Griseofulvin) geben. Die letzte Therapie wirkt zuverlässig. Die Behandlung sollte allerdings gut abgewogen und nur von einem Spezialisten (z.B. Hautarzt) durchgeführt werden.

Trichophytie

Wesentlich tiefer als die bisher beschriebenen Infektionen geht die Trichophytie. Hier kann die Haut bis in die Tiefe befallen werden und es zeigen sich eitrige Geschwüre. Wenn diese offenen Stellen dann noch bakteriell besiedelt werden, kommt es zu sehr eindrucksvollen, schweren Krankheitsbildern. 

Die Trichophytie ist nicht auf die Kopfhaut beschränkt. Genauso kann auch der Bart bei Mann betroffen sein.

Wie bei der Mikrosporie geht die Infektion meist von Tieren aus, so daß Landwirte häufig betroffen sind. Die Therapie erfolgt wie bei der Mikrosporie.

Hautpilze

Wenden wir uns der "normalen" Haut zu. Sie reagiert anders auf die Angriffe von Pilzen als Füße oder Nägel und soll deshalb getrennt beschrieben werden. 

Bei den großen Hautpartien benützen die Pilze nämlich eine andere Angriffsstrategie. Da die glatte Hautoberfläche für das Eindringen ungeeignet ist und die feuchten Zwischenräume fehlen, versuchen die Pilze entlang der kleinen Härchen (Lanugo-Haare) in die Tiefe der Haut einzudringen. Sie wählen dabei einen Weg entlang des Haarschaftes, der sie in die nährstoffreichen Bezirke des Haarbalges führt. 

Wenn ein Pilz den Haarbalg erreicht hat, löst er dort eine Abwehrreaktion aus, die als kleiner roter Fleck, eine Entzündung, sichtbar wird.

Der Pilz breitet sich nun kreisförmig in der obersten Hornhautschicht aus, dringt aber mit seinen Ausläufern (Hyphen) bis in die unteren Hautschichten vor. Hierbei drängt sich häufig ein Vergleich mit den "Hexenringen" auf, die Sie bei den Waldpilzen kennengelernt haben. Der Pilz scheint die Haut "abzuweiden", die sich in den Randbezirken entzündet, während sie in der Mitte wieder abheilt. Der Pilz selbst sitzt also im Rand, während das Zentrum bereits wieder hergestellt ist. Mehrere solcher Ringe können verschmelzen und erzeugen dann ein unregelmäßiges Muster, das gerne als "landkartenartig" beschrieben wird. Das ringförmige Muster ist so typisch, daß es in den angelsächsischen Ländern den Namen für Pilzerkrankungen prägte: ringworm (wörtlich: "Ringwurm"= Pilzerkrankung).

 

So unangenehm ein Hautpilz ist, er kann Ihnen nicht gefährlich werden! Er ist vor allem nie in der Lage, in das Innere des Körpers vorzudringen und dort Schäden an den Organen hervorzurufen. Allerdings sei noch eine "Nebenwirkung" der Hautpilze erwähnt. Manche von Ihnen können Antibiotika produzieren. Obwohl die Menge davon nur unwesentlich ist, reicht es doch aus, um empfindliche Menschen dagegen zu sensibilisieren. In diesen Fällen sind die Betroffenen verblüfft, daß sie auf ein bestimmtes Antibiotikum allergisch reagieren, obwohl sie es noch nie eingenommen haben .

Vorkommen

Besonders hartnäckig kann die Leistenregion oder der Achselbereich betroffen sein. Von Natur aus feucht und warm, liegen dort bevorzugte Angriffsziele. Auch Menschen, die viel schwitzen und/oder eng anliegende, schlecht durchlüftete Kleidung aus Kunststoff tragen, sind häufiger von Hautpilzen befallen.

Unter "günstigen" Bedingungen kann sich der Hautpilz enorm ausdehnen. Die roten Ränder reichen dann handtellergroß oder größer bis auf Oberschenkel und Bauch. Begleitet wird die Erkrankung meist von dem pilztypischen Juckreiz. Falls Sie diesem nachgeben, wird die Angelegenheit meist schlimmer. 

Durch das Kratzen wird die Haut aufgerauht, und der Pilz breitet sich auf der gereizten Haut um so leichter aus. Ähnlich schadet auch zu intensives Waschen vor allem, wenn Sie dabei Seife benützen, die den Säuremantel der Haut schwächt.

Pityriasis versicolor

Ein Pilz mit ungewöhnlichen Eigenschaften ist Malazessia furfur. Ist die Haut von diesem Pilz mit dem eindrucksvollen Namen befallen, wechselt die infizierte Stelle ihre Farbe. Anfänglich entstehen kleine, etwa Pfennige iggroße gelbliche Flecken. Gehen Sie dann in die Sonne, werden Sie feststellen, daß sich diese Flecken im Gegensatz zur gesunden Haut nicht normal bräunen. Sie heben sich als weiße Stellen von der übrigen Haut ab. 

Die Bezeichnung "versicolor" ("farbwechselnd") trägt dem Rechnung.

Der Grund liegt in einer Störung der normalen Melaninbildung in der Haut. Melanin ist der Farbstoff, der für die Braunfärbung verantwortlich ist. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen: Auch eine übermäßige Verfärbung der verpilzten Hautareale ist möglich. 

Warten Sie mit einer Behandlung nicht allzu lange, der Pilz kann recht hartnäckig sein und bis zu seinem freiwilligen Verschwinden viele unschöne Flecken hinterlassen.

Seborrhoisches Ekzem

Was sich hinter dem komplizierten Namen "seborrhoisches Ekzem" verbirgt, kennen Sie recht gut: Es sind zum Beispiel die gewöhnlichen Haarschuppen. Wenn auch Sie zum "Rieseln" neigen, dann ist das meist die Folge eines Pilzes, der auf den Namen "Pityrosporum ovale" hört. 

Dieser Pilz ist aber nicht die einzige Ursache. Eine vermehrte Talgproduktion der Haut kommt meistens hinzu. Neben der Kopfhaut kann auch die Körperhaut betroffen sein. Hier sind es vor allem die Bereiche, in denen die Haut vermehrt Talg herstellt. Gemeint sind die sog. Schweißrinnen, über

Therapie

Bei guter Immunitätslage kann ein Hautpilz (im Gegensatz zum Fuß- oder Nagelpilz) von alleine abheilen. Wenn nicht, sprechen fast alle Pilze prompt auf die oben erwähnten äußerlichen Mittel (z.B. Mykotin® mono, Canesten®, Daktar®, Epi-Pevaryl®, Mycospor®, Terzolin®, Exoderil®, Lamisil® u.a.) an. Auch Farbstoffe sind wirkungsvoll, allerdings aus ästhetischen Gründen nur in der "farblosen" Variante einsetzbar. Meist ist bereits am zweiten Tag der Behandlung eine Besserung erkennbar. Doch lassen Sie sich nicht täuschen! Es gilt die alte Regel: Die Therapie soll drei Wochen länger anhalten als die Beschwerden!

Bei der Pityriasis versicolor können auch Waschlösungen mit Selendisulfid (z.B. Selsun®) angewendet werden. Das seborrhoische Ekzem reagiert gut auf Salben, die den Wirkstoff Ketoconazol (z.B. Nizoral®) enthalten. Diese Substanz gibt es auch als Lösung zum Haarewaschen (Terzolin®).

Wichtig sind wieder die oben beschriebenen Allgemeinmaßnahmen. Meiden Sie eng anliegende Kleidungsstücke aus Kunstfasern, desinfizieren Sie die Kleidung (Waschen bei mind. 60° C), und halten Sie die Haut trocken.

Alle Handelsnamen sind Beispiele. Bitte sprechen sie mit Ihrem Haus- oder Hautarzt.

Besiedelung heißt nicht Beschwerden

Ob Pilze Beschwerden verursachen oder nicht, hängt sehr stark von Intensität und Art der Pilzbesiedelung des Dünndarmes ab. Betrachten wir daher als nächstes die unterschiedlich Erkrankungsstadien.

Untersucht man zufällig ausgewählte Menschen, die keinerlei Beschwerden haben, so findet man bei den meisten vereinzelte Pilzkolonien im Darm. 50-75% der Bevölkerung der industrialisierten Welt haben Candida-Arten im Darm. In geringen Mengen und nicht mit der Schleimhaut verbunden, verursachen diese aber kaum Beschwerden. Sie vermehren sich auch nicht, da die körpereigene Abwehr sowie die Darmbakterien sie in Schach halten.

Wie bereits erwähnt, gibt es eine lange Diskussion darüber, ob diese Pilzbesiedelung normal ist oder nicht. Streng genommen ist es wohl nicht "normal". Allerdings kann man der Nachweis von Pilzen auch nicht als "Krankheit" bezeichnen, da von den vereinzelten Pilzen kein Schaden verursacht wird.

Etwas anders sieht es lediglich für Allergiker aus: Falls jemand auf Candida überempfindlich ist, dann können ihm bereits geringe Mengen Probleme bereiten

Fußpilze

Vermutlich ist er die häufigste Infektionskrankheit neben den Erkältungskrankheiten. Je nach Untersuchung ergab sich für die durchschnittliche Bevölkerung eine Häufigkeit bis zu 65%. Sein Auftreten hängt im wesentlichen von den oben erwähnten Risikofaktoren Feuchtigkeit und Wärme ab, wie er in Umkleideräumen oder Schwimmbädern gefunden wird.

Athletenfuss

Nicht ohne Grund wird die Erkrankung daher im englischen Sprachraum als "Sportlerfuß" ("athlet´s foot") bezeichnet. Bei der indischen Landbevölkerung, die ohne unser Schuhwerk auskommt, ist die Erkrankung eine Rarität (bei einem Prozent).

Die Übertragung erfolgt meist nicht durch direkten Hautkontakt, sondern mittels kleiner Hautschuppen. Pilze wachsen also nicht auf feuchten Holzrosten, Badevorlegern oder Teppichboden selbst, sondern sie vermehren sich auf den dort liegenden Hautschüppchen. Praktisch läuft es jedoch auf das gleiche hinaus. Ein Infektionsrisiko besteht in allen Räumen, in denen sich viele Menschen barfuß aufhalten, auch in der eigene Familie.

Vor allem zwischen ungenügend abgetrockneten Zehen herrschen ideale Bedingungen für eine erste Ansiedlung des Pilzes. Dabei liebt der Fußpilz ganz besonders den Zwischenraum zwischen dem vierten und fünften Zeh. Diese Vorliebe erklärt sich aus der etwas schlechteren Blutversorgung an dieser Stelle, wodurch die Abwehr von Natur aus reduziert ist.

Wenn Sie von einem Fußpilz angegriffen werden, spüren Sie als erstes Symptom einen hartnäckigen Juckreiz. Dieses Jucken ist eines der typischsten Symptome von Pilzerkrankungen der Haut und Schleimhäute und wird uns auch beim Befall anderer Körperregionen begegnen. Als nächste Erscheinung beginnt die Haut zu quellen und zu schuppen, wobei sich die obersten Hautschichten ablösen. Darunter tritt rotes, gereiztes Gewebe zutage. Schließlich können tiefe Risse in der Haut sehr lästige Schmerzen bereiten.

Diese Risse (medizinisch: Rhagaden) treten nicht nur zwischen den Zehen auf. Die gesamte Haut des Fußes kann davon betroffen sein.

Hat sich ein Fußpilz erst einmal angesiedelt, kann er dort jahrelang leben und wechselnd starke Beschwerden hervorrufen. Oft herrscht ein Gleichgewicht aus Abwehr der Haut und Angriff des Pilzes. Bei ungünstigen Bedingungen (Feuchtigkeit, Wärme, enges Schuhwerk, Abwehrschwäche) blüht er auf und kann sich auch auf andere Teile des Fußes ausdehnen. Im Sommer dagegen, wenn der Betreffende viel offenes Schuhwerk trägt, kann sich die Haut wieder erfolgreicher gegen den Pilz durchsetzen und gesunden.

Diagnose

Die Diagnose eines Fußpilzes bereitet meist keine Schwierigkeit. Wenn Sie oder Ihr Arzt sich unsicher sind, kann eine Pilzkultur angelegt werden. Hierzu wird eine kleine Hautschuppe entnommen, die anschließend auf einem geeigneten Nährboden bebrütet wird. Nach einigen Tagen kann dann eine klare Diagnose gestellt werden.

Therapie

Ein Fußpilz gilt zu Recht als hartnäckig, was jedoch fast immer an der unzureichenden Therapie liegt. Es reicht nicht aus, eine Anti-Pilz-Creme für wenige Tage (bis der Juckreiz nachläßt) anzuwenden. Eine erfolgreiche Therapie bedeutet immer, alle Faktoren auszuschalten, die das Pilzwachstum begünstigen.

Das können Sie selbst tun - Allgemeinmaßnahmen

Halten Sie vor allem die Füße trocken! Besonders wichtig ist dies nach dem Baden, Duschen oder Schwimmbadbesuch. Dann sollten Sie die Füße gut abtrocknen. Noch besser ist es, die Räume zwischen den Zehen zu fönen. Dies ist mindestens so sinnvoll, wie das Fönen der Haare!

Strümpfe sollten wirksam desinfiziert werden, damit nicht eine erneute Infektion von ihnen ausgeht. Sie erreichen das durch ausreichend heißes Waschen (mindestens 60° besser 90°) oder mit einem Desinfektionsmittel. Es gibt zahlreiche Mittel, mit denen Sie Schuhe und Strümpfe einsprühen können (z.B. Fugisept, Arusept, Incidin-M-Spray Extra, Kodan Tinktur farblos, Sagrotan).

Nicht alle Strümpfe lassen sich so heiß waschen. Für empfindlichen Materialien gibt es ein Mittel, das Sie einfach beim Waschen (Handwäsche oder Waschmaschine) hinzufügen können.

Schuhe sollten nach jedem Tragen ausreichend lüften und austrocknen, da die Pilze sonst am nächsten Tag in Ihren Schuhen schon auf Sie warten! Auch öfteres Wechseln der Schuhe ist sinnvoll.

Die Zehenzwischenräume können Sie durch das Einlegen von kleinen Mullstreifen austrocknen. Voraussetzung ist allerdings, daß Sie diese zwei- bis dreimal pro Tag wechseln. Werden sie nämlich feucht, erreichen Sie den gegenteiligen Effekt.

Menschen mit Fußpilz neigen häufig zu schlechter Durchblutung der Beine, was sich oft nur in kalten Füßen äußert. Bei Temperatur von 28°C ist die Erneuerung der Haut deutlich geringer, während ein Pilz sich noch pudelwohl fühlt und sich hervorragend vermehrt. Sind bei Ihnen Durchblutungsstörungen der Beine vorhanden, so sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Die häufigste Ursachen für Durchblutungsstörungen sind Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel oder eine Stoffwechselstörung wie die Zuckerkrankheit oder erhöhter Cholesterinspiegel. Dagegen läßt sich etwas tun:

Sport, Bewegung, Wandern und Sauna sind daher unter dem Aspekt der besseren Durchblutung eine hervorragende Medizin. Die Gefahr der Ansteckung steht dahinter zurück.

Zum Schluß ein einfacher Rat: Gehen Sie möglichst oft barfuß! So kommt Luft an die Zehen und überflüssige Feuchtigkeit entweicht.

Medikamente

Die Allgemeinmaßnahmen sind ein ganz wesentlicher Teil der Behandlung. Allerdings ist meist eine zusätzliche Anwendung von pilztötenden (mykostatischen) Medikamenten notwendig, um einen Pilz erfolgreich zu vertreiben. Die meisten Medikamente werden auf die befallenen Hautpartien eingerieben.

Bei den Präparaten, die in der Lage sind, Pilze wirkungsvoll zu bekämpfen, unterscheidet man zwischen unspezifischen, allgemeinen medikamentösen Maßnahmen und spezifischer Therapie.

Die unspezifischen Maßnahmen sind meist relativ harmlose, bereits seit vielen Jahrzehnten bewährte (Haus-)Mittel, die meist einen guten und nebenwirkungsarmen Therapieerfolg bescheren. Es ist überaus sinnvoll, eine Behandlung zunächst damit zu beginnen. Häufig erübrigen sich damit weitere Maßnahmen.

Unspezifische Therapie

Aus noch nicht bekannten Gründen eignen sich zahlreiche Farbstoffe oder Farbstoffgemische zur Abtötung von Bakterien und Pilzen. Eine davon - das Jod - ist Ihnen seit Kindheit bekannt. So können Sie beispielsweise mit wenigen Kaliumpermanganat-Kristallen aus der Apotheke eine rosa bis weinrote Lösung herstellen, mit der das befallenen Hautgebiet mehrfach täglich bepinselt wird. 

Diese recht wirksame Therapie ist allerdings nicht jedermanns Sache, da die Füße aussehen, als kämen Sie direkt vom Maskenball: kräftig rot oder grün - und das über Wochen. Wenn Sie sich daran jedoch nicht stören, dann sind Sie mit dieser Therapie hervorragend beraten.

(Sprechen Sie vor jeder Therpie mit Ihrem Hautarzt)

Spezifische Therapie

Gegen alle Formen des Fußpilzes gibt es zahlreiche gut wirksame Cremes, Salben, Lösungen, Sprays usw. Man unterscheidet zwischen Präparaten, die gegen einzelne Pilzarten (Hefen, Dermatophyten usw.), und solche, die gegen alle Pilzarten gleichermaßen wirksam sind. 

Sofern kein kultureller Pilznachweis durchgeführt wurde, werden meist die letzteren (Breitspektrumantimykotika) eingesetzt. Hier nur einige Beispiele für Salben und Cremes. 

Wichtig ist, alle Mittel regelmäßig (zwei- bis dreimal täglich) und über ausreichend lange Zeit einzunehmen. Zu Rückfällen kann es kommen, wenn nach Abklingen des Juckreizes eine weitere Therapie für den Betreffenden nicht mehr notwendig erscheint und deshalb abgesetzt wird. 

Denken Sie daran, daß Pilze sehr hartnäckig sind. Ihre Erfolgsstrategie besteht darin, in Hautschuppen eingebettet über Monate bis Jahre überleben zu können. Sie sollten daher eine Behandlung bis etwa drei Wochen nach Ende der Beschwerden weiterführen, damit die Pilze auch wirklich aus der Tiefe des Gewebes entfernt werden.

Pilze im Mund

Wie bereits erwähnt, haben 20% - 50% aller Menschen krank machende Hefen auf den Schleimhäuten. Viele von ihnen spüren davon nichts. Greifen die Pilze, meist Candida albicans, die Schleimhäute an, so entsteht das Krankheitsbild des "Soor". Es handelt sich um weißliche, zäh-haftende Beläge, die mit Juckreiz und Schmerzen verbunden sind. Wenn sie sich ablösen, so werden darunter hochrote, entzündete Stellen sichtbar, die das Essen zur Qual werden lassen.

Neben den üblichen Risikofaktoren gibt es im Mund noch einige Besonderheiten. Pilze siedeln sich dort gerne an, wenn die Mundhygiene nachläßt oder schwierig wird. In kariösen Zähnen sind Pilze gut geschützt und können sich ungestört vermehren . Ebenso können Zahnprothesen leicht von Pilzen besiedelt werden: Im Raum zwischen Prothese und Gaumen bilden sich die von den Pilzen so sehr geschätzten feuchten Kammern.

Zahnprothese

Die Pilzbesiedelung der Zahnprothesen ist keineswegs selten! Bis zu 50% der Prothesenträger sollen davon betroffen sein . Dabei sollen die Pilze sogar in der Lage sein, das Kunststoffmaterial selbst zu verdauen! 

Beschwerden bleiben auch hier nicht aus: Juckreiz, Schmerzen und Druckgefühle, die aber meist auf einen schlecht sitzenden Zahnersatz oder auf Allergien zurückgeführt werden. Statt die Prothese auszuwechseln, sollte eher ein einfacher Pilznachweis geführt werden.

Neben den typisch weißlichen Belägen kann sich ein Candida-Befall auch ganz anders zeigen. Wenn Sie selbst einmal längere Zeit Antibiotika einnehmen mußten, haben Sie vielleicht beobachtet, wie sich Ihre Zunge verändert hat: Sie wurde glatt, rot und schmerzhaft. Dieses Phänomen ist offenbar nichts anderes als eine Pilzbesiedelung der Zunge. Auf eine entsprechende Therapie hin tritt eine Besserung ein.

Therapie

Ein auf die Mundhöhle begrenzter Befall sollte mit der Lösung eines antimykotischen Medikamentes behandelt werden. Hierzu stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, die alle gut wirksam sind. Neben dem bereits erwähnte Nystatin, das als Mittel der ersten Wahl gilt, gibt es noch Clotrimazol und Amphotericin B. Mit diesen Medikamenten wird der Mund nach jeder Mahlzeit kräftig gespült. 

Eine befallene Zahnprothese sollte täglich gut mechanisch (mit Wasser und Zahnbürste) gereinigt werden. Daneben sind die üblichen Desinfektionsmittel für Zahnprothesen wirksam. In hartnäckigen Fällen empfiehlt sich eine antimykotische Haftcreme.

Denken Sie bitte daran, daß sich Pilze auch auf Ihrer Zahnbürste pudelwohl fühlen. Während einer Anti-Pilz-Behandlung sollten Sie diese unbedingt ein- bis zweimal austauschen, sonst bürsten Sie sich stets die Pilze aufs neue auf das Zahnfleisch. Das gleiche gilt für Zahnseide. Auch sie kann von Pilzen besiedelt sein und muß regelmäßig gewechselt werden.

Natürlich sollten Sie auch auf die Nahrung achten. 

Viele Menschen haben Hefen im Mundbereich ohne Krankheitszeichen. Nach enstprechenden Belastungen (Antibiotikaeinnahme, Infektionskrankheiten) kann dies zu einer Soorerkrankung führen. Besonders häufig sind Pilzerkrankungen bei Prothesenträgern. 

Das können Sie selbst tun: Konsequente Reinigung der Prothesen mit Zahnbürste und üblichen Prothesen-Reinigungsmittel

Das können Sie mit ärztliche Hilfe tun: Mundspülungen mit Antimykotikum

Pilze in den Nasennebenhöhlen

Überraschende Entdeckung

Forscher der Mayo-Klinik berichten vor einigen Jahren in der Myo-Clinic-Proceedings über eine brisante Entdeckung. Bei 96% von 210 untersuchten Personen mit chronischen Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen fanden sie einen Befall mit Pilzen (oft Mischinfektion). Weiterhin war eine (allergisch-eosinophile ) Reaktion des Körpers auf die Pilzinfektion zu beobachten. Das Phänomen soll jetzt im Detail untersucht werden.

Pilze in der Speiseröhre

Pilze können aus dem Mundbereich in die Speiseröhre gelangen und dort siedeln. Im Gegensatz zur Mundhöhle gibt es dort weniger Flora. Dementsprechend fehlen hier die konkurrierenden Baktieren, die im Mund das Pilzwachstum hemmen.

Allerdings kann sich die Speiseröhr gegen unerwünschtes Hefewachstum wehren. Außerdem kommt diesem Teil unseres Verdauungstraktes zugute, daß er nur kurzfristig mit Nahrung in Berührung kommt. Es fehlt also eine Bedingung für ein ungestörtes Pilzwachstum: die ausreichende Nahrung. Dementsprechend sind Pilzbesiedelungen der Speiseröhre relativ selten.

Eine geschädigte Speiseröhre kann einem Pilzangriff wenig Widerstand entgegensetzen. Solche Schädigungen können unterschiedlicher Art sein. Eine relativ harmlose Beeinträchtigung ist der Rückfluß von Magensäure in die Speiseröhre, wenn der Mageneingang nicht ganz "dicht" ist. Andere Erkrankungen sind Krampfadern in der Speiseröhre, die bei schweren Lebererkrankungen vorkommen. Schließlich führen auch Beeinträchtigungen unseres Immunsystems (z.B. Blutkrebs und AIDS) zu einem vermehrten Befall dieses Organs.

Überwiegende Symptome einer Pilzerkrankung der Speiseröhre sind Schluckbeschwerden, Schmerzen hinter dem Brustbein oder Übelkeit. In schweren Fällen kann es auch zum Bluterbrechen kommen.

Die Diagnose kann zuverlässig durch eine Spiegelung der Speiseröhre erfolgen. Dort erkennt man weißliche Pilzbeläge, die relativ fest auf der Schleimhaut haften

Therapie

Eine Therapie ist unkompliziert: Durch regelmäßige Einnahme von Medikamenten, z.B. einer Nystatin-Suspension (fünfmal täglich) gelingt es, die Speiseröhre von den unbeliebten Mitbewohnern zu befreien. Hierzu ein Tip: Wenn Sie die Suspension im Liegen einnehmen, ist der Kontakt zur Speiseröhre länger und intensiver.

In komplizierten Fällen kann es notwendig werden, ein Medikament als Tabletten einzunehmen, das über den Blutweg die Pilze bekämpft.

Candidainfektionen der Speiseröhre sind relativ selten und treffen vor allem Menschen mit Immunschwächen oder Schädigungen der Speiserröhre. Sie verursachen Schluckbeschwerden.

Das können Sie mit ärztliche Hilfe tun: Durch die Einnahme eines flüssigen Antimykotikums (z.B. Nystatin- oder Amphotericin-Suspension) können Sie eine Pilzinfektion gut bekämpfen.

Pilze im Magen

Der Magen ist wie die Speiseröhre von Natur aus recht gut gegen einen Angriff von Mikroorganismen gewappnet. An erster Stelle ist hier die Magensäure zu nennen, die den Pilzen zusetzt. Ein gesunder Magen ist in der Lage, die meisten Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) durch seine Säure auszuschalten. Sie werden darin aufgelöst und verdaut. Dies ist einer der großen Schutzbarrieren, die uns vor Infektionen aus unserer Umwelt schützen. Aus dem Mund glangen nämlich immer wieder Pilze unterschiedlichster Art in den Magen hinein, die sich dort jedoch weder ansiedeln noch vermehren können.

Dies ändert sich allerdings, wenn der Magen eine Schädigung aufweist. An erster Stelle ist hier das Magengeschwür zu nennen. Auf dem Boden und am Rande eines Geschwürs finden Pilze die kleinen geschützten Nischen, in denen sie ausgezeichnet gedeihen. Sie ernähren sich von den absterbenden Zellen und sind hier vor der Einwirkung der Salzsäure abgeschirmt. Bei Reihenuntersuchungen war auf einer Vielzahl von Geschwüren ein Pilzbefall festzustellen.

Ob Pilze diese Geschwüre selbst hervorrufen können, ist derzeit nicht bekannt. Wahrscheinlich suchen sie vorgeschädigte Stellen der Magenschleimhaut, setzen sich dort fest und vermehren sich und verschlimmern somit eine bestehende Schädigung. 

Magengeschwüre entstehen häufig. In belastenden Lebenssituationen kann leicht ein kleines Magengeschwür entstehen. Falls Sie in einer solchen Lebenslage dann zu den üblichen Magenmitteln greifen, versuchen Sie damit, die aggressive Salzsäure des Magens zu binden bzw. deren Bildung zu unterdrücken. Dies ist einerseits sinnvoll, um Magengeschwüre schneller abheilen zu lassen. 

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Durch die Reduktion der Säure können sich die Pilze am Rande und auf dem Boden des Geschwüres nun wesentlich besser vermehren. So kann gelegentlich ein Teufelskreis entstehen: Aufgrund der Beschwerden nehmen Sie Magentabletten, die ihrerseits jedoch das Pilzwachstum im Geschwür fördern! Kommt es zur Verschlimmerung der Beschwerden, werden Sie "logischerweise" erst einmal mehr Tabletten einnehmen.

In solchen Fällen vermuten viele Ärzte, die Beschwerden würden durch Bakterien (z.B. Helicobakter pylori) verursacht. Als Therapie werden dann Antibiotika und ein Säureblocker eingesetzt. In den meisten Fällen ist das auch richtig. 

Waren jedoch Pilze die Krankheitsursache, so werden die Beschwerden allerdings noch verstärkt. Antibiotika schaden bekanntlich Pilzen nicht, im Gegenteil, sie optimieren ihre Lebensbedingungen. So entsteht dann ein äußerst hartnäckiges Krankheitsbild, das vor allem eine Folge der fehlgerichteten Therapie war.

Ein Magengeschwür kann auch der Ort sein, von dem aus Pilze in die Tiefe des Gewebes vordringen. Beispielsweise können so die kleinen und kleinsten Gefäße der Magenschleimhaut befallen werden, die sich dann entzünden und so eine örtliche Durchblutungsstörung hervorrufen . Auf diese Weise werden die Selbstheilungskräfte des Magens noch weiter geschwächt.

Selten - aber möglich

Es ist also wichtig, an die Möglichkeit von Pilzbesiedelungen des Magens zu denken! Denn selten ist dieses Krankheitsbild nicht: Bei der Operation von Magengeschwüren fand man jedes dritte von Pilzen befallen . Andere Studien gehen von noch höheren Zahlen aus. 

Wenn also hartnäckige Magenbeschwerden bestehen oder Magengeschwüre nicht abheilen wollen, könnte es an einer Pilzbesiedelung liegen. Ganz besonders gilt dies, wenn weitere Faktoren vorliegen, die ein Pilzwachstum begünstigen (Immunschwäche, Diabetes usw.). In solchen Fällen sollte man die Magenmittel absetzen und statt dessen ein Anti-Pilz-Mittel (z.B. Nystatin) einnehmen.

Der Magen ist normalerweise durch die Magensäure wie mit einer Barriere gegen Pilze geschützt. Manche Hefen, besonders Candida albicans, können jedoch auch im sauren Milieu des Magens überleben. Besonders am Rand und in Magengeschwüren finden Sie geschützte Nischen. Durch die Einnahme von sog. Säureblockern und Antibiotika verbessern sich die Überlebenschancen von Pilzen im Magen.

Das können Sie selbst tun: Denken Sie daran, daß auch ein Pilz die Ursache von hartnäckigen Magenschmerzen oder -geschwüren sein kann, besonders, wenn Sie bereits erfolglos Antibiotika eingenommen haben.

Das können Sie mit ärztliche Hilfe tun: Besprechen Sie mit ihm, ob die Einnahme eines Antimykotikum (z.B. Nystatin)sinnvoll sein könnte. 

 

 

Pilze im Darm

Bevor wir uns mit den Pilzerkrankungen des Dünndarms beschäftigen, soll auf dessen Funktion eingegangen werden,. 

Der Dünndarm hat im wesentlichen zwei Aufgaben: 

  • Erstens muß er die Nahrung, die ihm vom Magen in millimetergroßen Teilen angeliefert wird, vollständig, d.h. in bis zu molekülgroße Partikel zerkleinern. Dazu verfügt er über eine kräftige Ringmuskulatur und knetet damit die Nahrung so lange durch, bis sie gänzlich zerlegt ist. Er folgt dabei dem Motto: "Drei vor und zwei zurück!" Die Nahrung pendelt also im Darm hin und her.
  •  Zweitens muß der Dünndarm diese Nahrung vollständig ins Blut aufnehmen. Damit dies funktioniert, hat er eine sehr große Oberfläche, in der Blut und Nahrung eng in Kontakt gebracht werden. Hier hat der Dünndarm eine rekordverdächtige Dimension: Weit über hundert Quadratmeter dürfte seine Gesamtfläche betragen! Diese riesige Oberfläche ist nur durch ein System von Falten, Zotten und einem feinen Bürstensaum möglich, das so ähnlich konstruiert ist, wie Sie es vielleicht aus der Welt der Technik von Kühlern kennen.

Risikofaktoren

In der Abbildung ist ein Teil einer Darmfalte vergrößert dargestellt. Sie können darauf zahlreiche Ausstülpungen, sog. Darmzotten, erkennen. Jede einzelne Schleimhautzelle hat hunderte von kleinen Ausstülpungen auf der Oberfläche. Diese sogenannten Mikrovilli bilden den feinen Bürstensaum. Hier erfolgt die eigentliche Aufnahme der Nährstoffe, die dann von den in der Tiefe der Zotten liegenden Blut- und Lymphgefäße weitertransportiert werden.

Die einzigartige Konstruktion des Dünndarmes macht ihn leider auch in erhöhtem Maße für die Pilzbesiedelung anfällig. Das System der Zotten und dazwischenliegenden Vertiefungen ("Krypten") ist ein Ort, an dem sich Pilze hervorragend ansiedeln können. Sie finden hier zahllose Taschen und Nischen, die sie für ihr ungestörtes Wachstum benötigen. - Vorraussetzung hierfür ist allerdings, daß die aufgelagerte Barriere der normalen Darmbewohner gestört ist.

Wie Sie nun schon mehrfach gelesen haben, werden zahllose Candida-Arten jeden Tag von uns aufgenommen. Diese besiedeln die Darmschleimhaut, wenn die Bedingungen dafür günstig sind. Die wesentlichen Risikofaktoren haben Sie bereits kennengelernt. Sie sollen nun noch einmal zusammengefaßt werden:

Risikofaktoren für Darmpilze

  • Hoher Zuckerkonsum
  • Geringer Verzehr von Fasern. Alle Ballaststoffe wirken wie eine "Bürste", die den Raum zwischen den Darmzotten reinigt. So können sich die Pilze nicht festhalten.
  • Verschiebung des ökologischen Milieus im Darm, z.B. durch Antibiotika. Im Darm befinden sich mehrere Billionen Bakterien, die zu etwa 400 Arten gehören. Jeder Mensch hat dabei seine "persönlichen" Bakterienstämme. Sie erzeugen ein Klima, das einem Pilzwachstum entgegenwirkt. Pilze müssen sich also erst einmal gegen die "einheimischen" Bakterien durchsetzen, bevor sie eine echte Vermehrungschance haben. Antibiotika schädigen diese normalen Darmbewohner und schaffen damit den Raum, den Pilze dann ausfüllen können.
  • Schädigung der Darmschleimhaut (Entzündung, Verletzung, Operationen, Bestrahlung, Durchblutungsstörung)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Mangelernährung
  • Immunschwäche (Krebs, Blutbildveränderung)
  • Kindheit, Greisenalter
  • Medikamente (Kortison, Chemotherapie, Magenmittel, Hormone)
  • Reduzierter Allgemeinzustand

Besiedelung muss keine Beschwerden machen

Ob Pilze Beschwerden verursachen oder nicht, hängt sehr stark von Intensität und Art der Pilzbesiedelung des Dünndarmes ab. Betrachten wir daher als nächstes die unterschiedlich Erkrankungsstadien.

Untersucht man zufällig ausgewählte Menschen, die keinerlei Beschwerden haben, so findet man bei den meisten vereinzelte Pilzkolonien im Darm. 50-75% der Bevölkerung der industrialisierten Welt haben Candida-Arten im Darm . In geringen Mengen und nicht mit der Schleimhaut verbunden, verursachen diese aber kaum Beschwerden. Sie vermehren sich auch nicht, da die körpereigene Abwehr sowie die Darmbakterien sie in Schach halten.

Wie bereits erwähnt, gibt es eine lange Diskussion darüber, ob diese Pilzbesiedelung normal ist oder nicht. Streng genommen ist es wohl nicht "normal". Allerdings kann man der Nachweis von Pilzen auch nicht als "Krankheit" bezeichnen, da von den vereinzelten Pilzen kein Schaden verursacht wird.

Etwas anders sieht es lediglich für Allergiker aus: Falls jemand auf Candida überempfindlich ist, dann können ihm bereits geringe Mengen Probleme bereiten

Erhöhte Konzentrationen

Diese geringfügigen Pilzkonzentrationen können sich aber erhöhen. Unter "günstigen" Bedingungen geht das sehr schnell. Finden die Pilze ausreichend Nahrung, so vermehren sie sich. Je nach Voraussetzung kann es zu einer massiven Überwucherung des Darmes mit Hefepilzen kommen. 

Wichtigste Bedingung ist die Anwesenheit von reichlich Nahrung, am besten Zucker. Im Darm finden es die Pilze schön warm und feucht, da vermehren sie sich mit eindrucksvoller Geschwindigkeit. Besonders flott geht es, wenn die Abwehr (Krankheit, Unfall, Medikamente, geschädigte Darmflora) ist. Pilze verdoppeln sich in solchen Fällen etwa alle 20 Minuten: 2, 4, 8, 16, 32 usw. geht die Reihe. Hätte ein Pilz immer genügend Nahrung zur Verfügung, so würde er schon nach 48 Stunden den Umfang der Erdkugel erreichen! 

Nun kommt es auch zu spürbaren Symptomen: An erster Stelle stehen hartnäckige Blähungen. Sie entstehen durch den Stoffwechsel der Pilze selbst: Sie verarbeiten Zucker und scheiden dabei Kohlendioxid aus. Es ist der gleiche Prozeß wie bei der Backhefe. Auch sie vermehrt sich durch die Verwertung von Zucker und läßt dabei große Mengen an Kohlendioxid entstehen, wodurch ein Hefeteig "aufgeht". So wie der Teig in der Schüssel, so gärt es nach einer zuckerreichen Mahlzeit auch in Ihrem Darm. 

Dann gluckert und kullert es, und nach einiger Zeit beginnt der Bauch zu spannen. Viele Menschen klagen, daß Rock oder Hose zu eng werden. Besonders am Abend legen die betroffenen Menschen gerne beengende Kleidungsstücke ab oder öffnen den obersten Knopf der Hose.

Wichtig: Pilze sind natürlich nicht die einzige Ursache von Blähungen. Bakterien sind wesentlich zahlreicher und dementsprechend häufiger die Quelle. Auch die Reizdarmkomponente ist wesentlich. 

Pilze mi Dickdarm

• Die Hauptaufgabe des Dickdarmes ist die Wasseraufnahme. Ein Candida-Befall kann diese Aufgabe stören: Durchfall ist die Folge. Häufiger Stuhlgang bis hin zu wäßrigem Durchfall kann also ein Symptom einer Pilzerkrankung sein. 

• Das zweite (häufigere) Symptom sind Blähungen, die als Winde abgehen. Auch hier besteht ein Unterschied zwischen Dünn- und Dickdarm. Der Dünndarm ist in der Lage Gase aufzunehmen. So kommt es, daß Blähungen, die im Dünndarm entstanden sind, langsam (z.B. über Nacht) verschwinden: Der geschwollene Leib vom Abend ist am morgen wieder flach geworden. Der Dickdarm verfügt nicht über diese Fähigkeit. Außdem befinden sich dort deutlich mehr Mikroorganismen. So drücken und schmerzen die Dickdarmgase, bis sie auf natürlichem Weg ins Freie gelangt sind. 

Auch der Ort des schmerzhaften Geschehens ist bei Dünn- und Dickdarmproblemen unterschiedlich. Blähungen im Dünndarmbereich äußern sich meist im unteren Mittelbauch. Dickdarmblähungen sind dagegen gehäuft im aufsteigenden und absteigenden Dickdarm zu spüren, d.h. im Bereich der beiden Flanken. Gelegentlich drücken sie auch von unten gegen Leber und Herz, was dann zur Verwechslung mit Gallen- oder Herzbeschwerden führt.

• Schließlich gibt es noch ein Symptom, das oft das erste Zeichen eines Candida-Befalls des Darms ist: der Juckreiz am After. Dieses häufige Symptom wird durch eine Besiedlung von Candida-Hefen auf der Schleimhaut des Enddarms und der Analregion bedingt. Es ist ein lästiges Symptom, das viele Menschen sehr beeinträchtigt. Wenn immer Sie darunter leiden, sollten Sie an die Möglichkeit einer Pilzerkrankung denken. Allerdings gibt es auch hier mehr als eine Ursache: Hämorrhoiden, Wurmbefall und andere Krankheiten können ebenso einen Juckreiz hervorrufen. 

Afterjucken ist etwas, über das man nicht so gerne redet. Diese Tatsache kommt den Pilzen sehr gelegen! Wie immer suchen sie ihre Chance zu nutzen und können sich unter günstigen Umständen (Schwitzen, enge Kleidung usw.) auf der Haut ausdehnen. Die Analfalte, das Gesäß sowie die Scheiden- und Leistenregion können die nächsten Ziele ihres Angriffes sein. Häufig findet man das beim Baby in Form der Windeldermatitis.

Ist die Haut erst einmal befallen, so kann ein Hefepilz über die Haut wieder an andere Orte gelangen: Der Infektionskreislauf ist geschlossen!

Scheidenpilze - Vaginalmykosen

Betroffene Frauen klagen hauptsächlich über einen äußerst lästigen Juckreiz sowie einen wässrig-weißlichen, geruchsarmen Ausfluß. Daneben kann auch ein Gefühl von Wundsein, Brennen und Schmerzen bestehen. Bei der gynäkologischen Untersuchung finden sich Rötung, Schwellung und weißliche Beläge. Die Beschwerden nehmen meist in der Wärme z.B. im Bett zu. Auch vor der Periode klagen viele Frauen über mehr Symptome.

Candida

Hauptverursacher (ca. 80%) ist Candida albicans. Durch seine hervorragende Fähigkeit, sich an die Schleimhaut anzulagern, ist dieser Pilz für einen Befall geradezu prädestiniert . 

in 5-10% findet sich auch Candida glabrata, ein Pilz, der meist weniger Beschwerden macht. 

Pilzerkrankungen der Scheide werden zunehmend zu einem größeren Problem. Man findet kaum eine Frau, die nicht irgendwann einmal damit Beschwerden hatte. Und die Tendenz ist zunehmend: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Anzahl der Infektionen verdoppelt . In der Regel bleibt es nicht bei einer einzigen Erkrankung. 

Die meisten Frauen haben zwei oder mehr Scheideninfektionen. 

Während die Mehrzahl der Patientinnen die Beschwerden mit einer entsprechenden Behandlung in den Griff bekommt, gibt es eine wachsende Anzahl von Frauen, bei denen sich Infektion auf Infektion reiht. Kaum ist eine Erkrankung abgeklungen, beginnt schon die nächste. Diese Frauen leiden meist sehr unter den Beschwerden, die sie in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Risikofaktoren

Eine gewisse Rolle spielen Pilze im Magen-Darm-Trakt. Von dort hat er es nicht weit, bis in die Scheide zu wandern. Alle erwähnten Risikofaktoren (Süßigkeiten, Antibiotika usw.), die für Pilzerkrankungen des Verdauungskanals gelten, erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, einen Scheidenpilz zu bekommen. Eine falsche Reinigungstechnik nach dem Stuhlgang, kann die Infektionsgefahr noch steigern: Wischen Sie stets mit dem Toilettenpapier nach hinten, nie nach vorne in Richtung Scheide!

Während der Schwangerschaft (besonders im letzten Drittel) ist jede Frau vermehrt gefährdet. Dies liegt am erhöhten Östrogenspiegel und an der nährstoffreicheren Scheidenumgebung. 

Auch durch die Pille (Ovulationshemmer) wird solch ein "Schwangerschaftseffekt" erzeugt. Besonders gilt dies für Präparate mit hohem Östrogengehalt.

Antibiotika vernichten die normalen, nützlichen Scheidenbewohner. Immer dann, wenn Antibiotika als Tabletten oder als Scheidenzäpfchen oder -salbe angewendet werden, steigt also das Risiko einer Pilzerkrankung erheblich an. 

Enge und luftdichte Kleidung (Nylonunterwäsche, Strumpfhosen, Slipeinlagen aus Plastik) erhöht Temperatur und Feuchtigkeit, Voraussetzungen für das Pilzwachstum.

Auch der häufige Gebrauch von Deosprays kann die Anfälligkeit steigern, da diese Substanzen die Schleimhaut reizen.

Ein Teil der Frauen, die einmal unter einem Scheidenpilz litten, wird diesen nicht dauerhaft los. Er nistet sich ein und wartet auf günstige Zeiten. In dieser Phase bestehen auch keinerlei Beschwerden. Wenn sich der Pilz dann vermehrt, denken viele Frauen , sie hätten sich erneut angesteckt. Dies ist meist nicht der Fall, es ist immer noch der gleiche Pilzstamm, der sie vor einiger Zeit befallen hat. 

Wie auch bei anderen Arten von Pilzerkrankungen führt jede Schwächung des Immunsystems (z.B. Krankheiten) auch zu einem erhöhten Pilzrisiko.

Allergie oder Sensitivierung auf Candida

Candida albicans kommt im Vaginal- und Vulvabereich häufig vor. Vermehrte Infektionen führen wahrscheinlich dazu, dass der Pilz in tiefere Schichten des Gewebes vordringt. Bis dort können die Anti-Pilz-Cremes nicht hingelangen. Der Pilz ist erfolgreich gegen die Behandlung geschützt. 

In Phasen der geminderten Widerstandsfähigkeit, z.B. bei Infekten, um die Periode oder nach dem Verkehr können sich Candida und Konsorten dann aus ihren Verstecken heraus vermehren. 

Gegen die Pilze in der Tiefe des Gewebes kann sich der Körper leichter allergisieren als auf Keime auf der Oberfläche. Histamin und andere Stoffe werden freigesetzt, es juckt und brennt. Gleichzeitig wird die Schleimhaut durchlässiger und Keime können leichter eindringen. – Ein Teufelskreis!

In solchen Fällen setzte ich daher gerne über längere Zeit gewebegängige Anti-Pilz-Mittel ein, die Pilze auch in ihren Verstecken wirkungsvoll bekämpfen.

Diagnostik

Bei eindeutigen Symptomen (Juckreiz, Ausfluß) besteht bereits ein hochgradiger Verdacht. Üblicherweise wird ein Frauenarzt/Frauenärztin eine mikroskopische Untersuchung des Scheidensekretes durchführen. Bei 400facher Vergrößerung im Phasenkontrastmikroskop stellen sich die Hefen dar. In so einem Fall ist die Diagnose sicher. 

Allerdings sollte man wissen, dass auch erfahrene Untersucher nur in 70-80% die vorhandenen Hefen finden.

Daher: Wenn trotz entsprechender Symptome keine Pilze im Mikroskop erkennbar sind, sollte eine Kultur angefertigt werden. In bis zur Hälfte der Fälle lassen sich dann in dieser zweiten Untersuchung Hefepilze nachweisen. 

Die mikroskopische Untersuchung ist also schneller, aber weniger genau als das Anlegen einer Kultur. Hier haben Sie erst nach einigen Tagen das Ergebnis.

Therapie

Bleibt der Scheidenpilz ein einmaliges Ereignis, so ist die Therapie unkompliziert. Meist reicht die Verabreichung von Scheidentabletten und -cremes aus, um die Beschwerden zu beheben (siehe unten). 

Beispielsweise können Sie Nystatin-Scheidentabletten und Nystatin-Creme benützen, die von vielen Firmen angeboten werden. Ob es sinnvoll ist, nach den Ursachen zu forschen, d.h. einen Darmpilz auszuschließen, hängt vom Einzelfall ab. 

Dies ist spätestens der Fall, wenn sich Scheideninfektionen häufen. Dann sollte in jedem Fall der Stuhl untersucht werden. Falls eine krankmachende Hefe gefunden wird (was in der Regel der Fall ist), muß diese mitbehandelt werden. Dann sollten auch alle Behandlungsgrundsätze beachtet werden, die für die Therapie des Darmpilzes gelten . 

In den letzten Jahren werden Scheidenpilze immer häufiger mit der einmaligen Gabe einer Tablette behandelt. Ob diese Therapie immer ausreicht, ist. unsicher. Zwar wird der Scheidenpilz vorübergehend dezimiert, es gelingt jedoch kaum, alle Hefen in der Scheide vollständig zu entfernen. Die gleichzeitig anwesenden Darmpilze werden so auf keinen Fall bekämpft, und es kann dann leicht zu erneuten Infektionen kommen. 

Daher ist es machmal nötig über einen längeren Zeitpunkt ein sog. systemisches Antimykotikum hinzunehmen. Näheres sollte mit dem Frauenarzt/ärztin besprochen werden. 

Beispiel: Fluconazol 150 mg 

  • 1-2 x Mal pro Woche über 4-6 Wochen. 
  • Anschließend 1x alle 2 Wochen etwa 4-6 Mal
  • Anschließend 1x alle 4 Wochen etwa 4-6 Mal

Vorsicht: Keine Selbsttherapie mit diesen hochwirksamen Präparaten ohne ärztliche Beratung und Überwachung möglicher Nebenwirkungen!

Pilzphobien - übertriebene Ängste

Pilze nicht an allem schuld!

Pilze können Beschwerden hervorrufen. Allerdings sind sie in der Regel nicht sehr aggressiv. Meist sind Pilzerkrankungen, die Krankheit der Kranken! 

Manchmal werden auch Pilze als Ursache von Beschwerden vermutet, an denen sie vollständig unschuldig sind! Es sind vor allem funktionelle Beschwerden, die auf diese scheinbaren Übeltäter zurückgeführt werden. Der Vorteil: Ein eindeutiger Schuldiger und eine klare Therapie. 

Kurzfristig mag auch nach einer Therapie eine gewisse Beschwerdelinderung eintreten, doch dürfte das vor allem dem Placebo-Effekt anzurechnen sein. 

Beschwerden, die angeblich durch Pilze hervorgerufen werden

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depression, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Schlafstörung, Ein- bzw. Durchschlafstörung, vermehrtes Schlafbedürfnis, chronisches Müdigkeitssyndrom, Hyperaktivität, Verwirrtheit, Irritierbarkeit, Essattacken, Gewichtszunahme, Übergewicht, Gewichtsverlust, vermehrte Körperbehaarung, Sehstörungen, brennende Augen, trockene/tränende Augen, Nachtblindheit, Migräne, Hörminderung, Taubheit, Tinnitus, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Paradontose, Mundgeruch, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Husten, Kurzatmigkeit, chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, Verdauungsstörungen, Colon irritabile, Pruritus ani (Juckreiz am After), Blähungen, Diarrhöe, Obstipation, abdominale Schmerzen (Bauchschmerzen), Prostatitis, Impotenz, Frigidität, Vaginalmykosen, Kolpitis, Endometriose, Cystitis, Pyelonephritis, prämenstruelles Syndrom, Ekzeme, Neurodermitis, Akne vulgaris, "schlechte Haut", Nahrungsmittelallergien, Hypoglykämie, Hypothyreose, Immunschwäche, Hepatitis, Arrhythmien, Mitralklappenprolaps, pectanginöse Beschwerden, chronische Polyarthritis, Arthralgien, Muskelschmerzen, Arthritis urica (Gicht), Muskelschwäche, Lähmungen usw.

Die Folgen

Man könnte über dieses Kapitel als eine bedauerliche Verirrung hinweggehen, wenn es nicht einige sehr unerfreuliche Aspekte hätte:

Viele Menschen, die an obigen Beschwerden leiden, fühlen sich von der "normalen" Medizin alleingelassen, da sie mit gewissem Recht den Eindruck haben, dort nicht ernstgenommen zu werden. Sie machen sich daher auf die Suche nach andersartiger Hilfe. Wenn diese verunsicherten Menschen dann mit solchen Listen konfrontiert werden, müssen sie den Eindruck gewinnen, schwerstkrank zu sein.

Derart verunsichert, sind sie dann bereit, über lange Zeit äußerst einschränkende Therapien auf sich zu nehmen. Teilweise werden große Mengen an Medikamenten verschrieben, ohne dass es dafür eine Berechtigung gibt.

Schließlich führte die obige Fehlinformation dazu, dass sich viele Mediziner in ihrem Vorurteil bestätigt sahen, Pilze seien ein Thema, das nur von Randgruppen ernst genommen würde.

Wesentlich ist es daher eine klare Vorstellung zu gewinnen, wie sich funktionelle Körperbeschwerden erklären lassen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Krankheitsbilder

Teaser Reizdarm

Durchfall, Verstopfung, Unverträglichkeiten: Das Reizdarmsyndrom

Es beginnt häufig nach einer Magen-Darm-Infekt oder nach der Einnahme von Antibiotika. Plötzlich wird die Verdauung empfindlich. Nahrungsmittel werden schlechter vertragen, es sticht und bläht, es kommt zu Durchfall und/oder Verstopfung, viele Lebensmittel werden nicht mehr vertragen. 

Mehr erfahren

 

 

Teaser Erschöpfung

Erschöpft und angespannt 

Nach viel Anstrengung ist jedermann müde. Nach Ruhe wird es besser. Es gibt jedoch ein Gefühl der Erschöpfung, da hilft weder Schlaf noch Urlaub nicht. Es ist ein großes Ruhebedürfnis bei gleichzeitiger Ruhelosigkeit. Bezeichnungen wie CFS, Burnout oder Erschöpfungssyndrome helfen nicht weiter. 

Was steckt dahinter? Was hilft?

Mehr erfahren

Teaser Schlafstörungen

Grübeln, wälzen, wach bleiben: Schlafstörungen

Es gibt mehr als hundert verschiedene Formen der Schlafstörungen. Hier finden Sie die häufigsten. 

Mehr erfahren

Teaser Hyperventilation

Atemnot, Herzrasen, Schwindel, Panik: Hyperventilation

Während das akute Hyperventilationssyndrom ein hochakutes Beschwerdebild (Luftnot, Angst, Herzrasen, Schwindel, Panik) darstellt, wird das chronische Hyperventilationssyndrom oft übersehen. Es zeigt sich meist nur indirekt und oft erst nach jahrelangen Beschwerden. Doch sind die Konsequenzen für die Lebensqualität manchmal noch deutlich gravierender und führt häufig zu schweren Beeinträchtigungen bis hin zur Berentung.

Mehr erfahren

Teaser Pilzerkrankungen

Harmlos oder bedrohlich: Pilzerkrankungen

Pilze finden sich bei praktisch allen Menschen auf der Haut oder den Schleimhäuten ohne Beschwerden zu verursachen. Doch sie können auch schwerwiegende und wiederkehrende Beschwerden verursachen.

Was ist normal? Was nicht?

Mehr erfahren