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Nur Müdigkeit oder mehr?

Ständiges Gähnen

Gähnen Sie des öfteren?  Wahrscheinlich ja! Das tun wir alle. Aber manchmal häuft sich das  Gähnen so stark, dass es wirklich lästig, ja für manche Menschen eine echte Beschwerden sein kann. 

Was ist der Hintergrund des Gähnens? Wieso tun wir das eigentlich? Gibt es dagegen eine Therapie?

Video

Über das Gähnen

Fakten

Gähnen ist ein Phänomen, das erstaunlicherweise kaum verstanden ist. Alle Menschen gähnen, zumindest dann und wann. Auch Tiere tun es, z.B. Hunde, Pferde, Löwen und sogar Fische. Doch warum? Das ist letztlich noch ungeklärt und nicht allein durch Müdigkeit bedingt. Bei Tieren werden höchst unterschiedliche Formen des Gähnens beobachtet. 

Es gibt einige interessante Fakten: 

  • Gähnen dauert um 6  Sekunden an
  • Tiere setzen Gähnen teils als Beschwichtigungsgeste teils auch als Drohung ein
  • Es gibt enge Beziehungen zum Strecken
  • Gähnen kann sowohl bei Stress als auch bei Müdigkeit vermehrt auftreten
  • Gähnen ist morgens und abends häufiger, allerdings nur morgens von Strecken begleitet.
  • Raubtiere gähnen häufiger als Pflanzenfresser
  • Gähnen ist ansteckend, was sich über die Aktivierung von Spiegelneuronen erklären lässt. Patienten mit einer eingeschränkten Fähigkeit mitzufühlen  (bei dissozialer, autistischer Störung  oder Schizophrenie) ist Gähnen nicht ansteckend 
  • Gähnen könnte zur Temperaturregulation beitragen und die Kühlung des Gehirns begünstigen
  • Gähnen tritt zwar bei Müdigkeit gehäuft auf - aber es macht nicht munter
  • Bei einer Reihe von Hirnerkrankungen (z.B. Schlaganfall) kann Gähnen vermehrt auftreten, ebenso bei bestimmten Medikamenten (insbesondere Psychopharmaka)
  • Verschiedene Neurotransmitter (u.a. Oxytocin, Dopamin) spielen beim vermehrtem Gähnen eine Rolle

Eindeutig ist, dass Gähnen ein überaus alter Reflex ist, der eine enge Beziehung zum Atemzentrum des Gehirns hat. Gleichzeitig hat das Gähnen eine soziale, kommunikative Bedeutung und trägt möglicherweise zu einer Harmonisierung von Gruppenaktivitäten bei. 

Zwanghaftes Gähnen

Es gibt eine vergleichsweise häufige Symptomatik, bei der Menschen berichten, sie litten unter dem Bedürfnis, immer wieder gähnen zu müssen und dabei gleichzeitig das Gefühl zu haben, nicht richtig Luft zu bekommen oder nicht durchatmen zu können.

Häufig sind diese Beschwerden mit weiteren Symptomen kombiniert:

  • Häufiges Seufzen
  • Druck auf der Brust
  • Beklemmungsgefühle in stickigen Räumen mit vielen Menschen
  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen.

Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich in aller Regel kein krankhafter Befund. Lediglich eine Tendenz zu einem sog. Anstrengungs-Asthma oder empfindlichen, „hyperreagiblen“ Bronchialsystem kann vorhanden sein. 

Ursachen

So unerklärlich die Symptomatik auf den ersten Blick wirkt, dahinter kann - natürlich nicht immer! - eine relativ einfache Störung verborgen sein: Ein chronisches Hyperventilationssyndrom. 

Dabei liegt eine Veränderung der Blutgase mit einer Erniedrigung des Kohlendioxidspiegels im Blut vor, was komplexe Folgen für die Atemregulation und den Stoffwechsel nach sich zieht. 

Auch Assoziationen mit anderen Störungen der vegetativen Regulation, etwa Erschöpfungssyndromen und Schmerzsyndromen kommen vor.  

Über das Seufzen

Warum Seufzen?

Warum seufzen wir? Natürlich weil wir es im Leben nicht leicht haben! Aber dann macht ein Seufzer der Erleichterung wenig Sinn! 

Ausserdem: das Seufzen gibt es bei allen Säugetieren. Je kleiner desto häufiger! Sind die etwa auch die ganzeZeit leicht bedrückt? Oder fällt denen andauernd ein Stein vom Herzen? 

Seufzen bei Babys

Am häufigsten seufzen wir alle am ersten Tag unseres Lebens. Rund 50 Mal pro Stunde! Bedauern wir es, aus der Geborgenheit in die Welt entlassen worden zu sein? Kaum!

Natürlich hat das Ganze mit der Entfaltung der Lunge zu tun, mit der das Neugeborene sich vom ersten Atemzug an beschäftigen muss. Dementsprechend nimmt das Seufzen auch im ersten Lebensjahr weiter ab und erreicht nach einem Jahr eine Frequenz von 20x/Stunde. Damit kommt es dem Erwachsenenwert von rund 12x/Stunde recht nahe. 

Seufzen bei Erwachsenen

Ein Seufzer beim Erwachsenen ist

  • in der Regel unbemerkt
  • ein Dutzend Mal pro Stunde
  • 2-5x so groß wie das normale Atemzugsvolumens von ca. 500 ml
  • in der Folge eines normalen Atemzugs
  • gefolgt von einer kurze Pause ohne Atmung

Hintergrund - einmal gut durchlüften!

Die häufigen Seufzer bei Babys geben einen wichtigen Hinweis: Das Seufzen dient wahrscheinlich, zumindest zum großen Teil, zur Belüftung der Alveolen, also der kleinsten Lungenbläschen. Sie werden bei der Ruheatmung nicht mit frischer Luft gefüllt. Also wird von Zeit zu Zeit durchgelüftet. 

Nebenbei: Von diesen Lungenbläschen haben Sie mehrere hundert Millionen mit einer Gesamtfläche von rund 100 Quadratmetern. 

Steuerung

Die Steuerung der Atmung und damit auch des Seufzens liegt im Stammhirn (einem sehr kleinen Areal, dem Prä-Bötzinger-Komplex). Damit wir zur rechten Zeit atmen und seufzen, benötigt das Stammhirn ein paar Informationen. 

Diese vermitteln sich über

  • Dehnungsrezeptoren (Mechanorezeptoren) in der Lunge
  • Chemorezeptoren für Sauerstoff und Kohlendioxid

Je niedriger der Sauerstoffgehalt und je höher der Kohlendioxidwert, desto schneller atmen wir. 

Falscher Erstickungsalarm

Bei einigen Menschen ist jedoch die Wahrnehmung des CO2 im Blut problematisch und etwas zu fein geregelt. Wer zum Beispiel beim Schwimmen beinahe ertrunken ist, für den sind zwei Dinge unmittelbar zusammengekommen: Hoher CO2 im Blut und Lebensgefahr. In der Folge kann die Sensibilität gegenüber Kohlendioxid im Blut zunehmen und der Wert wird tiefer eingestellt. 

Ähnliches gilt wohl für Panikattacken oder allgemein für Angststörungen. Diese Menschen sind dann ängstlicher, schreckhafter und sie ertragen es nicht gut, in engen Räumen mit vielen Menschen zu sein, da dort die CO2-Konzentration besonders hoch ist. 

In solchen Fällen reagiert also die Lunge übertrieben auch auf kleinste Veränderungen des CO2 und löst diesen Schutzreflex der Atmung zu schnell und zu häufig aus. 

Überraschende Folgen

Bei unseren Messungen fanden wir, dass in der Folge der erhöhten Sensibilität auf CO2 die Kohlendioxid-Konzentration im Blut zu niedrig reguliert wird. Über verschiedene Umwege führt das zu einer Minderdurchblutung des Gehirns mit typischen Symptomen: 

  • Benommenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfdruck oder Kopfschmerz
  • Sehstörungen
  • Erschöpfung
  • Schwindel 
  • Abgeschlagenheit

Mehr dazu auf den Seiten zur Hyperventilation

 

 

Therapie

Gähnen, Seufzen und noch mehr

In den meisten Fällen ist sowohl Gähnen als auch Seufzen völlig normal. Doch manchmal kann die Symptomatik wirklich beeinträchtigen, vor allem wenn weitere Begleitsymptome hinzukommen. Solche wären z.B. 

  • Abgeschlagenheit
  • Benommenheit
  • Erschöpfung
  • Kurzatmigkeit
  • Schwindel
  • Kopfdruck
  • Engegefühl in Räumen mit vielen Menschen
  • Druck auf der Brust und im Halsbereich
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Muskelkrämpfe oder -zucken

Dann kann es sehr sinnvoll sei,  therapeutisch etwas dagegen zu unternehmen. 

Zwei Säulen

Therapeutisch setzen wir vor allem auf zwei Säulen: 

  • Allgemeine Entspannung und Beruhigung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene
  • Gezielte Atemtherapie

Näheres finden Sie hier:

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