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Zentrale Sensitivierung

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem eine zentrale Sensitivierung für die Schmerzen verantwortlich ist. „Zentrale Sensitivierung“ (engl. central sensitization) ist die gemeinsame Ursache einer Vielzahl von sog. funktionellen Störungen, auf deren Behandlung wir uns spezialisiert haben. Daher treten diese Beschwerden auch häufig in Kombination auf. 

 

 


Weitere Faktoren

Regionale, anhaltende Schmerzen haben jedoch (messbare) Folgen. Dies zeigt sich in den Forschungsarbeiten. Es wurde eine Reihe von erhöhten Neurotransmittern gefunden. Diese  Befunde bedeuten jedoch nicht, dass dies die Ursache der Beschwerden ist. Unter anderem fanden sich

 

  • Erhöhte Entzündungsfaktoren (u.a. Zytokine, TNF-Alpha, Interleukine)
  • Erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten, Leukozyten, Mastzellen)
  • Leichte Entzündungen der Schleimhaut

Aus meiner Sicht dürfte dies eine Reaktion des Körpers auf die anhaltenden Schmerzen sein. Sehr viel wesentlicher dürften Forschungsergebnisse sein, die darauf hinweisen, dass die Betroffenen auch in anderer Hinsicht eine höhere Sensibilität aufweisen:

 

  • Erhöhte Druckempfindlichkeit (im Körperbereich)
  • Hohe Gehirnaktivität in Schmerzregionen (Hippocampus, Basalganglien, somatosensorischer Kortex)
  • Stärkere Reaktion auf chemische Schmerzreize (Capsaicin)
  • Höhere Kälteempfindlichkeit

 

 


Zusammenfassung der Ursachen

Aus unserer Sicht gehört die Vulvodynie zur großen Gruppe der Sensitivierungsstörungen. Hier nochmals die Ursachen zusammengefasst:

Am Anfang steht ein wiederholter äußerer Reiz. Meist wird dieser durch Infektionen (Pilze, Bakterien, Viren) ausgelöst oder ein mechanischer Reiz irritiert die Schleimhaut. Dabei spielt auch die damit verbundene innere Beunruhigung eine Rolle. Wenn Fragen auftauchen, wie „Was habe ich?“, „Geht das wieder weg?“, „Beeinträchtigt dies meine Sexualität?“, „Wie wird sich mein Partner darauf einstellen?“ dann wird die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die Vulva gelenkt und so – natürlich unbewußt - die Wahrnehmung verstärkt. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die erhöhte Aufmerksamkeit ist kaum oder gar nicht zu vermeiden. Es ist kaum möglich, nicht an das Schmerzen/Brennen zu denken.

Anfänglich kommen also vermehrt Reize aus der Region des Scheideneingangs. Der Körper reagiert mit erhöhter Aufmerksamkeit oder Reizschwellensenkung. Nach einer Weile klingt die lokale Infektion ab. Doch die erhöhte Reizempfindlichkeit bleibt. 


Wie Sonnenbrand...

Solche Phänomene lassen sich vielfach beobachten. Wenn beispielsweise ein Kleidungsstück oder ein Hosenknopf eine Weile scheuert, dann kann für Stunden oder Tage eine  erhöhte Reizempfindlichkeit zurückbleiben. Die Hautstelle brennt ein wenig, wenn sie berührt wird, obwohl äußerlich nichts zu sehen ist. Auch nach einem Sonnenbrand kommt es zu ähnlichen Symptomen. Die Haut bleibt empfindlich, obwohl die eigentliche Entzündung ganz oder weitgehend abgeklungen ist.

Wenn nun zahlreiche Untersuchungen, insbesondere schmerzhafte oder angsterregende Prozeduren durchlaufen werden, dann erfährt das Problem und die Region eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die Reizschwelle geht weiter zurück, die Beschwerden nehmen zu. 


Verschlechterung durch Diagnostik und Therapie

Auch Cremes, Salbe, Vorlagen können entweder mechanisch irritieren oder zu allergischen Problemen führen. Besonders problematisch sind chirurgische Eingriffe, die dann zu Wunden führen und so die Reizschwelle noch weiter absenken.

Viele Betroffene können auf eine wahre Ärzteodyssee zurückblicken. Manchmal ist es so, dass die Beschwerden schlechter werden, je mehr Ärzte konsultiert werden. (Dabei versucht natürlich jeder Arzt nach bestem Wissen, die Symptomatik zu verbessern.)

Daher ist Überdiagnostik und Übertherapie - bei allem guten Willen der Beteiligten - oft ein zusätzlicher Risikofaktor!

Am Ende haben einige Frauen den Eindruck das ganze Leben drehe sich um das andauernde Brennen. Es kommt zu einer Selbstverstärkung der Symptomatik.