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Allgemeinmaßnahmen

Die Körperpflege sollte sehr vorsichtig sein. Es wird empfohlen keine Deos oder ähnliches zu verwenden. Vorsicht mit Parfüm, Seifen, Shampoo oder ähnlichem. Der Scheideneingang sollte möglichst mit vorsichtig mit Wasser gereinigt werden, sanft trocken getupft und danach mit einem milden Hautöl oder Pflanzenöl gepflegt werden.

Falls Tampons irritierend wirken, sind Binden aus Baumwolle günstiger.

Beim Verkehr sind Gleitmittel empfehlenswert. Nach dem Verkehr können Kühlpacks (nicht übertreiben) hilfreich zur Abschwellung sein.

Nach dem Wasser lassen, ist es möglicherweise sinnvoll, die Vulva mit Wasser zu reinigen. 


Lokale Therapie

Sehr viele Salben, Tinkturen werden empfohlen.Sehr häufig führen die lokalen Medikamente jedoch zu einer weiteren Sensibilisierung und damit Verschlechterung der Beschwerden. Kurz: Das Brennen wird verstärkt. Daher besteht oft der erste Therapieschritt in einer Absetzung aller Salben usw. 

Es gibt jedoch Situationen, da können bestimmte Präparate hilfreich sein. Dies sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt absprechen. Folgendes kann ein Versuch wert sein:

 

  • Lidocain 5% -Gel Diese kann z.B. 30 min. vor dem Verkehr angewandt werden. Auch eine Anwendung über Nacht auf einem Wattebausch ist gelegentlich hilfreich.
  • Kombinationen von lokalen Betäubungsmitteln (z.B. Emla-Salbe)
  • Reine Vaseline oder ähnliche Pflegemittel wurden in Einzelfällen mit Erfolg eingesetzt.
  • Nitroglycerin-Salbe wirkte in Einzelfällen
  • Kombination aus Amitriptylin 2% und Baclofen 2% (in USA: Elavil) reduzierte Schmerzen in Einzelfällen.

 

 


Medikamente

Amitritpylin: Im Vordergrund der Therapie steht ein Antidepressivum, Amitriptylin. Dieses Medikament wirkt (in hoher Dosis) nicht nur gegen Depressionen sondern auch gegen Schmerzen (in niedriger Dosis). Bei praktisch allen zentralen Sensitivierungsstörungen (Reizdarm, Fibromyalgie, Reizblase u.a.) wird dieses Präparat mit Erfolg eingesetzt.

Da die meisten Patientinnen sehr sensibel auch auf Medikamente reagieren, sollte es niedrig begonnen und dann nach Bedarf gesteigert werden („start low, go slow“). Wir verordnen Amitriptylin als Tropfen und beginnen mit einem einzigen Tropfen in etwas Wasser am Abend. In den nächsten Abenden kann dann tropfenweise leicht gesteigert werden. Der Schlaf wird dadurch gleichzeitig ruhiger und tiefer. Morgens sollten sich die Betroffenen ausgeschlafen aber nicht benommen fühlen. (Amitriptylin ist verschreibungspflichtig, wie immer: mit Arzt absprechen).

Es gibt weitere, ähnlich wirkende Antidepressiva, sie wirken ähnlich wie Amitriptylin. 

Wichtig: Die Wirksamkeit von Amitriptylin und ähnlichen Substanzen beruht nicht auf dem antidepressiven Effekt sondern auf der Schmerz-stillenden Wirkung.

Gabapentin/Pregabalin: Auch Mittel gegen Epilepsie haben eine Effekt bei Vulvodynie. Sie dämpfen die erhöhte Reizbarkeit der Nerven. Sie müssen individuell dosiert und über eine Zeit eingenommen werden, um eine Wirkung zu entfalten.

Nervenblockaden: Die Erfahrung mit der Blockade der Nerven durch Injektionen ist sehr wechselhaft. Ein nachhaltiger Erfolg ist selten.

Kortison: Kortison hat sich – auch als Infektion in die Schmerzregion – nicht als hilfreich erwiesen. 


Operation

Es werden verschiedene operative Eingriffe durchgeführt, bei denen schmerzhafte Bezirke teilweise oder komplett entfernt werden. Aus meiner Sicht würde ich davon sehr stark abraten. Es müssen sehr gute Argumente für eine Operation vorliegen, bevor diese bei einer "normalen" Vulvodynie in Erwägung gezogen werden sollte. 

Ähnliches gilt von sehr schmerzhaften Therapieverfahren, die nach meiner Erfahrung zu einer Zunahme der Sensitivierung und damit mehr Schmerzen führen. Ebenso sind alle Verfahren ungünstig die mit starker Angst verbunden sind.  


Psychotherapie

Eine alleinige Psychotherapie (ohne begleitenden anderen Maßnahmen) ist in der Regel nicht ausreichend um eine anhaltende Schmerzreduktion zu erreichen. In Kombination mit anderen Verfahren (z.B. multimodale Therapie) kann Psychotherapie ein sehr wertvolles Element darstellen, z.B. um Ängste zu reduzieren und über die Partnerschaftsproblematik zu sprechen.