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Problematische Schonung

Das Leben unter geschützten Bedingungen bei optimaler Temperatur, angenehmer Feuchtigkeit, wenigen Geräuschen, guten Gerüchen, geringer körperlicher Belastung, idealer Sitzhaltung, bequemen Büromöbeln und angepasster Beleuchtung scheint auf der ersten Blick ideal, ja geradezu paradiesisch zu sein. Doch leider hat dies auch gravierende und meist übersehene Nachteile.

Wer unter solchen „perfekten“ Bedingungen arbeitet, der schont seine körpereigene Regulation. Weder die Kälte-Wärme-Regulation noch der Kreislauf, die Muskeln oder die Sinnesorgane werden gefordert und damit lassen sie in der Leistungsfähigkeit nach.

Bezüglich der Muskulatur ist es banal: Wer davon ausgeht, dass seine Muskeln so schwach sind, dass sie geschont werden müssten, wird wohl auf die Dauer Probleme mit dem Bewegungsapparat bekommen.

Doch schon bei der Wärme-Kälte-Regulation ist der Zusammenhang nur wenigen Menschen bewusst. Wer viel friert, zieht sich wärmer an oder stellt die Heizung höher. Doch genau das fordert die innere Regulation nicht mehr heraus; damit lässt sie nach und das Frieren nimmt zu.

Kurz gesagt: Wer sich vor allem Unbill der Witterung schützt, wird dagegen immer anfälliger. Menschen, die dagegen (Wiederholung) viel im Freien sind und beispielsweise dort arbeiten, denen macht Wind, Regen und Kälte kaum etwas aus.

Das Sick-Building-Syndrom trifft daher weniger die körperlich arbeitenden Mitarbeiter in der Produktion, die tatsächlich Giftstoffen ausgesetzt sind. Betroffen sind die Büroarbeiter, die geschützte und bevorzugte Arbeitsbedingungen aufweisen. 


Renovieren oder resignieren?

Bezüglich der Therapie des Sick-Building-Syndroms herrscht im Allgemeinen große Unsicherheit. Umweltmediziner und -techniker messen mit hohem Aufwand Schadstoffe, die jedoch in aller Regel nicht die tatsächliche Ursache der Symptomatik sind.

Was häufig zurückbleibt, ist Unzufriedenheit auf allen Seiten. Die Betroffenen fühlen sich in ihren Leiden nicht ernst genommen oder als Hypochonder abgetan. Die Betriebsleitung ist hilflos, da alle Maßnahmen entweder bereits ausgereizt  sind oder sich als wirkungslos erweisen.

Wir haben in den letzten Jahren auch immer wieder Patienten gesehen, die in ihren Privathäusern mit hohem Aufwand reale oder vermeintliche Giftstoffe entsorgt haben. Andere haben versucht, die Quellen von Elektrosmog zu eliminieren oder das Eigenheim nach biologischen Gesichtspunkten zu renovieren. Der Erfolg ist meist bescheiden und in vielen Fällen mit einem Placebo-Effekt zu erklären.