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Therapie

Das sichere Gefühl im Raum setzt eine komplexe Regulation voraus. Viele Sinne müssen gleichzeitig abgeglichen und zu einem einigen Gefühl verschmolzen werden. Weicht nur ein einziger der Informationskanäle ab, geht die Orientierung verloren. Die erste Aufgabe der Therapie ist es also, widerspruchsfreie Informationsverarbeitung im Gehirn zu ermöglichen.

Wer lange Zeit unter Schwindel litt, achtet auf einen Prozess, der eigentlich nur richtig funktioniert, wenn er „im Hintergrund“ also unbewusst abläuft. Die zweite Aufgabe besteht darin, das  Vergessen zu erlernen. Die Betroffenen müssen in höchst paradoxer Weise ausgerechnet auf das nicht mehr achten, was sie am meisten beeinträchtigt.

Schließlich macht kaum etwas soviel Angst, wie das Gefühl, im Raum nicht mehr orientiert zu sein. Gleichzeitig ist Angst eine der wichtigsten Einzelfaktoren für die Entstehung von Schwindel. Der Weg zur inneren Entspannung und Begrenzung der Angst ist die dritte therapeutische Notwendigkeit.

Die vierte Aufgabe besteht darin die Erwartungshaltung des Gehirns mit den tatsächlichen Rückmeldungen des Körpers in Übereinstimmung zu bringen. Siehe Reafferenzprinzip.

Diese Überlegungen machen vielleicht deutlich, warum die Behandlung des somatoformen Schwindels oft so unbefriedigend ist. Viele Patienten leiden jahrelang unter der Symptomatik, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint.

Bestehen die Beschwerden seit längerer Zeit helfen in der Regel weder Medikamente noch eine Psychotherapie alleine, sondern vor allem multimodale Therapien, wie sie im Therapieteil ausführlich beschrieben sind. Hier jedoch einige spezielle Verfahren zur Behandlung des somatoformen Schwindels. 


Meidung vermeiden



Das wäre für den Anfang etwas viel...

Vielleicht der wichtigste Schritt aus dem Schwindel ist der Weg aus der Schonhaltung. Wie oben ausgeführt, lässt sich mühelos eine Schwindelsymptomatik durch langes Liegen erzeugen. Ähnlich wirkt ein dauerhaft ängstlicher Umgang mit Bewegung. Fähigkeiten gehen so verloren und wahrscheinlich kommt es sogar auf die Dauer zu strukturellen Veränderungen im Gehirn.

Doch ein Fehler kann auch in einem zu forschen Vorgehen liegen. Wer sein Gleichgewicht zu intensiv provoziert, der riskiert zumindest anfänglich Schwindelattacken und Angst- oder Panikgefühle. Diese verschlechtert sich das überempfindliche Gleichgewicht noch weiter.

Ein empfehlenswerter Weg liegt zwischen diesen Extremen. Ein systematisches Training das so wenig Angst wie möglich erzeugen soll. Letztlich ist jede Form der Bewegung günstig, die auf der einen Seite fordert und auf der anderen Seite keine Überforderung darstellt.

Es gibt zahlreiche Anleitungen für Übungen gegen den Schwindel. Sie alle müssen jedoch mit der Problematik zurecht kommen, dass durch die Übung die Aufmerksamkeit auf einen Prozess gelenkt wird, der am besten unbewusst funktioniert. Spontane Bewegung, z.B. Ballsport in einer Gruppe, vermeiden diese Falle und sind daher am Anfang leichter zu praktizieren. 


Zentrale Elemente



Ziel der Therapie ist, sich wieder frei bewegen zu können!

Die wichtigsten Elemente sind: 

  • Bewegung: Anfangs beginnt man mit Trainingsarten, die wenig Angst auslösen (z.B. Ergometertraining, Laufband). Später steigert man die Anforderungen (Walking, Schwimmen, Fahradfahren).
  • Kälte-/Wärmetraining: Abhärtung des Körpers durch Wechselduschen oder – besonders intensiv – durch Ganzkörperkältetherapie.
  • Gesunder Schlaf: Analyse und ggf. Behandlung von Schlafstörungen.
  • Atemtherapie: Vermeidung von zu schnellem Atmen.
  • Bewegungstraining und Schwindeltraining, das wir sehr effektiv mit dem Galileo-System durchführen können.
  • Psychotherapie: Behandlung der Angst und des Vermeidungsverhaltens, wobei sich die moderne Verhaltenstherapie besonders bewährt hat.
  • Medikamentöse Therapie mit – oft niedrig dosierten – Antidepressiva.
  • Spezielle Schwindelübungen, die beim organischen Schwindel geeignet sind, sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, da sie die Aufmerksamkeit zu sehr auf das Gleichgewicht lenken. Besser ist ein spielerischer Umgang mit der Bewegung.
  • Wir setzen dennoch Übungen ein, die jedoch weitaus mehr auf die Überwindung der Angst zielen, die meist mit Bewegungen verknüpft sind.