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Grundlagen

Zu wissen, wo oben und unten ist, und wo wir uns im Raum befinden, ist für Gesunde so selbstverständlich wie Fischen das Wasser.  Niemand macht sich Gedanken über das Gleichgewicht, solange alles im Lot ist.

Doch wer unter Schwindel leidet, für den geht eine Grundorientierung verloren. Plötzlich wird deutlich, dass die Orientierung im Raum eine Voraussetzung für jedes Handeln ist. Der Ausfall des Gleichgewichts schränkt massiv ein und ist oft mit großer Angst verbunden.

Das Gleichgewichtsorgan ist ein rätselhaftes und häufig missverstandenes Sinnesorgan des Menschen. Entwicklungsgeschichtlich ist es eines der ältesten Sinne und weit vor dem Gehörsinn entstanden. Die Missverständnisse beginnen schon mit der Bezeichnung. Was im Innenohr neben dem Gehörsinn sitzt, ist eigentlich kein Gleichgewichts- sondern ein Beschleunigungsorgan. Es misst verschiedene Arten von Geschwindigkeitsänderungen. 


Vielfache Sicherheit

Um sich so bewegen zu können, benötigen wir viele Sensoren
Um sich so bewegen zu können benötigen wir viele Sensoren

Der Mensch verfügt nicht über ein einziges Gleichgewichtsorgan, sondern über mehrere Quellen der räumlichen Orientierung. Das Gefühl von unten und oben entsteht dann aus der Integration der verschiedenen Eindrücke im Gehirn. Mehrere Quellen tragen zu diesem Gefühl bei:

  • Das Vestibularorgan im Innenohr
  • Die Augen
  • Die Körperwahrnehmung (med. Propriozeption) d.h. Informationen aus Haut, Muskeln und Gelenken.
  • Das Gehör

Ist ein Mensch in der Lage, die Fülle der Daten schlüssig zum einem Gesamteindruck zusammenzufügen, hat er den Eindruck, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. Gelingt das aber nicht, bestehen Widersprüche zwischen den Informationsquellen, entsteht Unsicherheit, Benommenheit und Schwindel. 


Seekrankheit

Sehr eindrucksvoll lassen sich solche Diskrepanzen in einem Schiff bei bewegter See erleben. Wer sich dann in das Innere des Schiffes begibt, um sich den Anblick der Wogen zu ersparen, dem gaukeln die Augen scheinbare Ruhe vor. Gleichzeitig vermitteln Innenohr und Körper erhebliche Bewegung. Desorientierung, Schwindel und Übelkeit ist die Folge, die in diesem Fall Seekrankheit genannt wird.

Auch beim Verlassen eines Schiffes kann es zur Irritation kommen. Das Gleichgewicht ist aus den Fugen gekommen. Der Boden gaukelt vor, wie ein Schiff zu schwanken. „Mal de Debarquement“, die Krankheit des Aussteigens, wird das Phänomen genannt. Ein Beschwerdebild, das nicht nur alte Seebären trifft, die sich in bekannter Weise nur auf See wirklich sicher auf den Beinen fühlen.