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Schlafstörungen im Alter

Das steigende Lebensalter verändert Vieles, auch den Schlaf. Zwar nimmt die Schlafmenge insgesamt nicht wesentlich ab, doch verändert sich die Schlafqualität. Tiefschlafphasen werden seltener und der oberflächliche Schlaf nimmt zu. Während Kinder wie die Murmeltiere schlafen, werden ältere Menschen leichter wach. Bis zu 150 Mal pro Nacht kommt es zu „arousals“, also kurzen Wachphasen, die jedoch in der Mehrzahl nicht wahrgenommen werden.

 

Gleichzeitig nimmt die Schlafeffektivität ab. Darunter versteht man das Verhältnis von echtem Schlaf zu der im Bett verbrachten Zeit. Mit anderen Worten: Ältere liegen öfters im Bett, ohne fest zu schlafen.

 

Auch ändert sich die Verteilung des Schlafes. Ein kurzes Nickerchen am Mittag wird jetzt normal und manch Hochbetagter schätzt einen weiteren kurzen Schlaf am späteren Vormittag. Insgesamt sollten sich diese Siesta-Phasen auf nicht mehr als 10% des täglichen Gesamtschlafes summieren. Natürlich verkürzt der Tagesschlaf die Nachtruhe. Wer hofft, er könne nach dem 70. Geburtstag sowohl einen langen Mittagsschlaf halten als auch von 22 bis 7 Uhr durchschlafen, der sitzt einer Täuschung auf!


Sind Medikamente wirklich nötig?

Das Wissen um die normalen Veränderungen des Schlafes im Alter ist entscheidend! Viele ältere Menschen und leider auch manche Mediziner sind der Überzeugung, dass diese normalen biologischen Prozesse Ausdruck einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung sind.

 

Das fehlende Wissen um die normale Veränderung des Schlafes hat dann gravierende, ja manchmal dramatische Folgen. Statt also die Veränderungen innerlich zu anzunehmen, greifen viele Menschen zu Schlaftabletten. Dadurch wird der Schlaf zwar kurzfristig besser, es kommt jedoch zum Problem der Gewöhnung und Abhängigkeit.


Nebenwirkungen

Schlimmer noch, das ältere Nervensystem reagiert auf die Pharmaka wesentlich empfindlicher. Nebenwirkungen treten häufiger und bei wesentlich geringeren Dosierungen auf. Daher klagen die Patienten dann über Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Benommenheit, Konzentrations- und Kreislaufstörungen und zahllose weitere Beschwerden. Auch paradoxe Reaktionen kommen vor: statt zu beruhigen, wirkt ein Schlafmittel jetzt aufputschend.

 

All diese Symptome bleiben oft als Nebenwirkung unerkannt, da sie entweder als „normale Alterserscheinung“ angesehen oder auf andere Krankheiten bzw. Medikamente zurückgeführt werden.

 

Besonders ausgeprägt sieht man dies in Alters- und Pflegeheimen. Dort scheint manchmal der Glaube zu herrschen, eine Nachtruhe zwischen 20 und 7 Uhr sei adäquat. Wenn dann noch das Pflegepersonal knapp ist, liegt die Gabe von Schlafmitteln nahe. Die Hälfte der älteren Menschen in solchen Institutionen nehmen Schlaf- und Beruhigungsmittel ein. Manche sind regelrechte Großverbraucher und zeigen bereits ausgeprägte Vergiftungserscheinungen. Manche „Altersdemenz“ ist in Wahrheit Ausdruck der Nebenwirkung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

Tragisch ist es, wenn betagte Menschen dann auf Grund der Schlafmittel stürzen, sich Knochenbrüche zuziehen. Es kann zu zahllosen Komplikationen kommen, manchmal mit tödlichen Folgen.


Was ist zu tun?

Kaffee wirkt bei älteren Menschen oft stärker und länger.

Am wichtigsten ist das Wissen um die Veränderung des Schlafes. Viele „Schlafstörungen im Alter“ sind dies in keiner Weise.

Wenn man als älterer Mensch den Schlaf verbessern möchte, dann empfehlen sich die allgemeinen Regeln der Schlafhygiene. Besonders wichtig ist die körperliche Aktivität im Laufe des Tages, wenn möglich am Vormittag oder früheren Nachmittag.

 

Genussgifte wie Kaffee, Tee, Alkohol oder Nikotin wirken beim älteren Menschen ebenfalls oft stärker. Mäßigung oder Meidung ist die Devise.

Wenn immer möglich, sollte man auch als älterer Mensch nicht zu früh zu Bett gehen. Wer bis 22.00 Uhr aktiv bleibt, hat bessere Chancen auf eine erholsame Nachtruhe und kann so am sozialen Leben besser teilnehmen.

 

Falls man gegen 3.00 oder 4.00 Uhr nachts einmal aufwachen sollte und nicht gleich in den Schlummer zurückfindet, ist das völlig normal und keine Schlafstörung! Manche Menschen nützen diese Zeit als willkommene Gelegenheit, entspannt in Gedanken „spazieren zu gehen“ oder für eine kleine Bettlektüre, sofern der Partner dadurch nicht gestört wird. Nach einer Weile kehrt dann der Schlaf ganz alleine zurück, überraschenderweise umso schneller, je weniger man ihn erzwingen will.

 

In seltenen Fällen sind dennoch für einige Tage Medikamente angezeigt. Ein Versuch mit einem pflanzlichen Präparat kann nicht schaden. Wenn dies nicht wirkt,  sollte man mit der niedrigsten Dosierung eines Schlafmittels beginnen und „einschleichend“ langsam die Menge erhöhen. Bei der Auswahl des Präparates sollte man sich unbedingt von einem geriatrisch erfahrenen Arzt beraten lassen. Dies kann der Hausarzt oder auch ein Geriater (Altersmediziner) sein.