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Psychophysiologische Schlafstörung

Hinter diesem Begriff („seelisch-körperliche-Schlafstörung“) verbirgt sich die häufigste Form des gestörten Schlummers. Jeder zehnte Mensch leidet darunter, und in 50% ist das Leiden so ausgeprägt, dass eine Behandlung unumgänglich ist.

 

Die psychophysiologische Schlafstörung ist auch meist das, was übrig bleibt, wenn die unten aufgeführten anderen Krankheiten ausgeschlossen sind.

 

Wer unter dieser Form der Beeinträchtigung leidet, klagt über Ein- und Durchschlafstörung, fühlt sich morgens nicht erholt, ist tagsüber oft nicht leistungsfähig, unkonzentriert, irritierbar und oft ängstlich.

 

Vor dem Zubettgehen zerbricht man sich den Kopf über das, was in der Nacht passieren wird. „Hoffentlich kann ich schnell einschlafen!“, „hoffentlich wache ich nicht auf, damit ich morgen richtig fit bin!“, sind typische Gedanken, die das Einschlafen begleiten.

 

Und dann Nacht für Nacht die gleiche Katastrophe. Man wälzt sich unruhig von einer Seite auf die andere. Ängste steigen auf, den kommenden Tag nicht meistern zu können, und alle ungelösten Probleme werden umso größer, je weiter die Nacht fortschreitet. Immer wieder wird ein Blick auf die Uhr geworfen. Von Viertelstunde zu Viertelstunde steigt die innere Spannung. „Jetzt ist es schon 2 Uhr und ich habe immer noch nicht geschlafen“. Dieser Gedanke löst Panik aus und steht in denkbarem Gegensatz zum wohlig-entspannten Schlummer.

 

Der Schlaf stellt sich häufig erst am frühen Morgen ein, nur wenige Stunden, bevor der Wecker klingelt. Alle Befürchtungen haben sich erfüllt. Wieder einmal eine schreckliche Nacht. - In der nächsten Nacht muss es aber besser werden! Kurz: Ausgerechnet der Wunsch nach Schlaf führt zu dessen Verhinderung.


Ursachen

Es gibt viele Ursachen für diese Form der Störung: Ängste, Depressionen, Sorgen um die Gesundheit, ungelöste Konflikte, belastende Kindheitserfahrungen, letztlich alles, was das Leben erschwert, begünstigt diese Art der Schlafbeeinträchtigung.

 

Wenn die Ursachen auch sehr unterschiedlich sind, ist den Betroffenen jedoch eines gemeinsam. Sie reagieren auf die äußeren oder inneren Belastungen mit einem erhöhten „arousal“. Damit bezeichnet die Medizin eine erhöhte Erregbarkeit auf körperlicher und seelischer Ebene. Diese gesteigerte Reaktion ist messbar. Körpertemperatur, Blutdruck, Magen-Darm-Tätigkeit, Herzfrequenz, Schweißdrüsenaktivität und die Stresshormone reagieren bei manchen Menschen auf äußere oder innere Reize heftig, manchmal überschießend.

 

„Nach einem Streit bin ich so aufgedreht, dass ich die ganze Nacht wach liege, während mein Mann sich einfach auf die Seite dreht und seelenruhig wegpennt!“, klagte eine betroffene Patientin. Das muss nicht an fehlendem Engagement oder gar Gleichgültigkeit seitens des Partners liegen. Das Ausmaß der Alarmbereitschaft, in die Seele und Körper versetzt werden, ist von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich.

 

Diese Alarmbereitschaft kann sich auf drei Ebenen äußern:

 

• Körperlich: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, motorische Unruhe

• Seelisch: Ängstlichkeit, innere Anspannung,

• Gedanklich: Kein inneres Abschalten, ständige Beschäftigung mit einem Thema, „Gedankenkarussell“


Teufelskreis

Ein Schlummertrunk ist leider nur eine kurzfristige Lösung

Bei solchen Ausgangsbedingungen stellt sich leicht ein Teufelskreis ein. Ein äußeres Ereignis (Prüfungen, belastende Aufgaben, Konflikte) führen zu Ein- oder Durchschlafproblemen. Tagesmüdigkeit und Leistungsschwäche stellen sich ein. Der Schlaf erhält eine erhöhte Aufmerksamkeit, wird im Leben subjektiv wichtiger. Die erhöhte Beschäftigung mit diesem Thema lässt Angst und Anspannung steigen, was schließlich zu einer Störung des Schlafes führt.

 

Oft werden zusätzlich die „Lösungen“ zum Problem. Alkohol mindert die Ängste und wird daher gerne als Einschlafmittel gebraucht. Leider verschlechtert Alkohol die Schlafqualität. Die Tagesmüdigkeit bleibt bestehen. Doch aus Furcht vor einer weiteren schlaflosen Nacht trinkt man lieber noch einen „Schlummertrunk“. So kann Abhängigkeit von Alkohol oder Schlafmitteln entstehen.

 

Wesentlich ist, die Art der Schlafstörung richtig zu diagnostizieren und dann vor allem den beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen. Die Therapie wird im allgemeinen Teil ausführlich besprochen.