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Genetik

Zwillingsuntersuchungen zeigen, dass genetische Faktoren bei funktionellen Magen-Darm-Störungen eine Rolle spielen. Dabei ist nicht ein einzelnes Gen verändert. Erst die Kombination von verschiedenen Erbeigenschaften ergibt eine höhere Anfälligkeit für die Symptomatik. Interessanterweise scheinen diejenigen Gene von besonderer Bedeutung zu sein, die in den Serotoninstoffwechsel eingreifen. So erklärt sich möglicher Weise, warum ein Reizmagen/-darm gehäuft mit Angsterkrankungen oder Depressionen einhergeht. Krankheiten, bei denen Serotonin-Veränderungen beschrieben sind. 


Psychische Faktoren

Nicht immer verläuft die Kindheit ungestört

Je ungünstiger die frühe Entwicklung eines Menschen verlaufen ist, desto anfälliger ist er für eine Reizmagensymptomatik. Das können schwere Schicksalsschläge, körperliche/seelische Übergriffe, fehlende Geborgenheit, Unsicherheit oder andere Formen der Beeinträchtigung sein. Auch überängstliche Eltern, die sich zu sehr um kleinste Beschwerden eines Kindes sorgen, können die Aufmerksamkeit für dessen Befindlichkeitsstörungen erhöhen.

Ebenso beeinflusst das Gesundheitsverhalten der Eltern einen neuen Erdenbürger. Geht man eher häufig oder selten zum Arzt? Stehen körperliche Beeinträchtigungen im Mittelpunkt der Gespräche? Haben Magenbeschwerden eine erhöhte Bedeutung, weil ein Familienmitglied an einem lange Zeit nicht erkannten Magenkrebs verstorben ist? usw. 


Motorik

Es ist gut untersucht, dass bei Reizmagen- und Reizdarmbeschwerden die Bewegungen des Magen-Darm-Traktes verändert sind. Im Magen bleibt die Nahrung bei etwa 40% der Betroffenen zu lange liegen. Konsequenzen sind Völlegefühl und Appetitlosigkeit.

Im Darm bewegt sich der Nahrungsbrei dagegen häufig zu rasch, bevor die Nahrungsbestandteile ins Blut aufgenommen wurden. Es kommt nun zu einem Überangebot an Nahrungskalorien im unteren Dünndarm und Dickdarm. Bakterienwachstum und Gasproduktion nehmen zu. Blähungen sind die Folge. Gleichzeitig kann der Betroffene vermehrte Darmbewegungen und Geräusche im Bauchraum wahrnehmen.

Ich sehe die vermehrte Darmbewegung als Folge der vermehrten Sensibilität an. Dabei ergibt sich leicht ein Teufelskreis. Durch die erhöhten Darmbewegungen und Darmgase kommt es zu einer Zunahme der Empfindlichkeit, also einer Senkung der Reizschwelle. Dies verstärkt die Motorik usw. 


Entzündungen

Etwa jeder dritte Reizmagenpatient entwickelt die Beschwerden nach einem akuten Magen-Darm-Infekt. Die akuten Beschwerden nach einer  Sommergrippe oder nach einer Nahrungsmittelvergiftung im exotischen Urlaubsland gehen zwar vorbei, zurück bleibt aber die erhöhte Empfindlichkeit. Hatte man früher kaum Beschwerden mit der Verdauung, reagiert nun der Magen mimosenhaft auf jede Belastung.

In der Schleimhaut finden sich bei diesen Patienten tatsächlich Zeichen einer leichten Entzündung. Möglichweise kommt es auch hier zu einem Teufelskreis. Durch die Entzündung sinkt die Reizschwelle, was zu einer sog. neurogenen (= durch die Nerven bedingten) Entzündung führen kann. 


Magensäure

Lange Zeit wurde die Magensäure als die Alleinschuldige angesehen. Doch tatsächlich findet sich eine vermehrte Produktion von Magensäure eher selten. Der Magen reagiert schneller „angesäuert“, wenn er mit seiner eigenen Salzsäure in Kontakt gerät. 


Helicobacter pylori

Etwa bei jedem dritten Erwachsenen in Deutschland findet sich im Magen ein Bakterium, das den Namen Helicobacter pylori trägt. Dieser Keim macht in den meisten Fällen keine Beschwerden. Doch manchmal führt seine Aktivität zu einem Magengeschwür.

Durch eine Kombination von 2 oder 3 verschiedenen Antibiotika mit einem Medikament, das die Magensäure hemmt, lassen sich Geschwüre erfolgreich behandeln.

Die Antibiotikatherapie des Magengeschwürs war eine der großen Fortschritte in der inneren Medizin der letzten Jahrzehnte.

Ermutigt durch die Erfolge beim Magengeschwür wurde immer wieder versucht, auch den Reizmagen mit Antibiotika zu behandeln. Doch die Erfolge blieben aus. Ein Zusammenhang mit dem Übeltäter Helicobacter ließ sich nicht nachweisen. 


Schlafqualität

Kaum etwas beeinflusst das Wohlbefinden so sehr wie der Schlaf. Einige Nächte voll von unruhigem, sorgenvollem, oberflächlichem Schlaf, der immer wieder durch Wachphasen unterbrochen wird, macht Menschen reizbar und gedrückt, beeinflusst die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit.

Untersuchungen zeigen, dass sich der Schlaf auch auf Magen und Darm auswirkt. Je erholsamer der Schlaf, desto ruhiger und entspannter verhält sich auch der Verdauungstrakt. Fühlt man sich jedoch morgens zerschlagen, dann reagiert auch der Magen verstimmt. 

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Angst

Wesentlich für die Beschwerden ist die Bedeutung, die sich mit den Symptomen verbindet. Nach einer überschweren Mahlzeit leiden die meisten Menschen unter einer erhöhten Last mit dem Leib. Doch diese ist erklärlich und löst höchstens Sorgen wegen der Folgen für die schlanke Linie aus.

Anders jedoch, wenn unerklärliche Beschwerden nach einer normalen Mahlzeit auftreten. Richtet sich dann die Aufmerksamkeit voller Bedenken auf den Bauch, führt dies zu einem unwillkürlichen Absinken der Reizschwelle. Kommt nun die Angst vor einer schlimmen Krankheit, z.B. Magenkrebs, hinzu, ergibt sich leicht ein Zirkel von erhöhter Aufmerksamkeit, Angst, Absinken der Reizschwelle und vermehrten Symptomen.

Ungünstig ist auch, wenn Ärzte gefährlich klingende Verdachtsdiagnosen stellen oder immer neue Untersuchungen nur weitere Unsicherheit nach sich zieht.