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Ursachen des Reizdarmes

Liest man medizinische Fachartikel, so beginnt das Kapitel zu den Ursachen in der Regel mit dem Hinweis, dass die Herkunft der Beschwerden „unklar“, „komplex“ oder „noch nicht verstanden“ sei.

Doch es gibt eine Reihe von spannenden Erkenntnissen über das Krankheitsbild, die sich sehr gut in die anderen Beschwerdebilder einfügen, die in diesem Buch beschrieben werden. 


Erhöhte Sensibilität: Kern der Problematik

Eines der wichtigsten Ergebnisse ergab sich aus Dehnungsversuchen des Magen-Darm-Traktes. Dazu wurde eine Magenspiegelung durchgeführt und ein kleiner Ballon aufgeblasen, der sich an der Spitze des Endoskops befand. Auf dies Weise war es möglich, Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm gezielt aufzudehnen. Die interessante Frage war, wie reagieren Patienten mit Reizmagenbeschwerden auf diesen Dehnungsreiz?

Wenn Sie sich bereits ein wenig mit Fibromyalgie und verwandten funktionellen Störungen beschäftigt haben, werden Sie vom Ergebnis kaum überrascht sein. Patienten mit Reizmagen- und Reizdarmbeschwerden reagierten weitaus sensibler als Kontrollpatienten. Kurz, sie wiesen eine erhöhte Empfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes auf.

Vieles deutet darauf hin, dass eine ganze Kaskade von erhöhter Sensibilität die Beschwerden erklärt und damit große Ähnlichkeiten mit chronischem Schmerz aufweist. Sie beginnt bei den Nerven von Magen und Darm, setzt sich im Rückenmark fort und endet in übermäßiger Gehirnaktivierung, wie sich mit modernen Untersuchungstechniken (fMRT) feststellen lässt. Daneben wird eine fehlende Dämpfung der Reizflut im Rückenmark diskutiert, ganz wie dies bei Schmerzerkrankungen bekannt ist.

Diese erhöhte Sensibilität bezieht sich nicht nur auf Dehnreize. Der Verdauungskanal scheint auch auf seine eigenen Bewegungen, Säurereize, Gallenflüssigkeit oder Nahrungsmittel übermäßig zu reagieren.

Aus meiner Sicht ist dies der biologische Kern der Problematik. Gleichwohl kommen weitere Faktoren hinzu.