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Medikamente bei Reizdarm

Wie bei vielen Beschwerden, die in diesen Seiten beschrieben sind, spricht auch der Reizmagen gut auf Placebos an. Mit den an sich wirkungslosen Tabletten ist der Körper in der Lage, Selbstheilungskräfte anzustoßen.  Bis zu 60% der Patienten reagieren auf solche Scheinpräparate. Bei einer so hohen Selbstheilungsquote kann es gut sein, dass manch altes Hausmittel und auch klassische Medikamente, auf die seine Anhänger schwören, sich in Wahrheit als Placebo entpuppen. 


Keine Antibiotika

Wie erwähnt macht es überhaupt keinen Sinn, Antibiotika gegen Helicobacter einzunehmen, da dieser Keim zwar Magengeschwüre, nicht jedoch einen Reizmagen verursacht. 


Reagiert der Magen sauer?

Beim Reizmagen liegt auch keine vermehrte Säureproduktion vor. Die Säureproduktion zu reduzieren, erscheint daher nicht sinnvoll zu sein, da ja nur eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber der Säure vorhanden ist.

Dennoch kann ein sog. Protonenpumpenhemmer, ein Medikament, das die Säurebildung hemmt, zumindest zeitweise Erleichterung verschaffen. Ist weniger Salzsäure im Magen, reagieren die sensiblen Nerven weniger gereizt. Omeprazol ist der am häufigsten verschriebene Wirkstoff. Es gibt Studien, die eine Überlegenheit von Omeprazol gegenüber Placebos zeigen. Das gilt besonders, wenn Sodbrennen vorhanden ist. Allerdings darf die Wirksamkeit auch nicht überschätzt werden. Der Effekt ist nicht sehr ausgeprägt. Dass ausgerechnet Bauchschmerzen, Brechreiz, Blähungen und Durchfall zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen, muss allerdings einschränkend erwähnt werden.

Die Säurekiller sind daher nicht als Dauermedikation geeignet und eher etwas für schlechte Tage. Letzte Einschränkung: Zwar gibt es Empfehlungen von verschiedenen Fachgesellschaften, aber von Seiten der Krankenkassen besteht für diese Art der Verschreibung keine Zulassung. Noch etwas weniger wirksam sind die Säureblocker (H2-Antagonist). Ein typischer Wirkstoff ist Ranitidin. 


Prokinetika

Eine andere Substanzklasse versucht, die Bewegung im Magen-Darm-Trakt zu beeinflussen. Man bezeichnet sie als Prokinetika (Kinetik = Bewegung). Zwar gibt es kleinere Studien mit positiver Wirkung, doch ist deren Qualität weniger gut und es fehlen Langzeitergebnisse.

Auch Metoclopramid beeinflusst die Motorik des Magens. Allerdings wird nicht nur der Verdauungstrakt, sondern auch die Bewegung anderer Muskeln beeinflusst. Bis zu 10% der Behandelten bekommen Bewegungsstörungen, Müdigkeit, Unruhe, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Eine Langzeitanwendung ist ungünstig, da nach längerer Einnahme bleibende Bewegungsstörungen (sog. Spätdyskinesien) nicht ausgeschlossen sind. 


Antidepressiva

Antidepressiva führen einigen Studien zufolge zu einer Besserung der Symptomatik. Da Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Verstopfung gerade in höherer Dosis sehr verbreitet sind, empfiehlt sich eine sehr niedrige Dosis. 


Pflanzliches gegen Reizdarm

Pflanzliche Hausmittel haben in der Regel weniger schädliche Nebenwirkungen. Am bekanntesten sind Kamille und Pfefferminze, für deren Wirksamkeit auch wissenschaftliche Studien vorliegen. Ebenso effektiv ist Ingwer. Ingwerwurzel ca. 10 Minuten gekocht ist nicht nur wohlschmeckend, sondern vertreibt auch die Übelkeit.

Andere Hausmittel sind etwa Kümmel oder Bitterstoffe wie Wermut-Tee. (Merkspruch: „Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund“).