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Unspezifische Therapie

Die Therapie ist für die betroffenen Frauen oft recht frustrierend. Viele nehmen in Verkennung der Ursachen über längere Zeit Antibiotika ein, die natürlich nicht wirksam sein können, da keine bakterielle Infektion vorliegt. Die Bakterienkiller können jedoch zu unangenehmen Nebenwirkungen führen. Scheidenpilze und Magen-Darm-Beschwerden sind hier am häufigsten.

Wirksamer sind alle Maßnahmen, die zu einer Anhebung der Reizschwelle führen. Dabei zeigt die Forschung, dass es eine breite Überlappung der Beschwerdebilder gibt. So lassen sich z.B. Reizblasenbeschwerden bessern, wenn die Reizdarmsymptomatik nachlässt.

Bei der Therapie des Fibromyalgiesyndroms sind viele dieser Maßnahmen ausführlich dargestellt.


Pflanzliche Medikamente und Tees

Häufig werden bei der Reizblase pflanzliche Medikamente eingesetzt. Ihre Wirkungsweise ist in vielen Fällen nicht sicher nachgewiesen. Wie bei allen funktionellen Störungen ist eine Placebo-Wirkung nicht zu unterschätzen.  Da die Naturheilmittel jedoch nur wenige Nebenwirkungen aufweisen, spricht kaum etwas gegen einen Therapieversuch. Preiselbeere, Bärentraube, Birke, Brennnessel, Sägepalme, Goldrute, Hauhechel, Kürbis, Pestwurz, Schachtelhalm, Wacholder, Süßholz, Sandelholz werden meist als Tee verwendet. Die therapeutische Wirkung des heißen Wassers darf nicht unterschätzt werden.

 


Anticholinergika

Medikamentös lässt sich der überaktive Parasympathikus hemmen. Dieser Teil des Nervensystems benützt als Überträgerstoff (Neurotransmitter) das kleine Molekül Acetylcholin. Es gibt nun Substanzen, die eine Wirkung des Acetylcholins am Rezeptor aufheben. Man bezeichnet sie als Anticholinergika. Werden sie eingenommen, wird der Parasympathikus gehemmt. Der quälende Harndrang kann gebessert werden. Allerdings ist das Ausmaß der Besserung in der Mehrzahl der Fälle nicht so groß wie die Betroffenen es sich wünschen. In einer Reihe von Studien war die Wirkung der Anticholinergika nicht viel besser als die von Placebos.

Gleichzeitig hemmen die Präparate den Parasympathikus auch an anderer Stelle. Die Folge sind Mundtrockenheit, Herzklopfen, Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen, innere Erregung und andere Symptome. Ob eine medikamentöse Therapie mit Anticholinergika sinnvoll ist, muss man also im Einzelfall abwägen. 


Blasenschrittmacher

In verzweifelten Fällen mag auch ein Versuch mit einem Blasenschrittmacher überlegt werden. Dabei werden Elektroden so in die Blasenregion eingeführt, dass die Nerven der Blase gezielt stimuliert werden können. Diese Therapie wird sonst bei querschnittsgelähmten Patienten eingesetzt. 


Beckenbodentraining

Sinnvoll und wirksam ist jedoch ein Beckenbodentraining, das wie alle Trainingsmaßnahmen zu einer Anhebung der Reizschwelle führt. Der Beckenboden wird unempfindlicher und kräftiger, was sich positiv auf die Blasenbeschwerden auswirkt.

Beckenbodentraining kann vom Arzt verordnet werden. Physiotherapeuten zeigen den Betroffenen, wie sich diese Muskelgruppen aktivieren lassen. In der Praxis muss man jedoch einiges an Disziplin aufbringen, um die Übungen im Alltag regelmäßig durchzuhalten.

Schneller geht es mit einem Vibrationstraining. Auf einer vibrierenden Platte (z.B. Galileo-System) wird die Frequenz so gewählt, dass sich der Beckenboden reflektorisch ca. 15 Mal pro Sekunde zusammenziehen muss. So können in wenigen Minuten viele tausend Trainingszyklen erreicht werden, wodurch sich in kurzer Zeit eine erhebliche Wirkung erzielen lässt. Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche sind in vielen Fällen bereits ausreichend.


Blasentraining

Optimales Therapeutikum!

Statt das Trinken einzuschränken, ist das Gegenteil richtig. Die Trinkmenge sollte zwei bis drei Liter umfassen. Es muss nicht unbedingt Nieren-Blasen-Tee sein. Allerdings sind reizende Getränke wie Kaffee, Schwarztee, Cola oder Alkohol weniger günstig. Sicherlich ist es auch besser, die meiste Flüssigkeit morgens zu sich zu nehmen. Wer vor dem Zubettgehen viel trinkt, muss sich nicht über die gestörte Nachtruhe wundern.

Der Gang zur Toilette sollte nun bei einsetzendem Harndrang verzögert werden. Am Anfang wird das nicht lange möglich sein. Doch mit Geduld und Hartnäckigkeit wird es gelingen, die Zeitdauer bis zur Entleerung langsam auszudehnen. Es ist nicht nötig, solange zu warten, bis Schmerzen einsetzen. Man sollte noch ruhigen Schrittes den Gang zum rettenden Örtchen schaffen. Dort wird die Blase in einem Zug entleert, ohne den Urinstrahl anzuhalten. 


Multimodale Therapie

Ist die Reizblasensymptomatik ausgeprägt oder ist sie mit anderen Beschwerden wie Fibromyalgie, Reizdarm, Verstopfung, Migräne, starker Abgeschlagenheit, Ängsten oder Depressionen verbunden, dann wird ein einzelnes Behandlungsverfahren nicht ausreichend sein. In solchen Fällen sind  multimodale Therapieverfahren sinnvoll, wie sie auch bei anderen funktionellen Störungen, z.B. chronischen Beckenbodenschmerzen, Schmerzsyndromen wie Vulvodynie, Fibromyalgiesyndrom oder Reizdarmbeschwerden, eingesetzt werden. 


Film

Einen ersten Überblick über eine multimodale Therapie erhalten Sie in diesem Film. Hier geht es um funktionelle Störungen im Allgemeinen, nicht um die Reizblasensymptomatik. Der Film zeigt jedoch die Art unseres Ansatzes.

Häufig führen wir bei langjährigen oder hartnäckigen Beschwerden zweiwöchige Intensivtherapien durch, um zügig Erfolge möglich zu machen.