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Bakterien - die kleinen Helfer

Bisher haben Sie also die zwei wichtigsten Prinzipien der Pilztherapie kennengelernt. Eine dritte Möglichkeit liegt darin, sich die natürliche Gegnerschaft von Pilzen und Bakterien zunutze zu machen.

 

In unserem Verdauungstrakt exisitieren eine kaum überschaubare Anzahl von Mikroorganismen. Normalerweise denken wir nicht daran. Vielleicht schaudert Sie es auch ein wenig, wenn Sie an Ihre Mitbewohner denken. Doch dies wäre nicht angebracht. Jeder Mensch hat seine "Hauskeime" mit denen er in Harmonie lebt und von denen er in hohem Maße profitiert.


Billionen von Lebewesen in unserem Körper

Azidophilus (Quelle: Bacteriology at UW-Madison)

Über das hochkomplexe Zusammenleben der Bakterien in unserem Verdauungstrakt möchte ich Ihnen noch einige Informationen geben:

 

Die Besiedelung des Magen-Darm-Traktes mit Mikroorganismen beginnt beim Menschen bereits in den ersten Stunden nach der Geburt. Werden Babys gestillt findet man nach sehr kurzer Zeit Bifidobakterien in hoher Konzentration. Ist ein Baby gerade eine Woche alt, sind schon etwa eine Milliarde dieser Nützlinge in jedem Gramm Stuhl anzutreffen. Weitere Bakterien folgen nach kurzer Zeit: Escherichia-coli-Stämme, Laktobazillen, Enterokokken, Bacteroides und Bifidobakterien. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Nischen und Taschen durch diese Nützlinge dicht besiedelt. Unter normalen Umständen werden sie das Baby ein Leben lang begleiten.

Die Bedeutung dieser Darmflora ist bisher nur zum Teil verstanden. Dabei sind die reinen Zahlen beeidruckend: rund 100 Billionen Keime sind hier anzutreffen. Damit liegt die Gesamtzahl weitaus höher als die Zahl unserer eigenen Körperzellen. Man könnte sagen, daß der Mensch gegenüber seinen Mitbewohnern in der Minderzahl ist!

Diese harmlosen Keime übernehmen eine Schutz- und Barrierefunktion. Sie besetzen jede freie ökologische Nische und verteidigen diese gegen alle neu ankommenden Mikroorganismen. Außerdem fühlt sich unsere Darmschleimhaut ausgesprochen wohl, wenn sich die gewohnten Keime auf ihr befinden. Sie wird auf diese Weise stabiler und dichter. Damit ist es für Krankheitserreger schwer oder unmöglich einen Lebensraum im Darm zu erobern.

 

Dies ändert sich, wenn die nützlichen Keime beispielsweise durch Antibiotika reduziert werden. Jetzt exisitieren Freiräume, auf denen andere Keime - z.B. Pilze - sich vermehren können. Andere Störungen sind chronische Darmerkrankungen oder Abwehrschwächen.

 

In diesem Fall liegt es nahe, zusätzlich zu Diät und medikamentöser Therapie auch die nützlichen Mikroorganismen wieder anzusiedeln. Die Lücken, die durch das Antimykotikum (Anti-Pilz-Mittel) entstehen, sollen durch die richtigen Bakterien schnell wieder geschlossen werden.

 

Man kann diese Keime in Reinform als Kapseln zu sich nehmen. Zwei davon wirken sich vorwiegend im Dünndarm positiv aus: Es sind die Acidophilus-Arten (z.B. Paidoflor®) und Bifidobakterien (z.B. Eugalan®). Andere Bakterien sich vorwiegend im Dickdarm (z.B. Mutaflor®). Auf jeden Fall sollten Sie diese Möglichkeit nützen, wenn Sie unter wiederkehrendem oder sehr hartnäckigem Pilzbefall leiden.


Probiotischer Joghurt

Statt die hilfreichen Bakterien als Kapseln zu schlucken besteht noch eine genussreichere Möglichkeit: man kann die lebenden Helfer auch im Joghurt zu sich nehmen.

Es gibt zahlreiche Firmen, die sog. probiotische Joghurtarten anbieten. Studien über den Erfolg bei Pilzen sind mir nicht bekannt. Allerdings hat eine englische Studie Erfolge bei Durchfallerkrankungen erbracht.


Selbst hergestellter Kefyr oder Tee

Vielfach liest man über die Wunderwirkung von bestimmten Kefyr-Kulturen oder auch die wohltuende Wirkung von bestimmten Tee-Pilzen. Solche Pilzstämme werden dann von Familie zu Familie weitergegeben und immer wieder neu vermehrt. Ist dies auch als Mittel gegen einen Candida-Befall sinnvoll? - Leider nein! Wenn ein solcher Pilz lange Zeit im Haushalt vermehrt wird, setzen sich alle nur denkbaren Wildkeime in das Myzel hinein. Was sich dann zum Schluß vermehrt, ist kaum mehr kontrollierbar. So kann es sein, daß Sie zum Schluß täglich unzählige Schädlinge ohne Ihr Wissen aufnehmen. In den Molkereien wird dagegen die Reinheit des Bakterienstammes ständig kontrolliert.