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Antibiotika

Die wichtigste Gruppe sind die Antibiotika. Keine andere Gruppe von Arzneimitteln verbessert die Chance des Pilzwachstums so sehr wie diese. Hauptproblem ihrem Einsatz ist ihre Einwirkung auf den Verdauungstrakt. In diesem konkurrieren normalerweise sehr viele Bakterien mit einer vergleichsweise geringeren Anzahl von Pilzen. Die Bakterien halten die Pilze durch verschiedenen Mechanismen in Schach. Vor allem Milchsäure produzierende Bakterien (z.B. Laktobazillen und Bifidobakterien) und einige Coli-Stämme sind von großem Nutzen. Sie sind in der Lage, pilztötende Substanzen zu produzieren bzw. eine saures Milieu zu erzeugen, das den Hefen nicht zuträglich ist.

 

Wenn Sie nun ein Breitspektrum-Antibiotikum einnehmen, also eines, das alle Bakterien gleichermaßen angreift, so gehen neben den Krankheitserregern auch die empfindlichen Nützlinge unter den Darmbewohnern zugrunde. Jetzt sind die Hefepilze endlich von den lästigen Konkurrenten befreit und können sich ausbreiten. Von einer Verdoppelung bis zum tausendfachen Anstieg der Kolonienzahl reicht das Spektrum der Hefevermehrung!

 

Eine wesentliche Erklärung für die Zunahme der Pilzerkrankungen in den letzten 50 Jahren liegt also in der Einführung der Antibiotika in diesem Zeitraum.

Zwar sind Antibiotika gelegentlich unabdingbar und lebensrettend, aus meiner Sicht werden sie jedoch in den vielen Fällen zu schnell, zu häufig und letztendlich oft unnütz (d.h. nicht gezielt) eingenommen. Immer wieder werden sie auch gegen virale Erkrankungen eingesetzt, gegen die sie erwiesenermaßen unwirksam sind.

Bei meinen Patienten gelingt es mir in den meisten Fällen, auf den Einsatz von Antibiotika zu verzichten. Allerdings fordert dies vermehrte Aufklärung und Zusprache sowie auch aktive Mitarbeit des Patienten. Doch hierbei erweist sich so manch altes Hausmittel ebenso effektiv wie einer der Bakterien-Killer.

In manchen Fällen (z.B. bei einer Lungenentzündung) sind Antibiotika allerdings nicht zu vermeiden. Müssen Sie aber dann in diesem Fall befürchten, den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben zu haben? Nein, denn nicht alle Medikamente sind gleich schädlich. Wenn also eine Auswahlmöglichkeit besteht, d.h. ein Keim gegen mehrere Antibiotika empfindlich ist, so empfiehlt sich auf ein klassisches Penicillin- oder Tetracyclin-Präparat zurückzugreifen, das ein Pilzwachstum nur in geringem Maße fördert. Breitspektrum-Antibiotika fördern dagegen das Pilzwachstum deutlich stärker.

 

Im Anschluß an eine antibiotische Therapie können Sie dann in einem zweiten Schritt nützliche Bakterien erneut ansiedeln. Dies gelingt durch die Einnahme von Bakterien in Reinform, die als Kapseln oder Kautabletten erhältlich ist ( Reihe von anderen lebenden Bakterien sind als Kapseln zur Einnahme erhältlich (z.B. Mutaflor®, Omniflora®, Paidoflor® u.a.).

Schließlich sollte man nach einer längeren Einnahme von Antibiotika überprüfen, ob sich Pilze in größeren Mengen im Stuhl befinden. Dies gilt besonders bei Menschen, die geschwächt sind oder zu Krankheiten wie Allergien und Darmproblemen neigen.

 


Kortison

Ein weiteres Medikament, das in den letzten 50 Jahren großzügig eingesetzt wurde, ist das Kortison. Es wirkt sehr stark entzündungshemmend und wird deshalb gegen die unterschiedlichsten Entzündungen eingesetzt. Allerdings unterdrückt es gleichzeitig auch unsere normale Immunabwehr. So kann sich unter der Einwirkung von Kortison der Körper nur erschwert gegen Mikroorganismen wehren. Dies gilt für Bakterien, Viren und Pilze gleichermaßen.

Eine einmalige bzw. kurzfristige Anwendung eines Kortisonpräparates fügt uns keine großen Schaden zu, selbst wenn es in hoher oder höchster Dosierung gegeben wird. Infektionsgefährdet sind jedoch Menschen, die gezwungen sind, Kortison über einen längeren Zeitraum hinweg einzunehmen. Beispiele hierfür sind Rheumatiker, Asthmatiker, Allergiker oder Menschen mit einer Krebserkrankung.

Kortison fördert das Pilzwachstum nicht nur, wenn es in Tablettenform eingenommen wird. Eine kortisonhaltige Salbe schädigt ebenso die Abwehrleistung der Haut an der behandelten Stelle. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kommt es auch bei einer längeren Anwendung von Kortison als Spray (z.B. bei Asthma) zu einem erhöhten Infektionsrisiko.


Hormone

Seit etwa 30 Jahren ist bekannt, daß die Einnahme der Anti-Baby-Pille mit vermehrtem Scheidensoor (Candida-Infektion) verbunden ist. Dabei ist wahrscheinlich der Östrogenanteil der "Pille" für das Infektionsrisiko verantwortlich. Je länger die Pilleneinnahme dauert, desto wahrscheinlicher wird ein Befall mit Candida. Allerdings ist der Einfluß der Pille geringer als der von Antibiotika. Bei weitem nicht jede Frau, die die Pille nimmt, erkrankt deswegen an einem Soor.

 

 


Magentabletten

Häufig verordnete Magentabletten, sogenannte "Säureblocker", gehen ebenfalls mit einem erhöhten Pilzrisiko einher. Die Wirksubstanz "Cimetidin", von der die Rede ist, verhindert die Sekretion von Säure im Magen und soll auf diese Weise helfen, daß Magengeschwüre schneller abheilen.

Warum diese Tatsache Pilze leichter wachsen läßt, war lange Zeit umstritten. Wahrscheinlich können sich die Pilze bei geringerem Säuregehalt des Magensaftes leichter an der Magenwand festhalten.

Sie besiedeln dann die schwächste Stelle, nämlich das Magengeschwür. So kommt es dann zu hartnäckigen Magenbeschwerden, die nicht abheilen wollen. Nimmt der geplagte Patient dann noch mehr von den Magentabletten oder gar ein Antibiotikum, dann kann er leicht in einen Teufelskreis geraten, aus dem nur schwer zu entrinnen ist.


Chemotherapeutika

Nach den bisherigen Ausführungen wird es Sie nicht weiter überraschen, daß Medikamente, die zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden, in hohem Maße Hefepilzinfektionen nach sich ziehen. Hier kommt neben der Schwere der Erkrankung auch noch die nebenwirkungsreiche Therapie hinzu. Auch die Strahlentherapie, die eine Chemotherapie häufig begleitet, stellt eine erhebliche Belastung des Immunsystems dar.

 

Die Vermehrung der Pilze ist bei der Krebstherapie daher eine häufige, aber keineswegs belanglose Begleiterscheinung. Pilze tragen nämlich von sich aus zu einer zusätzlichen Schwächung der Abwehr bei.

 

Es ist deshalb sinnvoll, sehr genau auf die Belastung des Körpers mit Hefepilzen zu achten, wenn solch eine Krebsbehandlung unausweichlich ist. In den meisten Kliniken ist es üblich, einen Soor (Candida-Erkrankung) erst dann zu behandeln, wenn er durch weiße Beläge (z.B. in Mund) nicht mehr zu übersehen ist. Dies ist jedoch bereits ein Spätzeichen dieser Erkrankung. Wenn irgend möglich, sollte deshalb immer bereits im Vorfeld versucht werden, Pilze aus dem Darm oder anderen Schleimhäuten zu entfernen, damit sie sich nicht unter der Therapie ausbreiten. Daher sollte man vor, während und nach der Chemotherapie nach Pilzen fahnden und diese bekämpfen, sobald die angelegte Kultur positiv ist. Damit erspart man dem Patienten eine potentiell gefährliche Erkrankung und eine zusätzliche Einschränkung seines angeschlagenen Immunsystems.