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Therapie

Oft ist die Einmaltherapie zum Schlucken nicht ausreichend.

Auf die allgemeinen Grundsätze der Pilztherapie bin ich bereits eingegangen. Einige Besonderheiten der Behandlung des Scheidenpilzes möchte ich jedoch hier erwähnen.

Bleibt der Scheidenpilz ein einmaliges Ereignis, so ist die Therapie unkompliziert. Meist reicht die Verabreichung von Scheidentabletten und -cremes aus, um die Beschwerden zu beheben (siehe unten).

 

Beispielsweise können Sie Nystatin-Scheidentabletten und Nystatin-Creme benützen, die von vielen Firmen angeboten werden. Ob es sinnvoll ist, nach den Ursachen zu forschen, d.h. einen Darmpilz auszuschließen, hängt vom Einzelfall ab.

 

Dies ist spätestens der Fall, wenn sich Scheideninfektionen häufen. Dann sollte in jedem Fall der Stuhl untersucht werden. Falls eine krankmachende Hefe gefunden wird (was in der Regel der Fall ist), muß diese mitbehandelt werden. Dann sollten auch alle Behandlungsgrundsätze beachtet werden, die für die Therapie des Darmpilzes gelten .

 

In den letzten Jahren werden Scheidenpilze immer häufiger mit der einmaligen Gabe einer Tablette behandelt (z.B. Fungata®) . Über diese Therapie bin ich bei chronischen Scheidenpilzen nicht glücklich. Zwar wird der Scheidenpilz vorübergehend dezimiert, es gelingt jedoch kaum, alle Hefen in der Scheide vollständig zu entfernen. Die gleichzeitig anwesenden Darmpilze werden so auf keinen Fall bekämpft, und es kann dann leicht zu erneuten Infektionen kommen.

 

Eine erfolgreiche Pilztherapie besteht also in einer vollständigen Entfernung des Pilzes aus dem gesamten Körper und nicht nur aus der Scheide!

 

Ein weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Verbesserung des Scheidenmilieus. So sind beispielsweise Döderlein-Bakterien in Reinform erhältlich (z.B. Döderlein-Med® oder Vagiflor®), die sich leicht in die Scheide einführen lassen.


Medikamentöse Therapie der akuten Vaginalmykose (Scheidenpilz)

Bei der akuten Scheidenpilzerkrankung reicht es im Allgemeinen ein örtlich wirksames Medikament anzuwenden (meist in eine Kombipackung als Creme und Ovula). Hier gibt es zwei Substanzgruppen:

 

• Polyene mit den Wirkstoffen Nystatin, Pimaricin und Amphotericin B. Diese sind gut wirksam und werden gleichzeitig nicht resorbiert, so dass Nebenwirkungen selten sind.

• Imidazole mit den Wirkstoffen Clotrimazol, Miconazolnitrat, Econozolnitrat, Isoconazolnitrat und weitere. Aller sind praktisch gleichwertig in ihrer Wirkung. Eintagesbehandlungen sind bei manchen Präparaten möglich. (Diese Substanzen wirken interessanterweise auch gegen eine ganze Reihe von Bakterien!)

 

Generell dauert die Therapie nicht länger als drei Tage. Mit einer lokalen Therapie würde ich in aller Regel eine Behandlung beginnen, da sie weniger mögliche Nebenwirkungen hat.

 

Als Alternative kommt eine Therapie mit Tabletten in Frage. Zwei Substanzen stehen im Vordergrund:

• Fluconazol

• Itraconazol

Die Therapie ist kurz – oft nur eine Tablette. Allerdings bestehen Resistenzen gegenüber Candida glabrata und Candida krusei.

 

Früher wurde auch Ketoconazol eingesetzt, auf das man jedoch heute verzichten kann. In anderen Ländern wird auch eine Therapie mit Borsäurezäpfchen durchgeführt (600 mg täglich für 14 Tage). Diese ist weniger ihrer Nebenwirkungen in Deutschland und Österreich nicht (!) zugelassen und auch nicht empfehlenswert.

 

Der Therapieerfolg der unkomplizierten Scheidenpilzerkrankung ist hoch (ca. 80%) selbst wenn nur relativ kurz (3 Tage) behandelt wurde. Bei ausgeprägteren Entzündungen ist jedoch eine einwöchige Behandlung vorzuziehen.


Medikamentöse Therapie der chronischen Vaginalmykose (Scheidenpilz)

Das Hauptproblem der medikamentösen Therapie sind die chronischen Vaginalmykosen.

 

Hier reichen die lokalen Maßnahmen im Allgemeinen nicht aus. Hier müssen zusätzlich systemische Medikamente (also Tabletten) gegeben werden.

Wiederum werden die gleichen Substanzen wie bei der Akuttherapie eingesetzt.

Verschiedene Dosierschemata sind üblich.

 

Beispiel: Fluconazol 150 mg

1-2 x Mal pro Woche über 4-6 Wochen.

Anschließend 1x alle 2 Wochen etwa 4-6 Mal

Anschließend 1x alle 4 Wochen etwa 4-6 Mal

 

Die Erfolgschancen sind bei der medikamentösen Therapie allein ca. 50% nach Absetzen der Medikamente.

 

Vorsicht: Keine Selbsttherapie mit diesen hochwirksamen Präparaten ohne ärztliche Beratung und Überwachung möglicher Nebenwirkungen!


Therapie mit Joghurt?

Zum Essen sehr geeignet...

Einige Frauen versuchen, das Scheidenmilieu durch Joghurtkulturen zu verbessern. Hierzu wird ein Tampon in Joghurt getränkt und dann über einige Stunden in der Scheide belassen. Dieser nachvollziehbare Gedanke birgt jedoch eine Gefahr. Die an sich harmlosen Joghurtkulturen können sich im Scheidenmilieu ungünstig verändern. Sie können sogar aggressiv werden und dort mehr Schaden als Nutzen anrichten. Joghurt - damit ist der ungesüßte Naturjoghurt gemeint - ist allerdings als Nahrungsmittel sehr günstig. Er verbessert das Darmmilieu und damit die Abwehrkraft und ist daher auch bei Scheidenpilzen zu empfehlen. Allerdings eben nur als Nahrungsmittel!


Ernährungsumstellung

Der Magen-Darm-Trakt: Bei bis zu 25% der Bevölkerung ist er chronisch gereizt

Sollte man bei chronischen Vaginalmykosen (Scheidenpilzerkrankungen) auch auf Pilze im Magendarmbereich achten und diese ggf. behandeln? Kaum eine Frage wird kontroverser diskutierter als diese.

 

Was sind die gesicherten Tatsachen?

 

1. Das wesentliche Reservoir für die Erreger ist nicht die Scheide sondern der Mund-Nasen-Magen-Darm-Bereich.

 

2. Nimmt man einen genetischen Fingerabdruck von den Pilzen im Darm und vergleicht diesen mit den Pilzen in der Scheide, so findet man die gleichen Übeltäter.

3. Ebenso zeigt sich eine Übereinstimmung der Pilze zwischen den Partnern.

 

Obwohl die Tatsachen so gesehen für eine simultane Behandlung von Magen-Darm-Trakt und Scheide sprechen, zeigen Untersuchungen keinen zusätzlichen Nutzen.

 

Aus meiner Sicht ist es vermutlich zu kurzsichtig von einer schematischen zusätzlichen Therapie mit einem Antimykotikum (z.B. 3x2 Tabletten Nystatin) einen großen Effekt zu erwarten.

 

Die Zusammenhänge sind aus meiner Sicht komplizierter:

 

Ein großer Teil unseres Immunsystems (ca. 70%) ist entlang des Darms gelegen (Darmassoziiertes Lymphsystem). Ist der Darm chronisch gereizt kann es zu Irritationen und Beeinträchtigungen dieses Immunsystems kommen.

 

Bei vielen Patientinnen mit chronischen Vaginalmykosen (Pilzerkrankungen der Scheide) liegt gleichzeitig eine solche Reizung des Darms vor. Dies scheint ein wesentlicher Baustein für die Infektanfälligkeit der Scheide zu sein. Umgekehrt findet man bei Patienten mit Reizdarm vermehrt Pilze im Magen-Darm-Trakt.

 

Pilze im Magen-Darm-Trakt werden oft als „normal“ bezeichnet. In gewissem Sinn ist das auch richtig. Wir nehmen diese täglich auf und scheiden diese auch wieder aus (Kolonisation). Je beeinträchtigter unser Darm und unser Immunsystem jedoch ist, desto bessere Chancen haben jedoch Hefepilze sich vermehren. Sind sie dann in großen Mengen vorhanden, ist zumindest das Risiko für eine wiederkehrende Besiedelung der Scheide erhöht.

 

Aus diesem Grund ist mir die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes ein hohes Anliegen. Darmgesundheit heißt jedoch mehr als nur die Frage nach der Anwesenheit von Hefepilzen. Die Entfernung der Pilze dort ist damit nur ein Baustein der Therapie. Mehr dazu siehe den umfangreichen Beitrag zum Thema „Reizdarm“.


Und darüber hinaus?

Neben der Langzeittherapie mit einem Antipilzmittel und der Gesundung des Magen-Darm-Traktes kommt es bei wiederkehrenden Vaginalinfekten darauf an, das Immunsystem zu stärken.

Also: Stärkung der Widerstandskräfte des Körpers gegen einen an sich harmlosen Keim.

 

Doch dies ist leichter gesagt als getan. Vor allem sind die meisten medikamentösen Wege sehr enttäuschend. Weder Echinacea Präparate noch Vitamine sind in der Lage ein „schlappes“ Immunsystem ausreichend zu aktivieren.

 

Dagegen sind viele Formen des Trainings deutlich erfolgreicher, z.B.:

 

• Regelmäßige Bewegung und Sport

• Wärme- und Kältetraining (z.B. Wechselduschen oder Ganzkörperkältetherapie)

• Ausreichender erholsamer Schlaf

• Naturheilkundliche Verfahren

• Richtige Ernährung

• Abbau von chronischem Stress

• Abbau von üblichen Lastern (Nikotin usw. – Sie wissen schon...)

 

Hier beraten wir unsere Patientinnen und erarbeiten jeweils ein individuelles Selbsthilfe- und Behandlungsprogramm. Wie bei andere Krankheitsbildern auch ist unser Ziel, die Therapie möglichst bald auf Selbsthilfe umzustellen.

 

In der Anfangsphase hat die medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung einen größeren Stellenwert. Später reduziert sich diese Therapie rasch und die Vorbeugung (z.B. mit Medikamenten) steht im Vordergrund.