Header


Suche

 

Diagnostik von Pilzen im Verdauungstrakt

Candida albicans - der weißlich Glänzende - so die Bedeutung des Namens

Die wichtigste Untersuchungstechnik, um Pilze im Verdauungstrakt zu bestimmen, ist die Untersuchung des Stuhls. Hierzu wird eine Probe des Stuhls im Labor mit Wasser verdünnt und auf einen Nährboden aufgebracht. Nach einigen Tagen läßt sich ablesen, ob dort Pilze gewachsen sind.

So einfach die Methode ist, so wichtig ist es hier, einige Details zu beachten, sonst ist die ganze Mühe umsonst. Auch wenn man über dieses Thema nicht so gerne spricht, ist die richtige Entnahmetechnik für ein korrektes Ergebnis äußerst wichtig.

Vielleicht erinnern Sie sich daran, daß Pilze im Darm nicht gleichmäßig vorkommen, sondern in einzelnen "Nestern" leben. Genauso verhält es sich auch im Stuhl. Auf pilzbefallene Segmente folgen völlig pilzfreie Abschnitte.

 

Wenn Sie nun zufällig an irgendeiner Stelle eine einzige Stuhlprobe entnehmen, ist die Chance hoch, daß Sie leider "daneben gezielt" haben.

 

Die zweite Schwierigkeit: Einige Pilzarten (vor allem Candida albicans) haften sehr fest an der Darmwand und finden sich daher in der Stuhlprobe nicht, obwohl sie im Darm in großer Zahl vorkommen.


So wird´s gemacht

Nehmen Sie an den Tagen vor der Untersuchung reichlich Fasern zu sich, beispielsweise Vollkornprodukte, Gemüse, Salate oder Hafer- bzw. Weizenkleie. Dadurch werden die Pilze mechanisch aus dem Darmzotten herausgelöst.

 

Am Abend vor der Stuhlprobe trinken Sie ein Glas Wasser, das Sie mit einem Eßlöffel Obstessig angesäuert haben. Durch Säure wird nämlich die Fähigkeit der Hefen herabgesetzt, sich an der Darmwand festzuhalten.

 

Legen Sie vor dem Stuhlgang die Toilettenschüssel mit Küchenrollenpapier aus. So erleichtern Sie sich die Probenentnahme und verhindern ein vermischen des Stuhls mit dem Wasser.

 

Den Untersuchungsröhrchen beigefügt ist ein kleiner Glas- oder Plastikstab. Mit diesem sollte der Stuhl einige Male durchgerührt werden, um die Pilznester durchzumischen.

 

Mit dem kleinen Löffel, der den Röhrchen beiliegt, nehmen sie sechs bis acht Stuhlproben von verschiedenen Stellen. Man benötigt nicht viel Material für die Untersuchung.

 

Dieses Verfahren wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erreichen. Dies hat sich sehr bewährt: Immer wieder kommt es bei meinen Patienten vor, daß an zwei Tagen kein Pilze nachweisbar sind, während die dritte Stuhlprobe massenhaft von Candida-Arten besiedelt ist.

 

Die Stuhlproben sollten dann möglichst bald untersucht werden. Ideal ist es, wenn sie unmittelbar zum Labor gebracht werden. Allerdings halten die meisten Hefen, vor allem die Krankheitserreger, den Transport auch über den Postweg aus. Ein Versand in entsprechenden Versandtaschen ist also durchaus möglich.

 


Das Ergebnis der Stuhluntersuchung

Im Labor wird der Stuhl in den meisten Fällen zuerst mikroskopisch untersucht. Hierbei ergeben sich oft schon erste Hinweise auf einen Pilzbefall. Beispielsweise lautet eine erste Diagnose: "Massiver Befall mit Hefen".

 

Für eine genauere Diagnose müssen die Pilze erst auf einem Nährboden angezüchtet werden. Nach einigen Tagen ist es dann soweit: Die Pilze sind auf der kleinen Schale gewachsen. Nun lautet die Aussage: "Massives Wachstum mit einer Candida-Art".

 

Candida albicans

Um eine Candida-Art noch genauer zu bestimmen, werden die neu gewachsenen Pilze auf ihre biochemischen Eigenschaften untersucht. Vor allem die Art und Weise, wie sie unterschiedliche Zucker verdauen, gibt dann den letzten diagnostischen Aufschluß.


Was ist normal?

Die meisten Labors nennen neben der Art des gefundenen Keimes auch die ungefähre Anzahl. Üblicherweise wird die Anzahl der Keime bezogen auf ein Gramm Stuhlgewicht genannt. Die Nachweisgrenze liegt etwa bei 1000 Keimen pro Gramm. Alles was unter dieser Grenze liegt, wird als "pilzfrei" angesehen. Vielleicht erschrecken Sie, wenn eine solch große Zahl von Pilzen nicht nachweisbar ist. Man muß sie in das Verhältnis zu der Gesamtzahl von Keimen setzten, die in einem Gramm Stuhl enthalten sind. Diese liegt etwa bei 1000 000 000 (einer Milliarde) Keimen . In anderen Worten: Nicht nachweisbar sind Pilze, wenn ihr Anteil unter einem tausendstel Promille liegt.


Bewertung der Menge

Die übliche Abstufung sieht etwa so aus:

 

Unter 1000 nicht nachweisbar

1 000-10 000 spärlich

10 000-100 000 gering

100 000 - 1 000 000 reichlich

über 1 000 000 massenhaft


Bedeutung

Diese Wertungen ergeben einen ungefähren Anhaltspunkt über die Bedeutung der Pilze im Darm. Im allgemeinen bezeichnet man einen Pilzbefall ab 100 000 als krankhaft, wenn eine enstsprechende Symptomatik vorliegt. Allerdings ist die Mengenangabe mit erheblichen Fehlerquellen behaftet.

 

Pilze können sich bekanntermaßen sehr schnell vermehren. Aus einer "spärlichen" oder "nicht nachweisbaren" Menge kann sich innerhalb eines Tages ein "massenhafter" Befall ergeben, wenn die Bedingungen günstig sind (Immunschwäche, Medikamente, Nahrung).

 

Wenn eine Allergie auf Pilze vorliegt, können bereits minimale Mengen Beschwerden auslösen.

 

Pilze sind nicht alle gleich, es gibt Unterschiede in der Aggressivität.

Daraus folgt, daß es für die Bewertung einer Stuhlkultur keine starren Regeln gibt. Jeder Einzelfall muß unter Beachtung aller Symptome für sich alleine gewertet werden. Nur die Anzahl der Keime kann nicht alleine über die Frage einer Behandlung entscheiden. Auch eine geringe Anzahl von Hefen kann Schaden anrichten.

 

Unter Umständen können sogar an sich harmlose Pilze wie der Milchschimmel (ein Pilze der vielen Milchprodukten in der Molkerei zugesetzt wird) oder die Backhefe ein Problem werden. Leider gibt es hierfür noch kein sicheres Instrumentarium.

 

Möglicherweise kann man durch eine zusätzliche Bestimmung der Enzymaktivität des Pilzes einen Hinweis darüber erhalten, wie "bösartig" auch harmlose Darmbewohner werden können.

 

Falls Sie also unter typischen Beschwerden leiden, dann würde ich im Zweifelsfall zu einer Anti-Pilz-Behandlung raten, selbst wenn nur wenige Pilze oder auch "an sich" harmlose Arten gefunden werden. Es hängt eben vom Einzelall ab!