Wenn ich das folgende so ausführlich darstelle, hat das einen bestimmten Grund: Zahlreiche Publikumszeitschriften und Ratgeber veröffentlichen lange Listen von Nahrungsmittel, die man bei einer Hefepilzerkrankung meiden sollte. Sie umfassen eine bunte Mischung von Nahrungsmitteln und sehen z.B. aus wie folgt:
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Vorsicht: Diese Nahrungsmittel sind nur angeblich verboten!!! |
Alle Brotsorten und Backwaren, die mit Hefe hergestellt wurden,
d.h. "normales" Brot, alle Brötchen, Hefegebäck, süße Backwaren, Zwieback, Knäckebrot.
Alle Dosengemüse, in Essig eingelegte oder getrocknete Gemüse,
Sauerkraut, Fertiggerichte
Fertiggerichte wie Lasagne, Ravioli, Gnocchi usw.
Trauben, Beeren, Dörrfrüchte, Dosenobst
Kefir, Schmelzkäse, Weichkäse (Münster, Vacherin, Edelpilzkäse wie Camembert, Brie, Gorgonzola)
Alle Trockengewürze, Würzmittel, Fondor, Aromat, Würzmischungen,
Saucenwürfel, Bouillonwürfel, Würzsaucen.
Dosen- oder Beutelsuppen
Wurst und Wurstwaren, getrocknetes und geräuchertes Fleisch, fertige Fleischgerichte, Pasteten, Hackbraten, Schinken, alles Panierte
Fischgerichte und Fischkonserven, fertig panierte oder geräucherte
Fische.
Bier, Wein, Sekt, Fruchtsäfte, Obstwein, Limonaden, Colagetränke, gesüßte Mineralwasser, Ovomaltine usw.
Wie kommt es zu solchen Listen, die Sie vermutlich in nicht geringe Verlegenheit bringen würden, wenn Sie diese befolgen müßten. Was bleibt dann noch an Nahrungsmitteln übrig?
In solchen Aufstellungen mischt sich Wahres mit Unsinnigem! Überaus sinnvoll ist die Meidung von Süßem jedweder Art, somit auch von Obst, Trockenfrüchten, Fruchtsäften und süßen Erfrischungsgetränken. Auch das Weglassen von Weißmehlprodukten ist richtig und unstrittig.
Doch danach wird die Aufstellung schon sehr zweifelhaft. Es vermischen sich hier mehrere Gedanken, die nicht sauber getrennt sind: Wenn hier alle Hefeprodukte wie Backwaren (auch Vollkornbrot!), Essig, Bier usw. auf die schwarze Liste gesetzt werden, so wird davon ausgegangen, daß jede Candida-Erkrankung sowohl mit einer Candida-Allergie als auch mit einer Hefepilz-Allergie parallel geht. Beide Annahmen sind jedoch nicht korrekt.
Sämtliche anderen Lebensmittel, die sich noch auf der Liste befinden, haben gemeinsam, daß sie mit Hilfe von Schimmelpilzen oder deren Enzymen hergestellt wurden. Hier wird (fälschlicherweise!) wiederum davon ausgegangen, daß eine Candida-Erkrankung mit einer Candida-Allergie identisch ist und daß in jedem Fall auch eine Schimmelpilzallergie zwangsläufig damit verbunden sein muß. Nun haben Schimmelpilze und Candida-Arten zwar gemeinsam, daß sie zur Gruppe der Pilze gehören, ansonsten sind sie aber ziemlich verschieden. Vor allem aber lösen sie keineswegs immer gemeinsam Allergien aus.
Die Quelle des Mißverständnisses sind zwei Bücher von C.O. Truss und W.G. Crook , die zwischen 1982 und 1986 in den USA erschienen sind und in denen Candida-Erkrankungen für eine Unzahl von großen und kleinen Beschwerden verantwortlich gemacht wurden.
Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depression, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche, Vergeßlichkeit, Schlafstörung, Ein- bzw. Durchschlafstörung, vermehrtes Schlafbedürfnis, chronisches Müdigkeitssyndrom, Hyperaktivität, Verwirrtheit, Irritierbarkeit, Eßattacken, Gewichtszunahme, Übergewicht, Gewichtsverlust, vermehrte Körperbehaarung, Sehstörungen, brennende Augen, trockene/tränende Augen, Nachtblindheit, Migräne, Hörminderung, Taubheit, Tinnitus, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Paradontose, Mundgeruch, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Husten, Kurzatmigkeit, chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, Verdauungsstörungen, Colon irritabile, Pruritus ani (Juckreiz am Enddarm), Blähungen, Diarrhöe, Obstipation, abdominale Schmerzen (Bauchschmerzen), Prostatitis, Impotenz, Frigidität, Vaginalmykosen, Kolpitis, Endometriose, Cystitis, Pyelonephritis, prämenstruelles Syndrom, Ekzeme, Neurodermitis, Akne vulgaris, "schlechte Haut", Nahrungsmittelallergien, Hypoglykämie, Hypothyreose, Immunschwäche, Hepatitis, Arrhythmien, Mitralklappenprolaps, pectanginöse Beschwerden, chronische Polyarthrits, Arthralgien, Muskelschmerzen, Arthritis urica (Gicht), Muskelschwäche, Lähmungen usw.
Diese Aufstellung ist keineswegs vollständig, und man fragt sich, welche Krankheiten, nun eigentlich nicht durch Pilze verursacht werden.
Um keine weiteren Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Tatsächlich können Pilze verschiedenste, auch ernste Symptome verursachen, von denen einige in der obigen Liste aufgeführt sind. Das Problem liegt darin, daß solche Aufstellungen den Eindruck erwecken, der Pilz sei ganz oder doch hauptsächlich an all diesen Beschwerden beteiligt. Dem ist nicht so! Auch wenn Pilze vielfach unterschätzte Krankheitserreger sind, so sind sie doch nicht für alles und jedes verantwortlich. Die ungeheure Ausweitung des Krankheitsbegriffes "Pilzerkrankung", auf den praktisch jede Befindlichkeitsstörung zurückgeführt wird, hat auch seine völlige Bedeutungslosigkeit zur Folge.
Man könnte über dieses Kapitel als eine bedauerliche Verirrung hinweggehen, wenn es nicht einige sehr unerfreuliche Aspekte hätte:
Viele Menschen, die an Pilzerkrankungen leiden, fühlen sich von der "normalen" Medizin allein gelassen, da sie mit gewissem Recht den Eindruck haben, dort nicht ernst genommen zu werden. Sie machen sich daher auf die Suche nach andersartiger Hilfe. Wenn diese verunsicherten Menschen dann mit solchen Listen konfrontiert werden, müssen sie den Eindruck gewinnen, schwerst krank zu sein.
Derart verunsichert, sind sie dann bereit, über lange Zeit äußerst einschränkende Therapien auf sich zu nehmen. Teilweise werden große Menge an Medikamenten verschrieben, ohne daß es dafür eine Berechtigung gibt.
Schließlich führte die obige Fehlinformation dazu, daß sich viele Mediziner in ihrem Vorurteil bestätigt sahen, Pilze seien ein Randthema, das nur von Randgruppen ernst genommen würde.