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Therapie

Derzeit gibt es keine allgemein anerkannte Therapie bei MCS. Es werden sehr viele unterschiedliche Verfahren angeboten, die jedoch wissenschaftlich unzureichend überprüft sind. Im Bereich der Naturheilverfahren liegen eine Fülle von z.T. auch zweifelhaften Therapievorschlägen vor.  Ein von der etablierten Medizin häufig empfohlene psychotherapeutische/psychiatrische Therapie wird von sehr vielen Betroffenen abgelehnt, da die Symptomatik vorwiegend körperlich wahrgenommen wird. („Ich habe Beschwerden, bin aber nicht verrückt!“)

Hauptproblem bei der Therapie ist aus unserer Sicht die Meidung. Die Umwelt wird als bedrohlich wahrgenommen und immer mehr Reizstoffe aus dem persönlichen Umfeld entfernt. Dadurch kommt es jedoch nach kurzfristiger Besserung zu einer langfristigen Zunahme der Sensibilität (Prinzessin-auf-der-Erbse-Effekt).

Daher zielt die Therapie auf eine De-Sensibilisierung. Die Nase und alle weiteren Sensoren sollen sich schrittweise abgehärtet werden.  


Sanfte Konfrontation statt Meidung

Leider ist dies bei ausgeprägter Symptomatik keineswegs einfach. Wenn bereits kleinste Stoffmengen heftige Symptome (Atemnot, Übelkeit, Panik) erzeugen, dann ist eine Konfrontation selbst mit minimalen Dosierungen kaum möglich.

Wir haben daher lernen müssen, dass indirekte Therapieverfahren am Anfang günstiger sind. Es geht erst einmal um allgemeine Beruhigung, Entspannung und um eine Vermehrung von Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Solche Erfahrungen müssen „hautnah“ erlebt werden, sonst sind sie angesichts der bedrohlichen Beschwerden nicht wirksam genug. Wir setzen daher am Anfang auf sanfte Massagen, Wärme, Entspannung und ähnliche Verfahren. Parallel beginnt jedoch ein Abhärtungstraining, um das Vertrauen in die eigene Kompetenz zu stärken: Bewegung, Kältetherapie, Krankengymnastik und Muskelaufbau. Wichtig ist auch die Beruhigung der Sensoren des Magen-Darm-Traktes durch eine Schonkost mit langsamem Nahrungsaufbau. 

Ein sehr wesentlicher Teil ist die Atemtherapie. Wir konnten erkennen, dass bei praktisch allen Patienten mit MCS eine beschleunigte Atmung und ein erniedrigter CO2-Wert im Blut vorhanden sind. Normalisiert sich dieser Wert, kommt es parallel zu einer Erhöhung der Reizschwelle. 


Hochintensive Therapieverfahren

Ein weiteres Therapieprinzip ist das komplette Eintauchen in die Behandlung für kurze Zeit. Um so hartnäckige Beschwerden, die häufig als „unheilbar“ bezeichnet werden, erfolgreich zu behandeln, reicht es nicht, ein- oder zweimal pro Woche ein bestimmtes Verfahren durchzuführen. Wir setzen daher auf hochintensive Therapiemaßnahmen, die sich auf 4-6 Stunden tägliches Training erstrecken.

Anfangs stellt das eine Reizüberflutung dar. Doch wenn der Körper registriert, dass alle diese Signale (Druck, Berührung, Wärme, Kälte, Geschmack, Wahrnehmung der inneren Organe, Muskel- und Gelenkswahrnehmung) nicht bedrohlich sondern im Gegenteil wohltuend sind, geht die Reizschwelle wieder nach oben. Die erhöhte Sensibilität lässt nach, die Anspannung fällt ab, Vertrauen kehrt zurück.

Für die erhöhte Geruchsempfindlichkeit ist besonders die wiederholte Verbindung von Gerüchen mit wohltuenden Empfindungen (z.B. Massagen) wesentlich. Wenn über viele Stunden täglich Geruchsempfindungen mit Sicherheit und sogar Genuss assoziiert werden, lässt der Bedrohungscharakter der Geruchsempfindung nach, die Toleranz von „schwierige Gerüche“ nimmt zu.

Auch wenn Beschwerden über längere Zeit (z.B. Jahre) bestehen, bedeutet das nicht, dass eine Behandlung genauso lange dauern muss. Nach unserer Erfahrung ist es möglich, in zwei bis drei Wochen erhebliche Fortschritte zu erzielen.