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Intermittierende apparative Kompression

Apparative Kompression

Auf der Suche nach anderen Methoden der Kompressionsbehandlung, die einfach durchführbar sein sollten, entwickelte man Geräte zur vollautomatischen Therapie.

 

Im Prinzip werden bei dieser Behandlung eine Manschette um Arme oder Beine gelegt. Sie sehen wie überdimensionale Ärmel oder Hosen aus. Dort befinden sich Luftkammern, die von einem Kompressor rhythmisch aufgeblasen werden.

 

Anfänglich versuchte man sich mit Einkammersystemen, musste aber bald feststellen, dass es keine gute Idee ist, Druck gleichmäßig auf das Bein auszuüben. Wie bei Kompressionsstrümpfen muss an den Knöcheln der Druck höher als am Oberschenkel sein. Nur so verbessert man den Flüssigkeitsstrom in Venen und Lymphgefäßen.


12 Kammer Geräte

Heute arbeitet man mit Geräten, die pro Bein 12 Luftkammern besitzen. Sie füllen sich stufenweise von unten nach oben. Der Druck baut sich erst an den Füßen auf, wird dort aufrecht gehalten, während Schritt für Schritt die oben liegenden Kammern zugeschaltet werden. So wird die Flüssigkeit langsam nach oben aus dem Bein herausgedrückt. Nach ungefähr 30 Sekunden ist ein Zyklus beendet. Der Druck geht aus den Kammern heraus und eine neue Kompressionsrunde beginnt.

Der Druck muss für jeden Patienten individuell eingestellt werden und ist auch während der Behandlung änderbar. Zwischen und 30 und 60 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule - wie beim Blutdruckmessen) werden meist ausgeübt, wobei unter ärztlicher Aufsicht auch höherer Druck möglich ist. Eine Behandlung dauert meist ca. 30 Minuten.


Indikationen

Laut der offiziellen Leitlinien ist das Verfahren bei folgenden Erkrankung angebracht (indiziert):

 

• Thromboseprophylaxe

• venöse bedingte Ödeme (z.B. Krampfadern)

• posttraumatische Ödeme (nach Verletzungen)

• Ulcus cruris venosum (offenes Bein)

• Stauungszustände infolge Immobilitäten (Gelenkbedingtes Stauungssyndrom, Lähmungen und Teilparesen der Extremität)

• primäre Lymphödeme zusätzlich zur komplexen physikalischen Entstauungstherapie

• sekundäre Lymphödeme ohne proximale Sperre zusätzlich zur komplexen physikalischen Entstauungstherapie

• Lipödeme (Fettödem)

• Dependency-Syndrom

• arterielle Verschlußkrankheit mit Ödem unter strenger Kontrolle


Vorsichtsmaßnahmen

Wie auch nach einer Lymphdrainage sollten im Anschluß an die Kompressionstherapie Kompressionsstrümpfe angezogen werden, damit die Beine nicht wieder erneut anschwellen.

 

Die apparative intermittierende Kompressionstherapie wird beim Lipödem aber auch bei Lymphödem, bei venösen Ödemen und bei Ödemen anderer Art angewandt. Es handelt sich um eine sehr gut verträgliche, leicht anzuwendende Technik. Bei vielen tausend Anwendungen haben wir nie eine ernsthafte Nebenwirkung gesehen. Allerdings muss wegen der hohen Schmerzempfindlichkeit der Druck anfänglich oft niedrig eingestellt sein.

 

Es gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie jeder Kompressionstherapie. Eine Untersuchung durch einen Arzt ist nötig, um vor allem auf eine mögliche Herzerkrankung, hohen Blutdruck oder auch eine Wundrose auszuschließen.


Vergleich

Die Frage ist natürlich, welche Behandlung ist beim Lipödem besser: manuelle Lymphdrainage oder apparative Kompression?

 

Die Antwort ist sowohl unter Experten wie auch Patienten heiß umstritten. Studien zeigen einen in etwa vergleichbaren Effekt. Natürlich kann bei der manuellen Lymphdrainage sehr viel besser auf die individuellen Bedürfnisse eines Patienten eingegangen werden. Darüber hinaus kann die persönliche Behandlung, die Berührung und Zuwendung durch einen Menschen nicht mit einer maschinellen Therapie verglichen werden. Auf der anderen Seiten sagen viele Patienten, dass der Effekt der manuellen Lymphdrainage zeitlich sehr begrenzt ist und sie mit der apparativen Kompression besser zurecht kommen.

 

Doch meist geht es gar nicht darum, ob die eine Therapieform besser als die andere ist. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile und jeder Patient sollte die Therapie erhalten, die für ihn wirksam aber auch im Alltag realisierbar ist. Hier haben apparativen Verfahren einen unschätzbaren Vorteil. Sofern sie zuvor mit Erfolg beim Arzt oder in der Klinik angewandt worden sind und gewisse zusätzliche Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Arzt ein Heimgerät verordnen. Mit diesem kann man sich dann ein- oder mehrfach täglich selbst behandeln. Bis es genehmigt ist, kann es allerdings manchmal etwas dauern.