Um das Thema „Zellulitis und Lipödem“ besser zu verstehen, ist es nötig sich mit einem weiteren Gewebe des menschlichen Körpers zu beschäftigen, das leider einen schlechten Ruf hat: das Fettgewebe. Zu Unrecht, möchte man spontan ausrufen, da ein Leben ohne Fettgewebe wenig erfreulich wäre. Zuerst einige Fakten einem Teil des Körpers, mit dem immer mehr Menschen ihre besondere Last haben.
80% des Körperfettes ist direkt unterhalb der Haut gespeichert. Wie bereits dargestellt benötigen wir als Menschen dieses isolierende Depot, da wir keine wärmendes Fell wie unsere Vorfahren, die Affen, besitzen. Fett isoliert gegen Kälte, schützt gegen Stöße und gibt dem Körper erst ein glattes, ästhetisches Aussehen.
Zwischen 15-25% des Körpergewichtes sollte bei einer normalgewichtigen Frau der Anteil des Fettgewebes ausmachen (bei Männern 10-20%). Es können auch ein paar Prozent mehr sein, ohne dass man gleich von Übergewicht sprechen müsste. Dieser Energiespeicher reicht aus um bei genügender Flüssigkeitszufuhr einen guten Monat ohne jede Nahrung auszukommen. Müsste man diese Menge in Form von Kohlenhydraten speichern, würde sich das Körpergewicht glatt verdoppeln – keine angenehme Vorstellung.
Neben dem sog. Depotfett, also z.B. dem Unterhautfett, gibt es auch ein Baufett. Man findet es an den Handflächen, dem Kniegelenk, den Wangen oder auch hinter den Augen. Die Aufgabe dieses Baufettes besteht, wie der Name schon sagt, in einer mechanischen Stabilisierung. Es wird bei einer Gewichtsabnahme zunächst nicht angegriffen. Er bei massiven Hungerzuständen wird es abgebaut. Ein Mensch mit hohlen Wangen und tief liegenden Augen ist so das Sinnbild der Auszehrung.

Wenig bekannt ist eine weitere Fettart, das braune Fett. Es ist vor allem im Tierreich verbreitet, z.B. bei Nagern oder Tieren, die einen Winterschlaf halten. Im Gegensatz zum weißen hat das braune Fett in jeder Zelle tausende von winzigen Energiefabriken (Mitochondrien), die in der Lage sind, sehr viel Wärme zu erzeugen. Mit Hilfe des braunen Fettgewebes schafft es etwa ein sibirischer Hamster der sprichwörtlichen sibirischen Kälte erfolgreich zu trotzen. Das Fettgewebe hält ihn wohlig warm, während er im Tiefschlaf vom Frühling träumt.
Erwachsene haben nur noch winzige Reste dieser Fettart in den Achseln und entlang der großen Gefäße. Säuglinge sind da besser ausgestattet und das macht Sinn, da sie weniger gut in der Lage sind, sich aktiv durch Bewegung zu wärmen. Das braune Fettgewebe, das sie vor allem im Rücken haben, wärmt sie so wie eine Heizdecke.
Die kleinen Fettzellen sind von feinen Fasern umsponnen, die sie wie einen Fesselballon halten und festigen. Mehrere Fettzellen werden von einer kleinen Arterie ernährt, die ziemlich genau in ihrer Mitte verläuft. Die einzelnen Fettzellen hängen wie die Beeren an der zentralen Arterie.
Diese Fetttraube enthält kein Lymphgewebe. Die entstehende Lymphflüssigkeit läuft durch feine Spalten (prälymphatisches Kanalsystem) ab, um dann später von Lymphkapillaren aufgefangen zu werden. Größere Mengen dieser Trauben sind in Bindgewebskammern zusammengefasst, zwischen denen nun auch Lymphkapillaren zu finden sind.