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Grundlagen


(Dieser Film ergänzt das Buch zum Lipödem, Südwestverlag)


Grundlagen

Jedermann weiß wozu der Blutkreislauf gut ist. Wozu dient aber das Lymphsystem? Die Lymphknoten am Hals, die spürt man, wenn man erkältet ist oder Angina hat. Aber das Lymphsystem als Ganzes, was im Detail dazu gehört und welche Funktion es hat, da müssen auch medizinisch Versierte häufig passen.

Hier eine erste Einführung.


Kläranlage Lymphsystem

Lymphgefäße des Oberkörpers.(<FONT SIZE=1>Bild überlassen mit freundlicher Genehmigung von <link http://www.pgm-muenchen.de>PGM-München</link></FONT>)

Blut fließt sauerstoffreich und hellrot im großen Kreislauf vom Herzen über die Schlagadern (Arterien) zu allen Organen des Körpers, wo es in den kleinsten Haargefäßen (Kapillaren) Sauerstoff und Nährstoffe abgibt und dafür Kohlendioxid sowie „Abfallstoffe“ aufnimmt. Über die Blutadern (Venen) fließt es dunkelrot bis schwarz zum Herzen zurück. Von dort aus zirkuliert es im kleinen Kreislauf zur Lunge, in der Kohlendioxid gegen frischen Sauerstoff ausgetauscht wird. Hellrot läuft es dann wieder zum Herzen und beginnt seinen Kreislauf erneut.

 

Parallel zu den Venen existiert noch ein zweites Gefäßsystem, das Flüssigkeit von den Kapillaren zum Herzen transportiert: das Lymphsystem. Es entwässert das Bindegewebe und kann als große „Kläranlage“ des Körpers bezeichnet werden.

 


Nicht ganz dicht...

Nicht alle Lebewesen verfügen über ein Lymphsystem. Fische kommen glänzend ohne ein solches aus. Wir Menschen, genau wie alle Säugetiere und Vögel, benötigen es jedoch.

 

Das Lymphsystem ist also eine Einbahnstraße, die in der Peripherie in fast allen Geweben des Körpers ihren Anfang nimmt. Sie sammelt dort allen „Sondermüll“ auf und entleert ihn in die obere Hohlvene kurz vor dem Herzen. Damit ist der Kreislauf geschlossen. Somit verfügen alle höhere Lebewesen über ein System, nämlich Arterien, das vom Herzen wegführt und über ein doppeltes Gefäßsystem, nämlich Venen und Lymphgefäße, die Blut und Lymphe wieder zum Herzen zurücktransportieren.

 

Diese Drainage- oder Entwässerungsfunktion der Lymphe ist eine ihrer Hauptarbeiten. Wenn immer Flüssigkeit sich zwischen den Zellen einlagert, z.B. bei Verletzungen oder Entzündungen, dann tritt sie vermehrt in Aktion und sorgt dafür, das diese aufgenommen und sicher beseitigt wird. Welche Auswirkung der Ausfall des Lymphsystems hat, wurde in einem Tierexperiment sichtbar. Unterbindet man die Lymphbahnen an nur einem Bein komplett, tritt unweigerlich der Tod innerhalb von 24 Stunden ein!

 


Aufrechter Gang und fehlende Haare

Gut geschützt gegen die Kälte.

Im Vergleich zu anderen Lebewesen kommt dem Lymphsystem für den Menschen eine besondere Bedeutung zu. Der erste Grund ist sein aufrechter Gang, mit dem sich der Mensch von seinen Verwandten, den Affen, unterscheidet. So günstig diese Aufrichtung für die Entwicklung war, sie wurde erkauft mit einer erhöhten Druckbelastung der Blutgefäße in den Beinen. Diese stehen bei uns Menschen unter Dauerdruck und lassen so mehr Flüssigkeit ins Gewebe der Unterschenkel und Füße sickern. Würden wir uns wie unsere animalischen Vorfahren auf allen Vieren fortbewegen, wäre dieses Buch also völlig überflüssig.

 

Der zweite Grund hat ebenfalls mit unserer Entwicklungsgeschichte zu tun. Die Menschen verloren den größten Teil der Haare und zogen als „nackte Affen“ durch Savannen und Wälder. Ein Fell ist jedoch nicht nur kleidsam, es schützt vor allem gegen Kälte. Um nicht zu erfrieren, entwickelte sich beim Menschen eine dicke Fettschicht in der Unterhaut, die uns anstelle des Felles vor der Unterkühlung schützte. Dieses Unterhautfett durfte nicht zu dünn sein. Um ein Fell von einem Zentimeter Höhe zu ersetzen, benötigt man ein vier cm dickes Fettpolster! Kein anderes Lebewesen, nicht einmal die dicken Schweine, verfügen über einen so ausgeprägten Fettmantel, selbst im Bereich von Armen und Beinen. Damit sind wir Menschen ausgezeichnet gegen kalte Nächte im Freien geschützt. Doch der Kälteschutz hat auch seine Nachteile, und jetzt kommt das Thema „Lymphe“ ins Spiel.


Drei Faktoren

Die dicke Unterhaut besteht aus sehr lockerem Fettgewebe. Dort lagert sich leider auch leicht Flüssigkeit ein. Die Gefahr besteht, dass sich so viel Flüssigkeit ansammelt, dass es zur Schwellung, einem Ödem, kommt. Um hier vorzubeugen, benötigt der Mensch ein leistungsfähiges zusätzliches Entwässerungssystem, eben das Lymphsystem.

 

Drei Faktoren begünstigen beim Menschen die Entstehung von Ödemen:

• Hoher Blutdruck

• Aufrechter Gang

• Dickes Unterhautfett

 

Das Lymphsystem dient dazu, alle Stoffe abzutransportieren, die zwischen den Zellen im Bindegewebe entstehen. Das sind neben der Flüssigkeit vor allem Eiweiße, Zellen, aber auch Fremd- und Schadstoffe. Darüber hinaus hat es eine entscheidende Bedeutung für die Funktion der Abwehr.

Der große Unterschied zwischen Blutgefäßen und Lymphsystem liegt darin, dass das Lymphsystem nur einen Halbkreis bildet. Es beginnt blind in der Peripherie und transportiert die Lymphe zurück zum Herzen.