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Langfristige Therapie und Prophylaxe

Der akute Hyperventilationsanfall benötigt meist nur die einfache Rückatmung. Langfristig liegt die Problematik häufig darin, die Angst vor weiteren Anfällen zu nehmen und mögliche auslösende Beschwerden und Erkrankungen zu behandeln.

Häufig besteht nach einem oder mehreren Hyperventilationsanfällen oder Panikattacken eine ständige Angst vor weiteren solchen als lebensbedrohlich erlebten Zuständen. Ausgerechnet diese Angst führt – unbewusst – zu einer beschleunigten Atmung. Weitere Symptome wie Schwindel, Benommenheit, innere Unruhe und vegetative Symptome kommen häufig hinzu und verstärken die Beschwerden.

Der Körper stellt sich auf diese permanente Anspannung ein. Vermutlich führt dies zu einer dauerhaften Verstellung des Soll-Wertes für CO2 im Stammhirn. Das bedeutet: Die Betroffenen haben den Eindruck, sie atmen völlig normal, doch tatsächlich ist dies immer ein wenig zu schnell.


Therapie im Überblick

Bei der Therapie geht es um

  • Veränderung der Atemtechnik
  • Anhebung des CO2-Spiegels
  • Verminderung von Angst und Anspannung
  • Unterbrechung der Meidungs- und Rückzugsspirale
  • Behandlung spezifischer Symptome (Schwindel, Schmerzen, vegetative Beschwerden)
  • Individuelle psychotherapeutische Behandlung 

Atemtherapie

Ein wesentliches Ziel ist die Anhebung des Sollwertes für den CO2-Gehalt des Blutes. Dazu gibt es verschiedene Techniken, die jedoch eines gemeinsam haben: Ein erhöhter CO2-Spiegel wird mit Entspannung  und Freiheit von Angst gekoppelt.

Eine ruhige, entspannte Atmung ist einer der Königswege zu innerer Ausgeglichenheit. Wir setzen daher eine Reihe von Atemtherapieverfahren ein, die dann zu Hause weiter geführt werden können.

Eine Besonderheit ist eine Atemtherapie, bei der der Kohlendioxidspiegel direkt gemessen wird. Mit dieser Biofeedback-Methode zeigt ein Gerät unmittelbar den Lernerfolg an.

Weitere Biofeedback-Methoden verbinden die Atmung mit Tönen. Ein Gerät misst, wie schnell der Atem ist, und setzt dies in Musik um. Je ruhiger der Atem, desto angenehmer die Musik. Im Verlauf von wenigen Minuten beruhigt sich so die beschleunigte Atmung.

Oft kommen die Betroffenen am Ende mühelos mit wenigen Atemzügen pro Minute aus.


Atemtherapie


Zutrauen und Zuversicht

Die dauerhaft beschleunigte Atmung führt sehr häufig zu einem Zustand der inneren Erregung und tiefer Unsicherheit. In einem weiteren Schritt der Therapie wird deshalb versucht, wieder Sicherheit und Wohlbefinden zu vermitteln.

Dazu dienen Gespräche, in denen ein Verständnis für die Symptomatik und deren Entstehung gewonnen wird. Doch darüber hinaus geht es um die sinnliche Erfahrung, dass der Körper sich wieder gut und vital anfühlt. Massagen, Physiotherapie, Bewegung vermitteln Zutrauen und Zuversicht.

Dieser Teil der Therapie spielt aus unserer Sicht eine große Rolle, um schnelle Erfolge zu erzielen.


Rückgewinnung von Autonomie

Wer über längere Zeit durch unerklärliche Beschwerden verunsichert war, zieht sich häufig stark zurück. Viele Betroffene trauen sich nicht mehr an die Orte, an denen sie eine Panikattacke oder eine Hyperventilation erlebt haben. Manche fühlen sich dann ausschließlich zu Hause sicher und gehen nur noch in Begleitung aus dem Haus.

Doch das, was kurzfristig die Angst mindert, macht sie langfristig schlimmer. Daher ist die Rückgewinnung der verlorenen Selbstsicherheit und autonomen Aktivität ein weiterer wichtiger Schritt in der Therapie.  


Multimodale Therapie

Hyperventilation und Panikattacken treten selten als isolierte Symptome auf. Meist sind sie mit anderen vegetativen und funktionellen Beschwerden gekoppelt. Sehr häufig ist eine hartnäckige Schwindelsymptomatik. Auch Reizmagen, Reizdarmbeschwerden, Schlafstörungen, Kälteempfindlichkeit und Blutzuckerschwankungen sind oft mit der Symptomatik verbunden.

Für die Betroffenen ist die Vielzahl der Symptome oft verwirrend und beunruhigend. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine gemeinsame Ursache, wie an anderer Stelle dargestellt.

 

Wir behandeln daher in der Regel nicht nur die Atmung, sondern umfassend mit einer multimodalen Therapie, um Körper, Geist und Seele gleichzeitig anzusprechen.

 


Dauer und Ergebnisse

Unsere Erfahrung zeigt, dass erst engmaschige und intensive Behandlungen gute Ergebnisse erzielen. Wir führen daher meist eine 2-3wöchige Intensivtherapie durch, während der eine Fülle von Einzel-Maßnahmen zur Anwendung kommt.

Dadurch gelingt es in aller Regel, die Symptomatik wesentlich zu bessern. D.h. die Beschwerden sind dann noch nicht völlig verschwunden, sondern sind – insbesondere in Stress-Situationen – noch fühlbar. Aber die Patienten haben  Techniken erworben, mit denen sie ihre Beschwerden selbst in den Griff bekommen können.

Dieses Wissen ist der entscheidende Schritt, um die Hilflosigkeit zu überwinden und selbst wieder zu einem normalen Leben zurückzufinden.