In letzter Zeit wird deutlich, dass allen – oder doch den allermeisten – der funktionellen Störungen eine gemeinsame Veränderung zugrunde liegt: eine Überempfindlichkeit der sensiblen Nerven, genauer eine erhöhte Empfindsamkeit des Gehirns.
Hierzu einige Anmerkungen.
Wir haben eine Unzahl von sensiblen Nerven (Druck- und Berührungssensoren, Schmerzsensoren, Kälte- und Wärmesensoren, Lagesinnsensoren und andere mehr). Dazu kommen noch die klassischen Sinnesnerven (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken usw.).
An was man selten denkt: in jedem Quadratzentimeter Haut in der Hand stecken allein 200 Schmerzsensoren. Insgesamt melden so zwischen 10- und 20 Millionen Sensoren zu jedem Zeitpunkt Informationen ans Gehirn.
Würden Sie auch nur ein hundertstel dieser Informationsmenge jetzt gerade verarbeiten müssen, wären Sie wahrscheinlich bald ein ziemliches „Nervenbündel“.
Daher ist es wichtig, diese Informationen zu beschränken. In unserem Nervensystem ist dies so organisiert, dass sensible Impulse nicht nur einseitig in Richtung Gehirn und Bewusstsein laufen, sondern auch gegenläufig. Das Gehirn schickt ununterbrochen hemmende Impulse in die Peripherie, wir sprechen von einer dezendierenden (=absteigenden) Inhibition (=Hemmung), die alle erregenden Impulse neutralisieren.
Es ergibt sich so ein Gleichgewicht von erregenden und hemmenden Impulsen, die verhindert, dass wir permanent „alles“ wahrnehmen. Es wäre auch ziemlich unpraktisch wenn Sie andauernd Ihre Milz oder Nieren wahrnehmen würden...