Header


Suche

 

Häufig und unerklärt

Zeit der Frühjahrsmüdigkeit

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, vermehrtes Schlafbedürfnis, Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen, Bedrücktheit, obwohl die Vögel zwitschern; all das sind die bekannten Symptome der Frühjahrsmüdigkeit. 

Zum Glück ist es kein eigentliches Krankheitsbild, aber störend ist es doch. 50% der Bevölkerung (sogar 70% werden genannt!) sollen darunter leiden. Verlässliche Zahlen und Forschungen gibt es kaum. 

Was sind die Ursachen? Was sind die Hintergründe der unangenehmen Inaktivität? Vor allem, wie kann der Zustand zügig überwunden werden?

 

 


Serotonin

Trotz der Häufigkeit gibt es kaum Forschung und nur wenige klare Vorstellungen zu dieser Thematik.

Wahrscheinlich ist Folgendes: Es handelt sich um Probleme bei der Umstellung von Winter zu Sommer. Das klingt erst einmal banal; Dahinter aber steht der folgende Zusammenhang:

Im Winter sind wir gezwungen, uns auf das geringe Licht draußen und drinnen einzustellen. Leuchtet das Licht an einem strahlenden Sommertag mit 10.000 Lux (ein Lux verbreitet eine Kerze in einem Meter Entfernung), so wird es im Winter in den Häusern kaum heller als 400 bis 800 Lux.

Das hat Folgen für das hormonelle Gleichgewicht des Körpers. Helles Licht setzt nämlich unter anderem Serotonin im Gehirn frei. Diese Substanz wird oft als das „Gute-Laune-Hormon“ bezeichnet. Sonne macht so gute Stimmung. Im Winter geht die Serotoninproduktion zurück, was leider auch Folgen auf unser Gemüt zeigt.


Melatonin

Licht wirkt sich auch auf die Produktion eines weiteren Hormons aus: Melatonin. Hier gilt der umgekehrte Zusammenhang. Je weniger Licht, desto mehr Melatonin. Dieses Hormon der Zirbeldrüse wirkt schlafanstoßend. Im Winter sind wir daher oft weniger aktiv.

Die Kombination von niedrigem Serotonin und hohem Melatonin führt also zu einer Art „missmutigem Winterschlaf“. Bei 10-15% der Bevölkerung ist dies so ausgeprägt, dass man von einer „saisonale Depression“ spricht.

Die Frühjahrsmüdigkeit trifft uns ausgerechnet, wenn die Tage länger und heller werden, was eigentlich paradox ist.  Der Grund liegt in der erneuten Umstellung. „Serotonin hoch, Melatonin runter!“, heißt nun die Devise. Und diese Umstellung ist anstrengend.


Auslöser

Klassisch ist die Auslösung nach der Zeitumstellung auf die Sommerzeit. Doch auch im Monat davor und danach tritt die Symptomatik vermehrt auf. Wer nach dem Wonnemonat noch unter den Beschwerden leidet, kann sich nicht auf die Frühlingsmüdigkeit berufen.

 


Chronobiologie

Jetlag = Frühjahrsmüdigkeit

Die Chronobiologie (Wissenschaft von den rhythmischen und zeitabhängigen Vorgängen des Körpers) fand heraus, dass wir alle über einen „eingebauten“ Tagesrhythmus verfügen, der auch erhalten bleibt, wenn man allein in dunklen Höhlen ohne Verbindung zu Außenwelt lebt. Dieser Rhythmus ist interessanterweise im Durchschnitt 25 Stunden lang – vielleicht ist dies der tiefere Grund, warum nicht nur Manager das Gefühl haben, die Tage wären zu kurz.  Leben Menschen lange Zeit völlig alleine in Höhlen, dann spielt sich meist solch ein „natürlicher“ 25-Stunden Tag ein.

Im Alltag werden wir durch das Tageslicht und die sozialen Aktivitäten immer wieder auf den 24-Stunden Tag „synchronisiert“. Wir müssen also immer ein wenig Anpassungsarbeit leisten. Im Frühling geht das besonders schnell. Insbesondere nach der Zeitumstellung auf die Sommerzeit ist dieser Anpassungsmechanismus gefordert.

Das gleiche Problem haben wir auch bei einer Flugreise über mehrere Zeitzonen. Daher sind die Symptome des Jetlags praktisch identisch mit der Frühjahrsmüdigkeit. 


Risikogruppen

Zum einen leiden deutlich mehr Frauen als Männer unter der Symptomatik. Weiterhin leiden alle Feinfühligen und Sensiblen stärker als Menschen, die "Nerven wie Drahtseile" haben. Auch eine Reihe von Krankheiten gehen häufiger mit Frühjahrsmüdigkeit einher: Kälteempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Migräne, chronische Schmerzen, Reizdarm, aber auch andere schwere chronische Erkrankungen. 


Heikler Schlaf

Wer glaubt, er könne die Müdigkeit durch Schlaf und Schonung am besten bekämpfen, der unterliegt einem folgenschweren Irrtum. Zwar schadet es nicht, einige Tage nach der Zeitumstellung auf ausreichend Schlaf zu achten, doch in der Ruhe liegt nicht das Heil. Wer rastet, der rostet! Wer sich nur schont, dessen Aktivität lässt nach.

Gefragt ist erhöhte Anpassungsfähigkeit, und die gewinnt man nicht im Schlaf oder beim Ausruhen im Fernsehsessel. Im Gegenteil: So wird die Symptomatik unwillentlich verstärkt und kann dann zu hartnäckiger Abgeschlagenheit führen. 


Therapie

Alles, was den Körper aktiviert und seine Anpassungsfähigkeit fordert, hilft diesen Mini-Jetlag zu überwinden. Am effektivsten ist helles Licht und viel Bewegung. Wer also morgens aus den Federn kommt, der sollte entweder alle Lichter im Zimmer anmachen oder – noch besser – sich draußen ein wenig bewegen. Das muss nicht gleich ein Waldlauf sein, ein wenig Gymnastik auf dem Balkon oder am offenen Fenster ist auch nicht zu verachten.

Als nächstes steht die Wechseldusche auf dem Programm. Erst richtig heiß, dann zum Schluss aber eiskalt und das nicht zu kurz!

Wer dann noch gesund mit Obst oder Müsli frühstückt, der hat mit wenig Aufwand sehr viel erreicht. 


Erschöpfung ist nicht immer Frühjahrsmüdigkeit

Wer trotz Sport wochenlang unter Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche leidet, der sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Dann liegen möglicherweise andere Krankheiten vor. Eine Schilddrüsen-Unterfunktion oder ein Eisenmangel kann eben auch einmal im Frühling auftreten.