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Endometriose

Schlanke, aktive Frauen sind häufiger betroffen

Nicht direkt zu den funktionellen Erkrankungen gehört die Endometriose – aber die Beschwerden haben viele funktionelle Anteile mit einer erheblichen Sensitivierung.

 

Die Beschwerden sind ganz typisch: Frauen, meist zwischen 20 und 40 Jahren, klagen vor und während der Periode unter heftigen Bauchschmerzen. Diese können so ausgeprägt sein, dass sie sich mit einem Wärmekissen ins Bett legen müssen.

 

Ist die Periode dann vorbei, lassen auch die Beschwerden nach. Doch vier Wochen später beginnt es wieder.

 

Eine nicht seltene Vorgeschichte sieht so aus: Eine junge, schlanke und voll aktive Frau hatte immer schon leichtere Beschwerden vor und während der Periode. Als sie dann die Pille eingenommen hatte, wurden diese besser.

Doch als sie mit dem Gedanken einer Schwangerschaft spielte und die Pille absetzte, kamen die Beschwerden wieder. Nur die gewünschte Schwangerschaft blieb aus.


Ursachen

Schmerzen in Unterleib alle 4 Wochen sind das typische Symptom

Eine Endometriose wird durch Gewebe der Gebärmutterschleimhaut verursacht, das sich am falschen Ort befindet. Meist im Bauchraum, d.h. auf dem Bauchfell, den Eierstöcken oder hinter der Gebärmutter im sog. Douglas´schen Raum, dem tiefsten Punkt des Bauchraumes. Prinzipiell können solche Gewebeinseln überall im Körper vorkommen.

 

Entsprechend dem weiblichen Zyklus baut sich diese Schleimhaut unter dem natürlichen Hormoneinfluss auf und wieder ab. In der Gebärmutter kann das sich bildende Blut abfließen. In der Bauchhöhle führt das entstehende Blut jedoch zu Komplikationen: Es können sich Zysten bilden, das Blut führt zu einem Entzündungsreiz („sterile Entzündung“) bzw. es entstehen Verwachsungen und Verklebungen des Gewebes, z.B. zwischen den Darmschlingen.

 

Eine der wichtigsten Komplikationen ist die Sterilität, also die Unfähigkeit schwanger zu werden. Bei Frauen mit einem unerwünschten Schwangerschaftswunsch findet sich eine Endometriose etwa doppelt so häufig wie bei Frauen mit Kindern.


Hintergrund

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich durch die typischen Beschwerden. Gesichert wird die Diagnose durch eine Laparoskopie, d.h. Bauchspiegelung.

Bei Operationen im Bauchraum finden sich etwa in 6-8% aller Fälle einzelne Endometriose-Herde. Nur, keineswegs alle diese Frauen haben Beschwerden!

Offenbar siedelt sich relativ häufig Gewebe aus der Gebärmutter an anderen Stellen des Körpers ab. So ist eine gewisse Blutung nach innen offenbar weitgehend normal.

Allerdings erkennt der Körper diese Zellen und entfernt sie. In manchen Fällen geschieht dies jedoch offenbar nicht. Die Ursache hierfür ist unbekannt. Störungen des Immunsystems werden diskutiert.

 

Warum nun ein Teil der Frauen heftigste Beschwerden hat und andere – trotz intensiverem Befall – nicht über Schmerzen klagen, ist nicht bekannt. Sicherlich entscheidet auch der Ort des Befalls über die Beschwerden. Allerdings hängen diese auch von der individuellen Schmerzschwelle ab. Je niedriger diese ist – z.B. bei Fibromyalgie – desto mehr Beschwerden sind vorhanden.

 

Untersuchungen (Hum Reprod. 2002 Oct;17(10):2715-24) zeigten, dass Patientinnen mit Endometriose vermehrt unter folgenden Krankheitsbildern litten:

 

• Fibromyalgie

• CFS – chronisches Erschöpfungssyndrom

• Schilddrüsenunterfunktion

• Allergische Erkrankungen

• Rheumatische Erkrankungen (wie Sjögren-Syndrom oder Rheumatoide Arthritis)


Therapie

Derzeit werden vor allem drei Therapierichtungen verfolgt:

 

1. Hormontherapie: Hier gibt man Präparate ähnlich der „Pille“, wobei solche Medikamente bevorzugt werden, bei denen keine Periodenblutung eintritt, d.h. die durchgehend eingenommen werden. Weiterhin kann man durch die Medikation von sog. GnRH-Agonisten eine künstliche Menopause, also Wechseljahre erzeugen. Dann lassen die Beschwerden genauso nach wie in der natürlichen Menopause.

2. Operation: Bei einer – z.B. endoskopischen – Operation werden möglichst viele der Endometriose-Herde entfernt.

3. Allgemeinmaßnahmen und naturheilkundliche Verfahren (siehe unten).


Zu (3.) den Allgemeinmaßnahmen und naturheilkundlichen Verfahren

Wir sind immer wieder überrascht zu sehen, dass die Beschwerden bei Endometriose durch Allgemeinmaßnahmen oft massiv nachlassen. Solche Therapien führen wir z.B. bei Fibromyalgie oder anderen Schmerzerkrankungen durch.

 

Da Erkrankungen wie Endometriose, CFS und Fibromyalgie häufig gemeinsam auftreten, liegt nahe, dass hinter den Erkrankungen eine gemeinsame Ursache stecken könnte. Neben möglichen hormonellen und immunologischen Veränderungen scheint vor allem eine gesenkte Schmerzschwelle allen Erkrankungen gemeinsam zu sein.

 

Durch eine Absenkung der Schwelle sind die betroffenen Frauen sensibler, empfindlicher. So werden die Schmerzen im Unterleib intensiver wahrgenommen. Dagegen nehmen andere Frauen mit normaler oder hoher Schmerzschwelle die Beschwerden kaum oder gar nicht wahr.


Maßnahmen zur Anhebung der Reizschwelle sind vor allem:

Akupunktur - eine Möglichkeit der nicht-medikamentösen Schmerztherapie

Ernährungsumstellung, um eine Irritation aus dem Magen-Darm-Trakt zu vermeiden

Schlafhygiene und Vertiefung des Schlafes

• Niedrig dosierte Antidepressiva

• Verbesserung von vegetativen und funktionellen Beschwerden durch Trainingsmaßnahmen

• Reduktion von Schmerzen anderer Art

• Sofern vorhanden – antiödematöse Therapie

• Nicht medikamentöse Schmerztherapie wie Akupunktur oder TENS

• Entspannungsmaßnahmen und Biofeedback

• Fokaltherapie (gezielte Gespräche gegen Angst und Depressivität).