Header


Suche

 

Vegetative Fehlregulation

Unser Körper verfügt, vereinfacht gesprochen, über zwei verschiedene Nervensysteme. Zum einen gibt es die Nerven, die Sie im Augenblick brauchen, um dieses Buch in den Händen zu halten oder den Befehl zum Umblättern zu übermitteln. Diese sind dem „somatischen“ Nervensystem (Soma = Körper) zugeordnet. Dazu gehören auch alle Nerven, die uns von unseren Sinnesorganen Informationen über die Außen- (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken) und die Innenwelt (Druck, Berührung, Schmerz, innere Organe) vermitteln.

Zum anderen gibt es das „vegetative“ Nervensystem (vegetare = wachsen, beleben), das für die Prozesse verantwortlich ist, die unser Wille nicht direkt steuern kann. Es sind die lebenserhaltenden Prozesse des Körpers wie Stoffwechsel, Blutdruck, Verdauung, Nierentätigkeit, Atmung, Herzschlag, Zellteilung usw. Wenn Sie den Entschluss fassen, von einem Stuhl aufzustehen, dann geben Sie einen bewussten Befehl mit Hilfe des somatischen Nervensystems: „Mit dem rechten Fuß zuerst aufstehen und drei Schritte nach vorne!“. Im Hintergrund arbeitet dann das vegetative Nervensystem: Puls und Blutdruck steigern, Blutstrom in die Beine umverteilen, Verdauungstätigkeit einschränken, Muskelspannung im Unterleib erhöhen usw.

Innerhalb des vegetativen Nervensystems gibt  es  weitere Untergliederungen. Das ist einmal das Nervensystem der Verdauungsorgane („enterisches Nervensystem“), das für den geregelten Ablauf der Nahrungsverwertung sorgt. Es wird oft auch als „autonomes“ Nervensystem bezeichnet, da wir es wenig oder gar nicht beeinflussen können. Daneben unterscheidet man den Sympathikus, der uns aktiv, leistungsfähig und kampfbereit macht, während der Parasympathikus umgekehrt die Erholung, Entspannung und Regeneration unterstützt.

Beim Fibromyalgiesyndrom finden sich zahlreiche Symptome, die nur durch eine Störung der vegetativen Regulation zu erklären sind. Da sind zum einen die vielfältigen Magen-Darm-Beschwerden, Störungen der Blutdruckregulation, Temperaturregulation, Regulation des Schwitzens, Blasensteuerung, Muskelspannung und vieles mehr. Diese vegetativen Störungen sind sehr beeinträchtigend. Viele Betroffene haben den Eindruck, ihr Körper gehorche ihnen nicht mehr. Jeden Tag treten neue verwirrende Beschwerden auf. Typisch hierfür ist, dass diese Regulationsbeschwerden schlecht zu messen sind. Blutdruckschwankungen sind leicht zu bestimmen, Störungen der Atmung, der Verdauungstätigkeit, Blasentätigkeit oder der Durchblutung dagegen schwer zu objektivieren. Laboruntersuchungen, Röntgen, Computertomogramm oder Ultraschall zeigen stets nur Normalwerte. Dennoch sind diese Veränderungen real und  - wie bereits erwähnt – nicht eingebildet.

Es zeichnen sich aktuell verschiedene Typen der Fehlregulation ab. Betroffene mit einer überschießenden Sympathikus-Aktivierung und solche mit einer deutlich verminderten. Die erste Gruppe zeigt eine schnelle Stressreaktion mit Blutdruck und Pulsanstieg, einer sofortigen und übertriebenen allgemeinen Aktivierung, während bei der anderen Gruppe dies genau umgekehrt abläuft. Offensichtlich kommt es zu einer Störung der komplexen Regulation, die jede denkbare äußere Herausforderung an uns stellt. Die differenzierte, abgewogene Steuerung von Muskelspannung, Puls,  Blutdruck, Atmung bis hin zur erhöhten Aufmerksamkeit und  seelischen Anspannung ist bei FMS aus dem Lot geraten.

Es ist offensichtlich, dass es hier nicht nur zwei Typen von FMS gibt. Wahrscheinlich ist die Zahl der Untergruppen sehr viel höher, doch stehen wir hier erst am Anfang der Forschung.

Mehr