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Medikamente

Von einer medikamentösen Therapie alleine darf man sich keine große Wirkung versprechen

Insgesamt ist die rein medikamentöse Therapie in ihrem Effekt begrenzt. Nur in Kombination mit anderen Maßnahmen ist ein Therapieerfolg wahrscheinlich.

Dies gilt insbesondere für Schmerz- und Rheumamittel und Muskelentspannungsmittel, was für Betroffene oft sehr verwirrend ist. 


Schmerzmittel

Analgetika: Ein Versuch mit einfachen Schmerzmitteln wie ASS, Paracetamol, Metamizol, und andere kann man unternehmen. Seien Sie jedoch nicht enttäuscht, wenn sie nicht wirken. 


Rheumamittel

Antirheumatika: Diclofenac oder Cox-2-Hemmer sind meist nur in Einzelfällen hilfreich.


Muskelentspannungsmittel

Muskelrelaxantien: Auch hier gibt es meist nur eine Wirkung in Einzelfällen. 


Antidepressiva

Wiederaufnahme Hemmer erhöhen die Konzentration von Serotonin im Spalt

Obwohl es zahlreiche Studien gibt, die eine Wirkung von Antidepressiva bei der Therapie des FMS belegen, gibt es bis heute kein einziges Medikament (auch Amitriptylin nicht), das in der europäischen Union speziell zur Behandlung des Fibromyalgiesyndroms zugelassen ist.

Jeder Arzt verschreibt diese Medikamente also außerhalb der eigentlichen Zulassung (sog. „off-label“-Verschreibung) und geht damit ein gewisses Risiko gegenüber der Krankenkasse ein.  Diese kann in Deutschland einen Arzt finanziell haftbar machen und das Geld für das Medikament von ihm verlangen. Ärzte können sich dagegen nur schützen, wenn sie neben dem Fibromyalgie-Syndrom eine Depression oder anderen Krankheit diagnostizieren, für die das betreffende Medikament zugelassen ist.

In den USA sind zwei Präparate anerkannt: Duloxetin (Cymbalta®) und Pregabalin (Lyrica®). Es steht zur erwarten, dass neben diesen Substanzen auch noch weitere in der kommenden Zeit in Europa offiziell für FMS zugelassen werden. 

Klassiker ist das vielfach in seiner Wirkung bestätigte Amitriptylin. Da viele Patienten jedoch auf die üblichen antidepressiven Dosierungen mit ausgeprägten Nebenwirkungen reagieren, empfiehlt sich eine niedrige und einschleichende Dosierung. Tropfenweise Steigerung beginnend mit einem (!) Tropfen am Abend, wird von den Betroffenen gut toleriert. Dadurch wird unmittelbar der Schlaf vertieft. Die Dosis wird dann täglich gesteigert, bis der Schlaf ausreichend ist ohne, dass störende morgendliche Müdigkeit auftritt. Meist schwanken die Dosierungen zwischen 5-15 Tropfen (entsprechend 10-30 mg).Zum Vergleich: antidepressive Dosierung: 75 mg/d. Andere häufig eingesetzte Antidepressiva: Stangyl®, Fluctin®, Aponal®.


Anti-Epilepsie-Mittel

Antiepileptika: Wie auch bei anderen Formen des chronifizierten Schmerzes werden in letzter Zeit vermehrt Antiepileptika eingesetzt. Auch hier langsame Steigerung der Dosierung. Beispiel: Neurontin®.

Ganz neu ist eine Weiterentwicklung des Gabapentin mit Namen Pregabalin. Hier ist ein Wirkung in wenigen Tagen erreichbar. Nach neuesten Untersuchungen soll es gleichermaßen gegen Schmerz, Schlafstörung und Erschöpfung wirksam sein.


Tryptophan

Die Aminosäure Tryptophan ist die Vorstufe des Serotonins. Abends eingenommen, hat sie einen positiven Effekt auf den Schlaf. Die vor einigen Jahren aufgetretenen Nebenwirkungen (Eosinophilie-Myaglie-Syndrom) beruhten auf einer nicht mehr aufgetretenen Verunreinigung.


Melatonin

Melatonin (in Deutschland nicht zugelassen) verbessert bei vielen Betroffenen den Schlaf.


Homöopathie:

Verschiedene pflanzliche Präparate können bei der Behandlung der Fibromyalgie sinnvoll eingesetzt werden. Als alleinige Therapie sind sie jedoch nicht ausreichend. Einige davon möchte ich erwähnen.

 Pfefferminzöl ist überaus wirksam gegen Kopfschmerzen und Migräne. Man reibt es im Schläfenbereich ein oder gibt einen Tropfen in die Nase.

 Gegen die vielfältigen Magen-Darm-Beschwerden können Tees eingenommen werden. Pfefferminz, Fenchel, Kamille, Wermut oder Tausendgüldenkraut haben sich besonders bewährt. Die bitteren Teesorten schmecken zwar nicht gut, doch Ihr Magen freut sich darüber.

Ein anderes pflanzliches Medikament das gelegentlich empfohlen wird, ist Weihrauch, das eine stark anti-entzündliche Wirkung hat.

 Auch homöopathische Präparate können eine günstige Wirkung bei der Fibromyalgie entfalten. Ihre Auswahl richtet sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild.

 Falls Sie Aromatherapie schätzen, sollten Sie es einmal mit Basilikum, Kamille, Lavendel oder Zypresse versuchen. Diese sollen bei dem Krankheitsbild günstig sein.

 Positive Erfahrungen haben wir mit einer Rezeptur von homöopathischen und pflanzlichen Stoffen gemacht, die gegen das Lymphödem wirken. Diese Mischung "Biolymphosan" gibt es als Tropfen und Zäpfchen und werden von unseren Patienten sehr gerne über längere Zeiträume eingenommen.Infos


Guaifenesin

Hustensaft gegen Schmerzen?

Guaifenesin ist ein Medikament, das zum Schleim lösen verwendet wird. In Deutschland bsp. in Fagusan® Lösung (200mg in 15 ml) Gleichzeitig unterdrückt es den Hustenreiz. Diese Anhebung der Reizschwelle könnte bezüglich der Schmerztherapie interessant sein.

Es gibt seit vielen Jahren Hinweise auf Wirkung bei Fibromyalgie. Systematische Studien gibt es meines Wissens nicht, bzw. finden sich nicht in den internationalen Datenbanken.

Interessant ist eine Untersuchung an Ratten, die ergibt, dass Guaifenesin allein keinen Schmerz senkenden Effekt aufweist. Durch die Kombination mit Paracetamol konnte die Wirkung des schwachen Schmerzmittels Paracetamol erkennbar steigern.

Allerdings sind die Hoffnungen, mit Guaifenesin die Beschwerden ganz zu beseitigen - so ein amerikanischer Kollege - leider eine Illusion. 

 


Beispiel für eine medikamentöse Basistherapie

• Einfaches Schmerzmittel (falls eines wirksam war).

• Amitriptylin Tropfen (tropfenweise Steigerung beginnend mit einem Tropfen)

• Tryptophan Tabletten (Zwei zur Nacht)

 


Therapeutische Lokalästhesie - Neuraltherapie - Quaddeln

Ein ganz anderer Therapieansatz ist die Behandlung mit örtlichen Betäubungsmitteln. Solche Substanzen werden etwa bei kleineren chirurgischen Eingriffen verwendet. Bei der Fibromyalgie spritzt man die Betäubungsmittel in den Sehnen-Muskelübergang. Damit erreicht man oft einen sehr schnellen Erfolg und ein promptes Nachlassen der Schmerzen. Nebenwirkungen treten im allgemeinen bei dem gut verträglichen Verfahren nicht auf.

 Leider gibt es zwei Einschränkungen: Wenn die Schmerzen überall sitzen, kann man nicht jeden einzelnen Muskelsehenübergang behandeln. Das würden selbst hartgesottene Zeitgenossen nicht mitmachen. Zum anderen hält die Wirkung nicht immer an. Nach Stunden oder Tagen treten die Schmerzen erneut auf. Nach erneuter Behandlung können allerdings die schmerzfreien Intervalle länger werden.


Capsaicin

Ob äußerlich angewendete Salbe, Rheumamittel oder wärmende Pflaster einen Einfluß auf das Krankheitsgeschehen hat ist zweifelhaft. Die meisten Patienten haben damit keinen großen Erfolg. Ich möchte daher keine spezielle Empfehlung bezüglich dieser Präparate geben. Eine Substanz sei jedoch erwähnt. Es ist das Capsaicin, der Stoff, der den Cayenne-Pfeffer so scharf macht. Wenn man es auf die Haut aufträgt, kommt es zu einer Beeinflussung der "Substanz P" in den Nervenendigungen und damit einem Nachlassen von Schmerzen. Es ist in der Apotheke (z.B. als Flüssigkeit oder Salbe) erhältlich. Für den Dauergebrauch ist Capsicain allerdings nicht geeignet.