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Schwerbehinderung (GdB=Grad der Behinderung

Der "Grad der Behinderung" leitet sich ursprünglich von Kriegsverletzungen mit eindeutigen Folgen - z.B. Gehunfähigkeit - ab

Körperliche, geistige oder seelische Funktionsbeeinträchtigungen, die mindestens 6 Monate anhalten, können gegenüber dem Versorgungsamt geltend gemacht werden.

 

Das Versorgungsamt hat die Aufgabe, den Grad der Behinderung festzustellen. Er wird nicht in Prozent, sondern in Zehnergraden gemessen (10, 20 usw. maximal 100).

 

Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt dies als „Schwerbehinderung“. Wer mindestens eine Behinderung von 30 hat, kann einem Schwerbehinderten gleichgestellt werden, wenn er nur auf diese Weise einen bestimmten Arbeitsplatz erhalten oder bekommen kann. Auf Antrag erhalten Schwerbehinderte einen Ausweis.

 

Der Begriff „Grad der Behinderung“ löste 1986 die Bezeichnung „Minderung der Erwerbsfähigkeit“ (MdE) ab, da der Grad der Behinderung keineswegs zwangsläufig Auswirkungen im Arbeits- und Berufsleben hat. Der Begriff MdE existiert heute noch im Bereich der Unfallrenten, Opferentschädigung und Kriegsopferversorgung.

 

Nach der Feststellung eines Behinderungsgrades erhält man keine Rente. Das Ziel ist der Ausgleich des „krankheitsbedingten Nachteiles“. Je nach Behinderungsgrad erhält man so steuerliche Vorteile, vermehrten Kündigungsschutz sowie andere spezielle Vergünstigungen. Über die verschiedenen Ansprüche und Leistungen kann man sich bei den Versorgungsämtern informieren.

 

Der Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderung wird beim örtlichen Versorgungsamt gestellt. Das geht formlos oder auch mit Hilfe der entsprechenden Formblätter. Hier kann man sich auch erkundigen, wie das übliche Verfahren vor Ort ist. Entweder kümmert man sich selbst um die nötigen Arztberichte und Unterlagen oder das Versorgungsamt schreibt die entsprechenden Ärzte an. Dabei sollte man sich unbedingt die Situation der dort tätigen Ärzte vor Augen führen.


Entscheidung ohne Untersuchung

Die Entscheidung der Ärzte beim Versorgungsamt beruht lediglich auf dem Studium der Akten

Das Versorgungsamt entscheidet nach Aktenlage. Eine persönliche Untersuchung findet in der Regel nicht statt. Oft müssen eine Handvoll Mediziner Jahr für Jahr über die Anträge von zehntausenden von Kranken urteilen. Es ist leicht einsichtig, dass es unter solchen Bedingungen schwer ist, in jedem Fall gerecht zu entscheiden.

 

Die Qualität der Beurteilung hängt auch hier entscheidend von den eingereichten Unterlagen und Attesten ab. Die oben genannten Kriterien für eine ärztliche Beurteilung gelten dabei ebenso wie beim Rentenantrag. Eine solch differenzierte Beurteilung stellt jedoch einen hohen Aufwand dar, der dem behandelnden Arzt leider nur mit einem sehr geringen Betrag erstattet wird.

 

Das Versorgungsamt stellt aufgrund der Akten einen Grad der Behinderung in 10er Schritten fest. Falls mehrere Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen, werden diese einzeln eingeschätzt und zum Schluss ein Gesamtgrad der Behinderung fixiert. Bei dem letzten Schritt wird nicht einfach zusammengezählt, wie oft vermutet wird.

 

Man geht üblicherweise von der Krankheit mit dem höchsten Behinderungsgrad aus und überprüft dann, ob weitere Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen, die einen GdB von 10 oder mehr bedingen. Sind die Erkrankungen in ihren Auswirkungen voneinander unabhängig, wird sich eine Erhöhung der Gesamt-GdB ergeben. Falls diese sich jedoch weitgehend in ihrer Auswirkung überschneiden, dann erhöhen selbst erhebliche Einschränkungen der Gesundheit die GesamtGdB nur wenig oder gar nicht. Ebenso erhöhen geringfügige Einschränkungen mit einem EinzelGdB von 10 in der Regel nicht den GesamtGdB.

 

Falls jemand also erkrankungsbedingt nicht mehr gehen kann und dafür bereits eine GdB festgestellt wurde, dann wird eine weitere Erkrankung, die das Gehen beeinträchtigt, die GesamtGdB nicht erhöhen.

 

Um die GdB im Einzelnen festzustellen, gibt es ein Regelwerk, in dem die einzelnen Krankheiten aufgeführt und die jeweilige Behinderung festgestellt wird („Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit“). In einigen Bereichen gibt es sehr klare Bestimmungen. Beispielsweise wird der Verlust des Unterschenkels mit 50 eingestuft. In anderen Bereichen wird eine gewisse Spannweite angegeben und kann von 10 bis 100 reichen.


GdB der Fibromyalgie

Bei der Einschätzung des Schweregrades eines Fibromyalgie-Syndroms muss man oft auf andere, vergleichbare Krankheitsbilder zurückgreifen

Die Fibromyalgie ist in den „Anhaltspunkten“ im Anschluss an die entzündlich rheumatischen Krankheiten angeführt: „Auch bei der Beurteilung von nicht-entzündlichen Krankheiten der Weichteile (...sog. Fibromyalgie Syndrom) kommt es auf Art und Ausmaß der jeweiligen Organbeteiligung sowie auf die Auswirkungen auf den Allgemeinzustand an.“

 

Wesentlich für eine richtige Einschätzung ist also das Ausmaß auf den Allgemeinzustand und dieser muss im Einzelfall dargelegt werden. Wird dies versäumt und lediglich die Diagnose mitgeteilt, wird das Versorgungsamt routinemäßig zu einer eher geringen Bewertung von 10-20 kommen.

 

Möchte man, besonders im Streitfall, zu einer höheren Bewertung gelangen, muss neben einer differenzierten Bewertung der „Auswirkung auf den Alltag“ ein Vergleich mit anderen Erkrankungen herangezogen werden, die in den „Anhaltspunkten“ differenzierter und mit Prozentsätzen dargestellt sind.

 

Folgende Erkrankungen sind dabei denkbar:

• Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

• Migräne

• Gesichtsneuralgien (z.B. Trigeminusneuralgie)

• Neurosen und psychovegetative Beschwerden

• Tinnitus (Ohrgeräusch)

• Lymphödem

• chronische Darmstörung (irritabler Darm)

• Muskelerkrankungen und andere.


Vergleichserkrankungen

Leichtere psychovegetative oder psychische Störungen|0-20
Stärker behindernde Störungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit|30-40
Schwere Störungen:
Mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten
|50-70
Mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten|80-100

Nicht immer "Fibromyalgie"

Welchen Vergleich man im Einzelfall heranzieht, hängt von der Einschätzung des begutachtenden Arztes und der Art der Erkrankung ab. Die psychischen Folgen und Begleiterscheinungen der Fibromyalgie sollten dabei nicht zu weit in den Hintergrund gestellt werden. Die Depressivität, die mit der Erkrankung einhergeht, ist oft ein wesentlicher Grund für einen höheren GdB.

 

Es kann auch sein, dass man manchmal anstelle der Diagnose „Fibromyalgie“ (M79.0 nach ICD 10) eher die Diagnose „anhaltende somatoforme Störung“ bzw. „somatoforme Schmerzstörung“ (F45.4 nach ICD 10) stellt.

 

Bei dieser Diagnose geht man davon aus, dass die Gründe für die Schmerzen im seelischen Bereich liegen.


Verschlechterung

Wenn man mit der Entscheidung des Versorgungsamtes nicht einverstanden ist, kann man Widerspruch bzw. Klage einreichen. Der Rechtsweg entspricht dem Verfahren bei Rentenfragen. Außerdem kann man nach einer gewissen Frist einen erneuten Antrag wegen Verschlechterung der Beschwerden einreichen.