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Verwirrende Beschwerden

"Ich bin 43 Jahr alt und leide seit 6 Jahren unter Fibromyalgie. Die erste Zeit hatte ich vor allem Schmerzen in der Wirbelsäule und den Schultern. Seit 2 Jahren habe ich das Gefühl, dass mein ganzer Körper anfängt zu „spinnen“. Meine Periode ist unregelmäßig, ich bekomme Schweißausbrüche und friere dann wieder, mein Darm und meine Blase tun was sie wollen, ich kann nicht mehr schlafen und fühle mich elend und abgeschlagen. Mein Frauenarzt sagt, ich sei noch nicht in den Wechseljahren. Fang ich an zu spinnen oder ist mit mir los?"


Vegetative Beschwerden

Neben den Schmerzen und den Stimmungsschwankungen leiden die meisten Fibromyalgie Betroffenen unter einer Fülle von sog. vegetativen Störungen. Damit meint man eine Fehlregulation in den Körperfunktionen, die ohne unser bewusstes Eingreifen ganz von alleine ablaufen: Atmung, Verdauung, Kreislauf, Schlaf-Wach-Rhythmus, Gleichgewicht usw. werden „automatisch“ geregelt. Dabei baut der Körper auf zwei Regelsysteme.


Sympathikus/Parasymphatikus und die Hormone

Die großen Hormondrüsen des Menschen

• Das Nervensystem, vor allem das sog. vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) und

 

• das hormonelle System. Letzteres wird von übergeordneten Drüsen im Gehirn (Hypothalamus und Hypophyse) maßgeblich reguliert.

 

Bei der Fibromyalgie werden nach einiger Zeit der Krankheit beide Systeme in Mitleidenschaft gezogen. Als Folge können die unterschiedlichsten Symptome auftreten.

 

Atemnot, Herzklopfen und Herzrasen, Blasenbeschwerden, Schmerzen bei der Periode, Kribbeln und Juckreiz der Haut, Kloßgefühl im Hals, Durchfall und Verstopfung, Frieren, Schwitzen, trockene Augen und trockener Mund, Ohrgeräusche, Schwindel, Benommenheit, Wassereinlagerungen und vieles mehr.

 

Die Entstehung dieser Beschwerden ist nicht leicht zu erklären. Vermutlich gibt es eine individuelle Disposition, die immer schon besteht. In der Regel berichten die Betroffenen, dass sie seit der Kindheit oder dem frühen Erwachsenenalter unter einer „vegetativen Labilität“ litten. Schwindel, schnelles Erröten, Herzklopfen, Schlaf- und Magen-Darm-Problem können auf eine solche Neigung hinweisen.

 


Fehlsteuerung

Wenn nun im Rahmen der Fibromyalgie Dauerschmerzen den Tag beherrschen, dann kommt es zu einer typischen Veränderung im Hormonhaushalt, die mittlerweile eingehend untersucht wurde.

 

Dauerschmerz und Dauerstress führen bei Fibromyalgie Patienten zu einem Anstieg des CRH (Corticotropin Releasing Hormon) im Hypothalmus. Der CRH Anstieg führt zu einer Kaskade von Hormonumstellungen in deren Folge das Wachstumshormon, Schilddrüsenhormon, Sexualhormone, Kortison, Prolaktin und viele andere Hormone erheblich beeinflusst werden.

 

So sind bei Fibromyalgie Patienten ACTH, FSH und Kortisol in Ruhe erhöht und das Wachstumshormon, Schildrüsenhormon und Östrogene erniedrigt. Bei manchen Patienten findet sich fast das Vollbild einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

 

Neben den Auffälligkeiten in den Blutspiegeln liegt gleichzeitig eine veränderte Ansprechverhalten der Hormone vor. Auf die Gabe von Steuerhormonen aus dem Hypothalamus oder der Hypophyse, sprechen die nachfolgenden Hormone entweder übermäßig oder zu wenig an. Kurz, das gesamte hormonelle Gleichgewicht kommt aus den Fugen.

 


Hormonelle Fehlsteuerung (benötigt Ladezeit, zur Steuerung bitte auf das Bild klicken)


Erläuterung der Abkürzungen

CRH = Corticotropin Releasing Hormon (wird z.B. auf Stress produziert). Höchstes Steuerhormon des Hypothalamus für Niebennieren-Kortisono-Achse

 

ACTH= Adreno-corticotropes Hormon der Hypophyse, welches vom Hypothalamus (durch CRH) stimuliert wird und seinerseits die Ausschüttung von Cortison in den Nebennieren anregt.

 

GH = Growth Hormon = Wachstumshormon, wird auch beim Erwachsenen für alle Regenerations-Prozesse benötigt. Produktion im Tiefschlaf. Bei Fibromyalgie vermindert.

 

IGF1= Insulin-like growth factor I (häufig bestimmte Fraktion d. GH)

 

Somatostatin = Somatotropin-(release-)inhibiting-Faktor

 

TSH TRH = (Thyreotropin-releasing-hormone) und TSH (Thyroidea-stimulating-hormone) sind Hormone, die an der Steuerung der Schilddrüsenfunktion beteiligt sind

 

Je höher die TRH Konzentration ist, desto mehr TSH wird gebildet. TSH reguliert die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 in der Schilddrüse (je mehr TSH gebildet wird, desto mehr T3 und T4 werden gebildet). Damit die Produktion von T3 und T4 nicht über die Erfordernisse des Körpers hinaus geht, hemmen T3 und T4 ihrerseits die Produktion von TSH und TRH.

 

Polaktin = das luteotrope Hormon (LTH), wird im Vorderlappen der Hypophyse gebildet. Wichtigste Funktion des Prolaktins beim Menschen ist der Einfluss auf die Milchproduktion der weiblichen Brust. Etwa ab der achten Schwangerschaftswoche steigt die Konzentration von Prolaktin steil an. Sie wird bis zur Geburt und auch danach noch durch den Stillreiz auf einem anhaltend hohen Niveau gehalten.

 

LHRH = luteinising hormone releasing hormone

 

LH = Lutenisierendes Hormon, Beim Mann stimuliert es die Testosteron-Synthese in den Leydig-Zellen der Hoden. Bei der Frau induziert es im Ovar die Ovulation und die Umwandlung des Follikels in einen Gelbkörper. engl: luteinising hormone

 

Östrogene = Die Östrogene sind weibliche Sexualhormone mit Steroidstruktur. Sie werden aus Testosteron in den weiblichen Keimdrüsen sowie in geringer Menge in der Nebennierenrinde gebildet

 

Serotonin = Das Amin Serotonin (5-HT) kommt als Hormon in der Gehirnregion vor. Es vermittelt eine Verengung der Blutgefäße. Außerdem steuert Serotonin beim Menschen den Gemütszustand, Schlafrhythmus, Sexualtrieb und die Temperatur im Körper und hat meist eine angenehme, entspannende Wirkung auf den Gesamtorganismus.

 

Hyperalgesie = vermehrte Schmerzempfindlichkeit

 

Tryptophan, Histidin, Lysin, Thyreonin = Aminosäuren, Bausteine der Eiweißproduktion

 

Substanz P= Körpereigenes Hormon, das ein eine starke Erweiterung der Blutgefäße und steigert die Durchlässigkeit der Gefäßwände. Als Folge davon wird die örtliche Durchblutung des Gewebes erhöht. Auch diese Vorgänge bewirken eine Steigerung der Empfindsamkeit der Nerven, was zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führt.