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Schmerzchronifizierung

Ein Fibromyalgie Syndrom benötigt Jahre um sich voll auszubilden. Weitere Jahre vergehen bis zur Diagnosestellung.

In dieser Zeit chronifizieren die Schmerzen, breiten sich aus (spreading) und intensivieren sich (wind up). Kommt es anfänglich nur zu Schmerzschüben in der kalten Jahreszeit oder nach körperlicher oder seelischer Belastung, sind die Schmerzen schließlich ganzjährig („immer und überall“) vorhanden.

Warum aus lokalem Schmerz (am häufigsten HWS-Syndrom, LWS-Syndrom) im Verlauf von Jahren ein Ganzkörperschmerz entstehen kann, wird derzeit viel diskutiert. Noch gibt es keine einheitlich Antwort. Es sind jedoch eine Reihe von Riksikofaktoren: (Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit).


Drei Formen der Chonifizierung

Beim FMS gibt es letztlich drei Formen der Chronifizierung und Generalisierung:

 

  • Räumlich: Immer mehr Regionen sind schmerzhaft
  • Zeitlich: Die Schmerzen treten anfänglich nur zeitlich begrenzt auf (bei Kälte, Nässe, körperlicher oder seelischer Belastung), später werden sie immer häufiger bis sie schließlich „immer“ vorhanden sind.
  • Qualität: Anfänglich ist die Beeinträchtigung nur auf Schmerzen begrenzt. Später werden immer mehr Sinnesorgane überempfindlich. Am Ende ist man überempfindlich gegenüber Lärm, Licht, Berührung, Kälte, Wärme, Geruch oder Geschmack.  


Chronifizierungsfaktoren

 

• Starke initialen Schmerzen.

• Lang anhaltende Schmerzen

• Unzureichende Schmerztherapie

• Lange Zeit zwischen Beschwerden und Diagnose

• Häufige frustrierende Therapieerfahrungen

• Multiple vegetative und funktionelle Beschwerden

• Schleudertrauma der HWS

• Jahrelang bestehende Reizdarmsyndrom

• Migräne

• Ausgeprägtes praemenstruelles Syndrom

• Schlechter muskulärer Trainingszustand

• Chronische Haltungsschäden

• Chronisch ungelöste seelische Belastungen

• Übermäßiges Pflichtgefühl

• Übermäßige Genauigkeit

• Depressivität

• Schmerzförderndes Verhalten der Umgebung


Partnerschaft und Schmerz

Viele der obigen Faktoren sprechen für sich. Bezüglich der Partnerschaft ist seit jüngerer Zeit bekannt, dass vor allem ein betont zuwendendes Verhalten der Partner oder Bezugspersonen deutlich schmerzverstärkend wirken.

 

Wenn also Partner dem geplagten Kranken alle Wünsche von den Lippen ablesen, wenn sich alles um die Krankheit dreht, wenn die eigenen Interesse aus Rücksicht vor der Krankheit zurückgestellt werden, wenn also der Partner „alles“ für den Betroffenen tut, dann hat dies paradoxerweise größere Beschwerden zur Folge.

Ähnliches gilt, wenn die Schmerzen eine dynamische Bedeutung in der Beziehung zu sich oder anderen erhalten (primärer/sekundärer Krankheitsgewinn) oder wenn Familienangehörige einen Vorteil aus der Erkrankung erhalten (tertiärer Krankheitsgewinn).

 

Als weiteren Risikofaktor findet man häufig – besonders bei Frauen – die Haltung es „allen Recht zu machen zu wollen“. Viele dieser Frauen sorgen sich vor allem um das Wohlergehen der Familie und der Partner. Die eigenen Bedürfnisse adäquat zu äußern und von den Bedürfnissen andere abzugrenzen, fällt ihnen oft sehr schwer.