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Martha - eine Fallgeschichte

Fibromyalgie trifft vor allem Frauen mit mittleren Lebensalter

Martha, so möchte ich eine betroffene Frau nennen, war ihr ganzes Leben gesund gewesen. Kurz vor ihrem 40sten Geburtstag bekam sie einen Hexenschuss. Dieses lästige Symptom verschwand bald wieder, aber es bildete den Anfang einer ganzen Kette von Krankheiten.

Eine typische Fallgeschichte...

Wenige Monate später stellten sich Rückverspannungen ein, die zu äußert hartnäckigen Kopfschmerzen führten. Manchmal litt Martha auch unter Migräneattacken, die sie den ganzen Tag ins Bett zwangen.

Ein halbes Jahr danach stellten sich Bauchbeschwerden ein: Aufstoßen, Völlegefühl, Rumpeln, Rumoren, Blähungen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel. Martha hatte den Eindruck, ihr Bauch wäre abends wie aufgeblasen. "Wie im 5. Monat...", so schilderte sie ihren Zustand. Der Bauch drückte gegen das Zwerchfell und sie konnte nur schlecht durchatmen. Manchmal wurde ihr so schwindlig, dass sie Angst hatte umzufallen.

Die Beschwerden wechselten in ihrer Intensität, doch wurden sie im Verlauf von mehreren Jahren immer zahlreicher. Martha schlief schlechter und fühlte sich morgens wie zerschlagen. Wenn sie sich schließlich aus dem Bett gequält hatte, war sie steif und unbeweglich. Ein Blick in den Spiegel ließ sie erschrecken. Sie wirkte verschwollen und aufgedunsen, so als hätte sie die ganze Nacht gezecht. Doch Alkohol trank sie schon lange nicht mehr, da sie kaum einen Tropfen vertrug.

Martha wurde immer verfröstelter. Besonders schlimm wurde es im Winter, da wurden die Finger manchmal schneeweiß, so schlecht waren sie durchblutet.

Immer neue Beschwerden kamen hinzu: Carpaltunnelsyndrom, eine Nerveneinengung am Handgelenk, das sich in Schmerzen im ganzen Arm äußerte, Reizblase, Mundtrockenheit, Periodenschmerzen und anderes mehr.

Kaum erträglich waren die ziehenden Beschwerden im ganzen Körper. In Armen, Beinen und vor allem im Rücken wurde sie von brennenden, bohrenden und beißenden Schmerzen gequält. Sie konnte gar nicht sagen, wo die Beschwerden genau waren. Martha hatte Schmerzen überall!

 Im Verlauf von fünf Jahren hatte sich Martha völlig verändert. Aus einer unternehmungslustigen und vitalen Frau war eine Schwerkranke geworden, die kaum mehr in der Lage war, ihrer Arbeit nachzugehen.

Sie hatte in dieser Zeit Dutzende von Ärzten gesehen. Was zu untersuchen war, war untersucht worden. Es gab kaum ein Gelenk, das nicht geröntgt worden war. Doch alle Ergebnisse lauteten gleich: "Es ist alles in bester Ordnung, Sie haben nichts!" Mehr als zehn verschiedene Diagnosen waren gestellt worden. Doch zunehmend spitzten sich die Diagnosen auf ein Problem zu: Martha bilde sich das Ganze nur ein, sie sei in erster Linie seelisch krank!

 Martha zweifelte erst an den Ärzten, dann an sich selbst. Sie hatte doch Schmerzen, so etwas bildete man sich nicht freiwillig ein! Aber schließlich nagten Zweifel an ihrem Selbstbewusstsein. Vielleicht war sie wirklich selbst schuld an ihrem Zustand. - Martha fühlte sich einsam, verlassen und hoffnungslos, so wollte sie nicht weiterleben!

Martha war weder neurotisch, noch bildete sie sich ihre Krankheit ein. Obwohl die meisten Ärzte exakt diagnostiziert und von ihrem speziellen Blickwinkel aus durchaus recht hatten, trafen sie dennoch mit ihrer Diagnose nicht ins Schwarze. Denn Martha hatte nicht eine Unzahl von verschiedenen Erkrankungen, sie litt nur an einer Einzigen: Fibromyalgie.