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Tender points (Druckpunkte): Was haben Sie zu bedeuten?

Wichtige tender points

Für das Verständnis und die Diagnostik dieser Krankheit gleichermaßen bedeutsam sind die bereits mehrfach erwähnten Druckpunkte, die "tender points".

Sie können das Phänomen am besten verstehen, wenn Sie ein kleines Experiment machen. Ertasten Sie die Stelle, an der die Muskeln des Unterarmes in die Sehnen am Ellenbogen übergehen, und drücken Sie kräftig mit dem Daumen darauf. Möglicherweise müssen Sie ein bisschen suchen, bis Sie diese Stellen auf der Vorder- und Rückseite des Ellenbogens gefunden haben.

 

Wenn dieser Druck schmerzt, haben Sie einen "tender point" gefunden. Sie müssen nun aber keinen Schreck bekommen: Ein tender point macht noch keine Fibromyalgie! Die beiden Punkte am Ellenbogen sind bei den meisten Menschen schmerzempfindlich. Es sind in etwa die Stellen, die auch beim "Tennisellenbogen" so ziehend wehtun. Im Falle des Tennisleidens sitzt die Schädigung allerdings knapp daneben im Übergang von der Sehne in den Knochen.

Schmerzt es auf der anderen Seite, spricht man gern vom Golfer-Arm. Nebenbei: Die meisten Menschen, die unter den Beschwerden leiden, spielen weder Golf noch Tennis!

 

Nun gibt es natürlich nicht nur diese beiden Muskel-Sehnen-Übergänge. Im Prinzip kann jeder Muskel davon betroffen sein. Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie einmal schätzen, wie viele Muskeln Sie besitzen? Es sind genau vierhundertvierundzwanzig (*in Worten*)! Neben diesen quergestreiften Muskeln, die wir bewußt steuern können, gibt es noch weitere, unzählige längsgestreifte Muskeln, die z.B. im Verdauungskanal arbeiten. Etwa 40% des Körpergewichtes besteht aus Muskeln. Diese sind damit das größte Organ des Menschen. Glücklicherweise treten die Schmerzpunkte nicht an jedem dieser Muskeln auf. Über die genaue Zahl der in der Regel betroffenen gibt es keine Einigkeit. Bis zu 75 Schmerzpunkte wurden beschrieben, doch sind sie nicht alle gleich wichtig.

 

Wenn Sie die Abbildung genau betrachten, werden Sie feststellen, daß nicht nur die Übergänge von Muskeln zur Sehne eingezeichnet sind. Ein weiterer Übergang am Brustkorb, nämlich die Knorpel-Knochen-Grenze im Bereich der Rippen kann Schmerzen verursachen. Tastet man von außen, kann man sie unter der Haut bzw. unterhalb der Brustmuskeln spüren. Häufig ist jeder einzelne Knorpel-Rippen-Übergang betroffen.

 

Da die Rippen nicht gleich lang sind, sondern von oben nach unten immer kürzer werden, liegen die Schmerzpunkte von oben nach unten gesehen immer weiter außen. So lassen sie sich leicht von anderen sensiblen Punkten unterscheiden.

Bedeutsam sind diese tender points im Brustbereich, weil sie vermutlich für die sehr unangenehmen Brustschmerzen verantwortlich sind, unter denen viele Fibromyalgie-Patienten leiden. Oft genug sind sie so heftig, daß die Beschwerden mit einem Herzinfarkt verwechselt werden, und die geplagten Menschen auf eine Intensivstation aufgenommen werden.

 

Noch ein zweiter Bereich bildet eine Ausnahme von der Regel: Im Bereich der kleinen Hand- und Fußgelenke kann das umliegende Gewebe befallen sein. Ein Zustand, der mit einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung einhergeht.

Ich nehme an, daß Sie in der Zwischenzeit bei sich selbst überprüft haben, ob die angegebenen Stellen schmerzen. Vermutlich haben Sie bei dieser Überprüfung festgestellt, daß viele dieser tender points Beschwerden machen, wenn Sie nur fest genug drücken. Muskel-Sehnen-Übergänge sind nämlich von Natur aus empfindlicher als die Mitte des Muskels sog. "trigger points", die mit den Druckpunkten der Fibromyalgie nichts zu tun haben. Dies sind tastbare Verhärtungen in der Muskulatur.

 

Über die Bedeutung der tender points wurde in der Vergangenheit viel diskutiert. Derzeit ist mein Verständnis Folgendes: Das Fibromyalgie Syndrom zeichnet sich durch eine abnorme Absenkung der Reizschwelle aus. Man wird über die Maßen schmerzempfindlich. Dieses ist im Bereich der tender points nur besonders ausgeprägt.

 

Aber: Es trifft letztlich den gesamten Körper. Jeder Stoß tut praktisch überall weh!

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