Candida-Besiedlungen des Magens und von Magengeschwüren

Der Magen ist wie die Speiseröhre von Natur aus recht gut gegen einen Angriff von Mikroorganismen gewappnet. An erster Stelle ist hier die Magensäure zu nennen, die den Pilzen zusetzt. Ein gesunder Magen ist in der Lage, die meisten Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) durch seine Säure auszuschalten. Sie werden darin aufgelöst und verdaut. Dies ist einer der großen Schutzbarrieren, die uns vor Infektionen aus unserer Umwelt schützen. Aus dem Mund glangen nämlich immer wieder Pilze unterschiedlichster Art in den Magen hinein, die sich dort jedoch weder ansiedeln noch vermehren können.

Säurefeste Candida
Candida-Arten machen hier allerdings eine Ausnahme. Sie können sich zwar im sauren Milieu (pH<4,5) des Magens nur schlecht fortpflanzen, ansonsten aber überstehen sie die Salzsäure ohne Beeinträchtigung. In einem Laborversuch simulierte man das saure Magenmilieu mit Hilfe einer Salzsäure-Lösung. Candida-Hefen überlebten diese lebensfeindliche Umgebung 11 Tage lang. . Candida albicans ist gelegentlich sogar in der Lage, auch unter den extrem sauren Bedingungen des Magens Nachkommen zu zeugen .


Gesunde Magenschleimhaut

Candida und Magengeschwüre
Dies ändert sich allerdings, wenn der Magen eine Schädigung aufweist. An erster Stelle ist hier das Magengeschwür zu nennen. Auf dem Boden und am Rande eines Geschwürs finden Pilze die kleinen geschützten Nischen, in denen sie ausgezeichnet gedeihen. Sie ernähren sich von den absterbenden Zellen und sind hier vor der Einwirkung der Salzsäure abgeschirmt. Bei Reihenuntersuchungen war auf einer Vielzahl von Geschwüren ein Pilzbefall festzustellen.

Pilzbesiedeltes Magegeschwür

Ob Pilze diese Geschwüre selbst hervorrufen können, ist derzeit nicht bekannt. Wahrscheinlich suchen sie vorgeschädigte Stellen der Magenschleimhaut, setzen sich dort fest und vermehren sich und verschlimmern somit eine bestehende Schädigung.
Magengeschwüre entstehen häufig. In belastenden Lebenssituationen kann leicht ein kleines Magengeschwür entstehen. Falls Sie in einer solchen Lebenslage dann zu den üblichen Magenmitteln greifen, versuchen Sie damit, die aggressive Salzsäure des Magens zu binden bzw. deren Bildung zu unterdrücken. Dies ist einerseits sinnvoll, um Magengeschwüre schneller abheilen zu lassen. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Durch die Reduktion der Säure können sich die Pilze am Rande und auf dem Boden des Geschwüres nun wesentlich besser vermehren. So kann gelegentlich ein Teufelskreis entstehen: Aufgrund der Beschwerden nehmen Sie Magentabletten, die ihrerseits jedoch das Pilzwachstum im Geschwür fördern! Kommt es zur Verschlimmerung der Beschwerden, werden Sie "logischerweise" erst einmal mehr Tabletten einnehmen.
In solchen Fällen vermuten viele Ärzte, die Beschwerden würden durch Bakterien (z.B. Helicobakter pylori) verursacht. Als Therapie werden dann Antibiotika und ein Säureblocker eingesetzt. Waren jedoch Pilze die Krankheitsursache, so werden die Beschwerden allerdings noch verstärkt. Antibiotika schaden bekanntlich Pilzen nicht, im Gegenteil, sie optimieren ihre Lebensbedingungen. So entsteht dann ein äußerst hartnäckiges Krankheitsbild, das vor allem eine Folge der fehlgerichteten Therapie war.
Ein Magengeschwür kann auch der Ort sein, von dem aus Pilze in die Tiefe des Gewebes vordringen. Beispielsweise können so die kleinen und kleinsten Gefäße der Magenschleimhaut befallen werden, die sich dann entzünden und so eine örtliche Durchblutungsstörung hervorrufen . Auf diese Weise werden die Selbstheilungskräfte des Magens noch weiter geschwächt.

An Candida denken!
Es ist also wichtig, an die Möglichkeit von Pilzbesiedelungen des Magens zu denken! Denn selten ist dieses Krankheitsbild nicht: Bei der Operation von Magengeschwüren fand man jedes dritte von Pilzen befallen . Andere Studien gehen von noch höheren Zahlen aus. Wenn also hartnäckige Magenbeschwerden bestehen oder Magengeschwüre nicht abheilen wollen, besteht der hochgradige Verdacht auf eine Pilzbesiedelung . Ganz besonders gilt dies, wenn weitere Faktoren vorliegen, die ein Pilzwachstum begünstigen (Immunschwäche, Diabetes usw.). In solchen Fällen sollte man die Magenmittel absetzen und statt dessen ein Anti-Pilz-Mittel (z.B. Nystatin) einnehmen.

Der Magen ist normalerweise durch die Magensäure wie mit einer Barriere gegen Pilze geschützt. Manche Hefen, besonders Candida albicans, können jedoch auch im sauren Milieu des Magens überleben. Besonders am Rand und in Magengeschwüren finden Sie geschützte Nischen. Durch die Einnahme von sog. Säureblockern und Antibiotika verbessern sich die Überlebenschancen von Pilzen im Magen.
· Das können Sie selbst tun: Denken Sie daran, daß auch ein Pilz die Ursache von hartnäckigen Magenschmerzen oder -geschwüren sein kann, besonders, wenn Sie bereits erfolglos Antibiotika eingenommen haben.
· Das können Sie mit ärztliche Hilfe tun: Nehmen Sie ein Antimykotikum (z.B. Nystatin).