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Welche Rolle spielen Hefepilze bei der Allergie?

Intracutan Test zur Allergietestung

Nicht alle Stoffe lösen gleichermaßen eine Allergie aus, es kommt dabei auf Größe, chemische Struktur und manches andere an. Birken- oder Haselpollen, Milcheiweiß oder Nüsse, Hausstaub und manche Schimmelpilze sind beispielsweise "starke" Allergene (Allergieauslöser), die gewissermaßen wie ein Schlüssel in das Schloß passen, das die Allergie auslöst. Auch Candida albicans ist so ein starkes Allergen. Hinzu kommt noch, daß die Candida-Arten sehr verbreitet sind und vor allem im Magen-Darm-Trakt und in der Lunge riesige Kontaktmöglichkeiten zum Organismus haben. Diese großen Schleimhautoberflächen sind wie geschaffen für die Auslösung von Allergien.


Wie äußert sich eine Hefepilzallergie?

Im Prinzip unterscheidet sich eine Candida-Allergie nicht von anderen Formen der Überempfindlichkeit. Sie kann jede der oben aufgeführten Krankheitsbilder auslösen. Allerdings gibt es Beschwerden, die häufiger vorkommen und solche, die eine Seltenheit sind.

 


Mykide

Relativ häufig sind allergische Reaktionen der Haut. Meist äußern sie sich in kleinen Flecken, Knötchen, Bläschen oder Schuppungen, die nicht durch den Pilz selbst, sondern durch eine Überempfindlichkeit des Körpers auf diesen Pilz ausgelöst werden. So kann z.B. eine Pilzerkrankung der Scheide feine Schuppungen oberhalb der Augenbrauen hervorrufen.

 

Nochmals: In den Schuppen findet man keinen Pilz! Sie sind eine allergische Reaktion auf einen Pilz, die in der Medizin als "Mykid" und im speziellen Fall einer Candida-Allergie als "Candidid" bezeichnet wird. Ähnliche allergische Symptome finden sich auf den Schleimhäuten, z.B. der Scheide und wahrscheinlich auch im Magen-Darm-Trakt . Vermutlich gelangen kleinere Pilzpartikel in die Haut und lösen dort die Reaktion aus. Eine solche Situation ergibt sich beispielsweise, wenn Pilze in großen Mengen durch Medikamente zerstört werden. Dann fallen Pilzbruchstücke in Massen an. Wenn also im Anschluß an eine Pilztherapie plötzlich kleine juckende Flecken auftreten, dürfen Sie sich trösten: Es ist keine neue Erkrankung, Sie sollten nur die Pilze langsamer (weniger Tabletten!) bekämpfen.


Chronische Darmentzündungen und Candida-Allergie

Aus eigenen Beobachtungen und Untersuchungen ist für mich folgender Zusammenhang auffällig: Bei entzündlichen Darmerkrankungen, z.B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bemerke ich häufig eine Candida-Allergie, die sich im Hauttest eindeutig nachweisen läßt. Meist liegt gleichzeitig ein Candida-Befall des Darmes vor. Für die meisten Patienten ist es sehr eindrucksvoll, zu sehen, wie intensiv ihre Haut auf den Pilz reagiert (Juckreiz, Rötung, Bläschen). Befindet sich der gleiche Pilz nun auf der entzündeten Darmschleimhaut, so ist dort sein überaus schädlicher Einfluß nur plausibel.

 

Die allergische Reaktion auf Candida-Arten mag nicht die alleinige Ursache für entzündliche Darmerkrankungen sein, sie ist aber aus meiner Sicht eine Teilursache, die häufig übersehen wird. Pilze sind in diesen Fällen also doppelt störend. Erstens schädigen sie die Darmwand durch ihre Anwesenheit direkt, und zweitens lösen sie dort zusätzlich allergische Reaktionen (Schwellung, Entzündung) aus. Entfernt man den Pilz, so geht es den betreffenden Patienten meist entschieden besser!

 

Eine Allergisierung gegen Candida Arten finde ich bei Patienten mit chronischen Darmentzündungen recht häufig, was vermutlich an der gestörten Barrierefunktion des Darmes liegt. Durch die andauernde, großflächige Entzündung- der Darm ist die größte Außenfläche des Menschen - können Pilzpartikel in den Körper eindringen und so eine Überempfindlichkeit verursachen.


Asthma und Candida-Allergie

Auch Asthma bronchiale kann durch Candida-Arten ausgelöst oder verschlimmert werden. Die Pilze können auf den Bronchialwegen sitzen und dort die allergische Reaktion begünstigen. Asthmatiker sind in mehrfacher Hinsicht anfälliger für Pilzinfektionen: Viele dieser Patienten sind gezwungen, über Jahre hohe Dosen von Kortison einzunehmen oder in die Lunge zu sprühen. Kortison begünstigt jedoch das Pilzwachstum ungemein. Ebenso müssen Asthmapatienten leider häufig Antibiotika einnehmen, um die Bronchialwege bakterienfrei zu bekommen. Auch hierdurch wird das Pilzwachstum gefördert. Schließlich bewirkt die schwere, chronische Krankheit eine größere Anfälligkeit des Immunsystems.

Wie stark sich die Candida-Allergie auf Asthma auswirkt, ist noch unklar. Aus Untersuchungen ist bekannt, daß ein großer Teil der Asthmatiker (20-70%) auf Candida allergisch reagiert. Allerdings ist nicht in jedem Fall der Pilz die entscheidende oder alleinige Ursache der Erkrankung. Im Einzelfall kann ein Provokationstest (siehe unten) zur Klärung beitragen.

Neben den beschriebenen Allergieformen gibt es noch eine Reihe von anderen Erkrankungen, bei denen eine allergische Ursache zwar wahrscheinlich, aber nicht bewiesen ist. Dies sind vor allem eine Reihe von weitverbreiteten Hautkrankheiten, bei denen Candida Infektionen zumindest eine Teilursache sind.

 


Neurodermitis und Candida-Allerige

Neurodermitis

Die Neurodermitis, auch endogenes oder atopisches Ekzem genannt, ist eine entzündliche Hauterkrankung, die häufig bereits in der Jugend beginnt. An typischen Stellen, nämlich den Gelenkbeugen, dem Haaransatz, den Schläfen, Augen, Hals oder auch an anderen Stellen des Körpers, zeigt sich ein Hautausschlag, der vor allem quälend juckt. Die leidgeprüften Patienten leiden darunter vor allem nachts, und manche kratzen sich im Schlaf blutig.

 

In den letzten Jahren wurde festgestellt , daß bei der überwiegenden Mehrzahl von Neurodermitis-Patienten ein Befall des Darmes mit Candida-Arten vorliegt. Dieses Ergebnis kann ich auch bei meinen Patienten immer wieder bestätigen. Bei nahezu allen Neurodermitikern fand sich eine erhebliche Besiedelung des Magen-Darm-Traktes mit verschiedenen Pilzen.

 

Um es nochmals zu wiederholen: Dieser erfreuliche Verlauf bedeutet nicht, daß der Candida-Befall die alleinige Ursache der Neurodermitis war. Es können viele Dinge zusammenkommen, die von Allergien bis zu seelischen Faktoren reichten. Die Ursache muß in einer Summe von Einzelfaktoren gesucht werden, die schließlich eine gewisse Schwelle überschreitet, bei der dann die Krankheit sichtbar wird. Im Fall von Annemarie war die Entfernung der Hefepilze offenbar ausreichend gewesen, diese Schwelle wieder zu unterschreiten.


Weitere Hauterkrankungen und Candida-Allergie

Die Neurodermitis ist nicht die einzige Hauterkrankung, bei der Hefepilze eine Rolle spielen. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Krankheiten, bei denen man einen Zusammenhang bereits kennt oder zumindest stark vermutet. Der genaue Mechanismus eines Befalls ist nicht bekannt. Offenbar werden bestimmte Bestandteile des Pilzes aus dem Darm aufgenommen. Gegen diese Partikel entwickelt sich dann eine Allergie. Als Folge der Überempfindlichkeit werden dann unterschiedlichste Hautreaktionen ausgelöst.

 

Zu diesen Krankheiten gehört auch die Schuppenflechte, wie aus neueren Untersuchungen bekannt ist . Bei dieser weit verbreiteten Krankheit kommt es zu silberweißen Schuppungen der Haut, die besonders gerne im Bereich der Ellenbogen, der Knie, im Kreuzbereich und auf der behaarten Kopfhaut auftreten. Unter den Schuppen befindet sich ein kleines Häutchen. Kratzt man auch hier, kommt es zu einer punktförmigen Blutung.

 

An weiteren Erkrankungen möchte ich noch erwähnen:

 

Nesselsucht (chronische Urtikaria)

Juckreiz am After

kreisrunder juckende Ausschläge (Erythema anulare centrifugum Darier), Schweißbläschen (Dyshidrosis)

Ausschlag, den Säuglinge zuweilen im Gesicht habe (Dermatitis seborrhoidesi infantum).

Für all diese Fälle gilt, daß eine Bekämpfung der Pilzerkrankung einen überaus positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf hat.

 

Mögliche allergische Reaktionen auf Candida-Hefen

 

Asthma

Entzündliche Darmerkrankungen (Reizdarm, Colitis ulcerosa, M. Crohn)

Migräne

Neurodermitis

Schuppenflechte (Psoriasis)

Nesselsucht (chronische Urtikaria)

Afterjucken

Schweißbläschen (Dyshidrosis)

Mykide

"Säuglingsausschlag" (Dermatitis seborrhoidesi infantum)

 


Diagnostik

Falls Sie vermuten, Sie könnten unter einer Candida-Allergie neigen, so läßt sich dies leicht durch entsprechende Tests feststellen. Meist werden solche Untersuchungen von Hautärzten oder allergologisch interessierten Allgemeinärzten/Internisten durchgeführt. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren.


Hautteste

Prick-Test

Verbreitet sind die Hautteste. Dazu wird ein winzige Spur des Pilzes in die Haut eingeritzt ("Scratch-" bzw. "Prick-Test") oder oberflächlich hineingespritzt ("Intracutan-Test", meist aussagekräftiger).

 

Ein Mensch ohne Allergieneigung zeigt auf diese geringe Reizung keine oder nur eine minimale Reaktion der Haut. Anders sieht dies aus, wenn jemand unter einer Candida-Allergie leidet: Dann bildet sich nach wenigen Minuten eine juckende Rötung und Schwellung ("Quaddel"), die wie ein Insektenstich aussieht. Das Ausmaß der Reaktion wird in drei bis vier Stärken klassifiziert, und mit entsprechenden Kreuzchen im Allergiepaß notiert. Die Stufen zwei, drei und vier sind Ausdruck einer Allergie.

 

In seltenen Fällen kann schon der minimale Kontakt beim Test mit dem Candida-Allergen zu einer heftigen Allgemeinreaktion des Körpers führen, wobei intensiver Juckreiz oder Rötung von großen Hautpartien, Schwellungen der Schleimhäute und heftige Kreislaufreaktionen auftreten können. In solchem Fall müssen dann zusätzliche Medikamente gegeben werden.

 

In der Medizin wird die sofortige Reaktion des Körpers (die "Quaddel") als Typ-I-Allergie bezeichnet. Manchmal tritt die Reaktion aber nicht sofort, sondern erst nach einigen Stunden auf, dann spricht man von einer Typ-III-Allergie. Schließlich kann eine Schwellung auch erst nach Tagen auftreten, dann handelt es sich um eine Typ-IV-Allergie. Diese Unterscheidung hat durchaus praktische Folgen.

 

Eine unzweifelhafte Allergie liegt bei einer Sofortreaktion des Körpers vor (Typ I und III). Wenn Ihre Haut also sofort oder kurze Zeit später mit einem heftigen Juckreiz reagiert, dann besteht an der Allergie wenig Zweifel. Anders sieht es aus, wenn Ihre Haut erst nach ein bis zwei Tagen reagiert. Hier kommt es auf das Ausmaß der Reaktion an: Eine kleine Quaddel in der Größe eines Mückenstiches (wie ein Zehnpfennigstück oder kleiner) ist noch kein Grund zur Beunruhigung. Sie muß als Zeichen einer normalen Immunabwehr gewertet werden. Anders sieht dies aus, wenn heftige Hautreaktionen zu beobachten sind. Innerhalb weniger Tage können beeidruckende Schwellungen auftreten, die unangenehm jucken und die Größe eines Fünfmarkstückes erreichen. Diese zweite Reaktion muß als Zeichen einer Überempfindlichkeit angesehen werden . Dieser juckende Fleck kann über Tage und Wochen bestehen bleiben, wobei er sich leicht dunkel verfärbt. Danach verschwindet er allerdings folgenlos.


RAST

Neben dem Hauttest besteht auch die Möglichkeit, im Blut Hinweiszeichen auf eine Allergie zu finden. Dieses Verfahren wird als "RAST-Test" bezeichnet. Hierzu wird Blut aus einer Vene entnommen und von einem Labor in einem recht aufwendigen Verfahren untersucht. Allerdings kann dieses Laborverfahren den Hauttest nicht ersetzen: In vielen Fällen zeigt der RAST-Test keine Allergie an, obwohl an einer solchen nicht zu zweifeln ist. Andererseits kann man gelegentlich auch eine Allergiebereitschaft im RAST-Test nachweisen, die sonst nicht aufgefallen wäre. Beide Verfahren ergänzen sich also.

 


Provokation

Provokationstest der Nasenschleimhaut

Keiner der erwähnten Tests liefert aber absolute Werte. Meist wird eine Allergie nur mehr oder weniger wahrscheinlich. Zusätzliche Sicherheit können Sie durch eine sog. "Provokation" erhalten: Abgetötete Candida-Partikel werden entweder auf die Nasenschleimhaut aufgeträufelt oder mit Hilfe einer Apparatur eingeatmet. Falls eine Überempfindlichkeit ("Sensibilisierung") der Schleimhaut vorliegt, kommt es zu Schwellung, Juck- oder Niesreiz bzw. Atemnot. Man kann den Schwellungsgrad auch apparativ messen. Dazu wird der Luftstrom gemessen, der vor und nach der Provokation durch die Nase bzw. die Atemwege strömt. Eine ausgeprägte Allergie werden Sie allerdings auch ohne Messung nicht übersehen!